17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ausgezeichnet als bester französischer Krimi, 7. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Nacht über Algier (Gebundene Ausgabe)
Mit seinen Kriminalromanen um Kommissar Brahim Llob, einem durch und durch integren, aber glücklosen Mann, ist der Autor (1956 in Algerien als Mohammed Moulessehoul geboren ,seit längerem in Frankreich im Exil lebend und unter dem Mädchennamen seiner Frau schreibend) in Deutschland bekannt geworden.
In der Sendung "Lesen" wurde sein neuestes Buch von Elke Heidenreich einem größeren Publikum vorgestellt, was seinen Bekanntheitsgrad rapide anwachsen lassen wird.
Der Autor versteht es, den Leser von der ersten Seite bis zur letzten zu fesseln und die Spannung niemals abflauen zu lassen.
Sein Roman ist außerdem auch ein Porträt Algeriens vor dem Aufbruch zum Fundamentalismus in den 90er Jahren.
Kommissar Llob möchte verhindern ,dass ein psychopathischer Mörder von der alger.Justiz begnadigt wird;zudem bereitet ihm sein junger Assistent große Sorgen, da dieser ein Verhältnis mit der Frau eines sehr mächtigem, skrupellosen Mannes hat. Schließlich wird Llobs Assistenten ein Mord in die Schuhe geschoben, Drahtzieher ist der betrogene einflussreiche Ehemann. Zusammen mit der Journalistin Soria ermittelt Llob in der Sache, die Spur führt sie in höchste gesellschaftliche Kreise...
Ein kurzweiliger, sehr schön geschriebener lehrreicher Kriminalroman, den man nur empfehlen kann!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Traum zerbricht, 7. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Nacht über Algier (Gebundene Ausgabe)
1988, Algier ist ruhig und alle langweilen sich in der Mordkommission von Kommissar Llob. Doch die Ruhe trügt. Noch herrscht in Algerien das Einparteiensystem, der "arabische Sozialismus", der von dem Ruhm des Befreiungskrieges gegen die Franzosen zehrt.
Aber der ist längst hohl geworden, die Revolutionäre von damals, jetzt satt und reich geworden, bilden eine eigene Herrschaftskaste. Darunter so mancher, der es verstand, den Glanz aus früheren Jahren zu versilbern, während das Volk verelendet, nur noch wenige Stunden am Tag Wasser fließt und auch der Strom fast schon zu einem Luxusgut wurde.
Da bandelt ausgerechnet Llobs Assistent Lino mit der Geliebten des allmächtigen Haj Thobanes an. Als der Chauffeur Thobanes mit Linos Pistole erschossen wird, ist allen klar: Lino war der Täter, ein Racheakt, ein Mord aus Leidenschaft. Doch Llob glaubt nicht daran, aber wie soll er das beweisen? Lino hat kein Alibi, war zur Tatzeit stockbesoffen und hat obendrein noch seine Pistole "verloren" - jeder hält diese Aussage für den Versuch, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Da taucht die attraktive Historikerin Soria Karadach auf. Sie untersucht die Ereignisse von 1962/63, als nach dem Abzug der Franzosen deren Handlanger überall gejagt und ermordet wurden. Damals war Thobane Militärchef auf dem Land und bald finden Llob und Soria heraus, dass der Mord eng mit dieser Vergangenheit verbunden ist.
Doch Llob war selbst einer der Aufständischen und wer die Guerilla beleidigt, der beleidigt ihn. Keine gute Ausgangsposition, um in dem Geflecht von Lügen, Geschichtsfälschungen und bedrohten Zeugen die Wahrheit zu erfahren.
Khadra hat einen Krimi geschrieben, der Algeriens Geschichte von dem Unabhängigkeitskrieg 1954/62 bis hin zum Ende der Herrschaft des "arabischen Sozialismus" spannt. Die Tragödie eines Landes zwischen Moderne und Vergangenheit, zwischen Kolonialismus und westlicher Elite verknüpft sich mit einem Mordfall, in dem immer wieder neue Aspekte auftauchen, nichts sicher scheint, in dem sich am Horizont bereits der islamistische Bürgerkrieg abzeichnet, der aus diesem System wenige Jahre später geboren werden wird und Algerien in ein neues Blutbad stürzt.
So entstand nicht nur ein spannendes, sondern auch ein lehrreiches Buch. Schade nur, dass der Verlag zwar ein dreiseitiges Glossar, aber keinen Abriss der Geschichte Algeriens beigefügt hat. Manches bleibt dem Leser so verschlossen.
Am Anfang geraten die Figuren ein wenig arg schematisch, der bärbeißige Kommissar, Macho, aber ehrlich bis auf die Knochen, steht den Größen der Macht gegenüber, die durch die Bank korrupt und verdorben sind ' erst später löst sich dieses Schema ein wenig auf. Aber vielleicht sind in einem solchen System die Mächtigen wirklich nur Schemata, austauschbar, Klone, alle nach dem gleichen Muster gestrickt?
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Blick aus dem Fenster wird zum Blick in den Spiegel, 16. März 2008
Wenn man die Erzählung von Yasmina Khadra als reine Kriminalgeschichte nimmt, hat man wahrscheinlich schon Spannenderes gelesen. Dass man, je tiefer man in die Geschichte eintaucht, immer mehr von ihr gefesselt wird und schließlich kaum noch von ihr lassen kann, liegt an der liebevoll ironischen, sehr glaubhaften Darstellung der maghrebinischen Welt und ihrer Mentalität. >Nacht über Algier< setzt insofern die anspruchsvolle Tradition von Camus' >Die Pest< fort - und wie bei Camus erfährt man schließlich mehr über gesellschaftliche Mechanismen, als der bloße Fall zunächst herzugeben scheint - etwa, wenn man am Ende mit dem beklemmenden Gefühl zurückbleibt, dass vielleicht auch bei uns obskure Strippenzieher darüber entscheiden, welche Verbrechen an den Pranger gestellt werden und welche nicht. Man denke nur an die öffentliche >Hinrichtung< von Postchef Zumwinkel, als gleichzeitig andere Wirtschaftskriminelle mehrere Tage Zeit erhielten, ihre Weste zu waschen...
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