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Nachruf
 
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Nachruf [Taschenbuch]

Stefan Heym
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 843 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (Juni 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596295491
  • ISBN-13: 978-3596295494
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,4 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 340.950 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stefan Heym
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Produktbeschreibungen

Klappentext

"Heym liest so, wie man ihn erlebte: ruhig, reflektiert, den Hörer in die Pflicht nehmend."
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 6.8.2003

"das Hörbuch glitzert aus der nahen Vergangenheit, als handle es sich um einen historischen Roman... nun ist die gelassene Stimme dieses vernarbten Ritters im Hörbuch erschienen, und unter den Zuhörern steht am Rande der Arena der Rezensent, zieht die Mütze und wirft sie hoch."
Süddeutsche Zeitung

"... ist gleichzeitig spannende Geschichtslektüre und das gelungene Selbstporträt eines Schriftstellers..."
BR2 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Stefan Heym (1913-2001) floh vor der Nazidiktatur nach Amerika, verließ das Land in der McCarthy-Ära und lebte seit 1952 in der DDR. Seine trotzig-kompromisslose Kritik an Selbstherrlichkeit, Unterdrückung und Zensur machte ihn zur herausragenden Figur, die geliebt und geachtet wurde. Zeitlebens blieb Heym ein Schriftsteller, der seine Kunst an keine Ideologie verriet (Die Zeit). 1994 eröffnete Heym als Alterspräsident mit einem engagierten Plädoyer für Toleranz den deutschen Bundestag.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Eigentlich wollte Stefan Heym ja nie eine Autobiographie schreiben. Denn Biographien und Autobiographien spielen in seinem sehr umfangreichen Werk immer wieder eine tragende Rolle. Meist bringen sie die Verfasser in Konflikt mit dem Staat, worunter die Fertigstellung des Werkes meistens leidet. Trotzdem, man muß dankbar sein, daß er über seinen Schatten gesprungen ist. Denn "Nachruf" ist eine ungemein spannend und anschaulich geschriebene Autobiographie. Wer Stefan Heym nur als PDS-Fuzzi im Bundestag kennengelernt hat und ihn danach beurteilt, der tut ihm unrecht. Sein Leben war weiß Gott mehr als das eines unverbesserlichen Kommunisten und linken Träumers: Jüdischer Emigrant aus Deutschland, Schriftsteller in den USA, kämpfender Offizier gegen Nazideutschland, verantwortlich für Radio und Kultur im amerikanischen Sektor. Doch das Freund-Feind-Denken, daß zwischen den Siegermächten nach 1945 ausbricht, besiegelt auch seine Karriere. Wütend und empört gibt er Offizierspatent, Medaillen und Orden zurück und entschließt sich letztlich, in der DDR zu leben, die seiner Weltanschauung näher ist. Doch das Leben dort ist ebenfalls kein Zuckerschlecken für ihn - mit fast jedem Buch gerät er mit Partei und Stasi in Konflikt. Erfolgreich war er daher vor allem im Westen. Wer Stefan Heym näher kennenlernen möchte und sich an seiner spannenden Geschichte erfreuen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Stefan Heyms Autobiographie, 1988 unter dem Titel "Nachruf" erschienen, ist für mich eines der schönsten und wichtigsten Bücher überhaupt. Stefan Heym erzählt spannend, unprätenziös, humorvoll und vor allem mit Talent auch zur Selbstironie aus seinem Leben. Und was er hier zu berichten hat, wird zu einem wichtigen und anschaulichen Stück deutscher Zeitgeschichte. Aus jüdischem gutbürgerlichem Elternhaus stammend, fühlte sich der 1913 in Chemnitz geborene Kaufmannssohn schon früh zu den "Linken", wer auch immer das genau war, hingezogen. Ein antimilitaristisches Gedicht, das er Anfang der 1930er Jahre in einer sozialdemokratischen Zeitung veröffentlichte, führte zu einem Proteststurm in der Öffentlichkeit, der ihn zwang, nach Berlin umzuziehen und den Schulbesuch dort fortzusetzen. Schon 1933 emigrierte er nach Prag, 1935 konnte er mit einem Studentenvisum in die Vereinigten Staaten einreisen. Nicht ganz mühelos gelang er ihm, in den USA zu bleiben, wo ihm 1941 mit seinem auf englisch geschriebenen antifaschistischen Roman "Hostages" (deutsch Der Fall Glasenapp: Roman) ein sensationelles Debüt gelang. Es folgte die Teilnahme am zweiten Weltkrieg als Soldat der US-Armee, zuletzt im Range eine Leutnants, sozialistische Aktivitäten nach der Rückkehr in die USA und schließlich 1951 die Flucht vor dem Antikommunismus der Mc-Carthy-Ära und die Übersiedlung in die DDR. In der DDR avancierte er mit der Zeit zu einem der führenden Schrifsteller, oft als "großer alter Mann der DDR-Literatur" bezeichnet.

Was mich an Stefan Heym fasziniert, ist sein durchgängiges mutiges Eintreten für einen demokratischen Sozialismus. Dies brachte ihn immer wieder in Konflikte mit den jeweiligen Machthabern: Den reaktionären Honoratioren im Chemnitz der späten Weimarer Republik ebenso wie mit den US-amerikanischen Militärbehörden, die ihm erst nach langem Zögern das Offizierspatent verliehen, und mit den kleingeistigen Stalinisten in der SED-Führung. Bei der Lektüre fasziniert mich eine manchmal atemberaubende Naivität: Dass etwa Heym seine trotz der damaligen antikommunistischen Hysterie letztlich gesicherte Existenz in der USA eintauscht gegen ein unsicheres Leben in der DDR, und das zu einer Zeit, in der er als Intellektueller, Jude und Westemigrant geradezu prädestiniert war, stalinistischen Verfolgungen zum Opfer zu fallen, erscheint ebenso erstaunlich wie bewunderswert.

Aber Stefan Heym stilisiert sich nicht zum Helden (obwohl er das oft genug war), sondern schreibt in einem gedämpften und heiteren Ton, gewissermaßen mit einem weisen Lächeln. Seine Konflikte mit den Machthabern der DDR schildert er anschaulich und oft geradezu witzig. Aber er macht sich nicht zum "Dissidenten" oder zum "Regimekritiker", sondern betont immer wieder seine Verbundenheit mit der DDR und dem Sozialismus. Ihm ging es nicht um eine Abschaffung der DDR oder des Sozialismus, sondern darum, die bügerlichen Freiheiten, insbesondere die Meinungs- und Redefreiheit, in den Sozialismus zu integrieren, um damit den Sozialismus zu verbessern. Dass die DDR-Führer, die Heym in seinem Buch immer wieder mit grundsätzlicher Sympathie schildert, dies nicht begriffen, sondern ihn kriminalisierten, war eine Tragik nicht nur für Stefan Heym, sondern auch für die DDR.

Manche Schilderungen sind von einer geradezu beklemmenden atmosphärischen Dichte, etwa die Beschreibung des immer kälter werdenden politischen Klimas in den USA Anfang der 1950er Jahre, wo Schriftsteller und Intellektuelle wegen "Missachtung des Kongresses" ins Gefängnis wandern, weil sie sich weigern, Kollegen zu denunzieren. Oder die Beschreibung eines Prag-Besuchs, ebenfalls in den früheren 1950er Jahren, in denen Stefan Heym die immer mehr fortschreitende Stalinisierung der von ihm so geliebten Tschechoslowakei hautnah miterlebt.

Stefan Heym war, und das wird bei einer Betrachtung, die in ihm allzu sehr den DDR-"Regimekritiker" sieht, schnell vergessen, ein großer Schriftsteller. Das beweist seine Autobiographie zur Genüge. Dabei ist es äußerst angenehm, dass er bei der Beschreibung von Kollegen und anderen Personen, denen er begegnet ist, auf Herabsetzungen und Schmähungen verzichtet und, vielleicht mit einer gewissen Altersmilde, sich den Menschen einfühlsam und höchstens mit wohlwollendem souveränen Spott nähert. Auch seine Familie und seine erste Ehe (seine zweite, nach dem Tod der ersten Frau eingegangene, Ehe lässt er bewusst aus, um seiner Frau und seinem Adoptivsohn den nötigen Freiraum zu lassen) schildert er mit sympathischer Zurückhaltung.

Ich will nur zwei Episoden erwähnen, die für mich persönlich den Rang dieses literarischen Werks deutlich werden lassen. Zum einen die knappe Schilderung der berüchtigten Mitgliederversammlung des DDR-Schriftstellerverbandes im Jahr 1979, in der Stefan Heym mit einigen Kollegen wegen unbotmäßigen Verhaltens ausgeschlossen wird. Wo andere selbstgerecht ihre Opferrolle zelebriert hätten, belässt Heym es bei einer geradezu genialen, das ganze Geschehen pointiert charakterisierenden Formulierung: "Die Liliputaner beim Autodafé". Und der stalinistische Oberverfolger, der Schriftsteller-Präsident Hermann Kant, wird kurz und bündig vorgestellt: "Der Genosse Hermann Kant, der immer hinzugezogen wird, wenn der Dolch im Gewande erforderlich, hält die Anklage- und Verdammungsrede."

Und dann ist da jene Szene, in der Stefan Heym, kurz und in leisem Ton, schildert, wie er erfährt, dass sein einziges leibliches Kind, eine in Prag nichtehelich geborene Tochter, die von der Mutter in eine jüdische Familie zur Pflege gegeben wurde, in Auschwitz ermordet wurde. Dieser kurze Moment macht schlaglichtartig die ganze menschliche und schriftstellerische Größe Stefan Heyms deutlich. Und sie zeigt, wer (nicht nur für ihn) der wirkliche Feind ist und warum Stefan Heym trotz aller Konflikte mit den DDR-Machthabern immer der Meinung war, mit ihnen "auf der selben Seite der Barrikade" zu stehen.

Hätten Helmut Kohl und seine Leute dieses Buch gelesen, sie hätten sich gegenüber Stefan Heym nicht so würdelos und beschämend verhalten, als er 1994 die verdiente Ehrung erfuhr, als Alterspräsident des Deutschen Bundestages zu fungieren.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr gutes Buch 29. Juni 2010
Format:Taschenbuch
Wenn ich gewußt hätte wie gut der Roman ist, dann hätte ich ihn schon viel früher gelesen. Seit der Wende stand er bei mir im Regal. Sein Band zum 17. Juni hatte mir nicht so überragend gefallen. Ich kenne in der Tat kaum ein Buch eines deutschen Autors, daß sich mit dem "Nachruf" messen kann. Ist wirklich spannend zu lesen diese Biographie. Nicht abschrecken lassen von der Seitenzahl! Liest sich sehr gut weg.
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