Ein polnischer Graf, ein Freund der Kunst und Literatur, ein Bohemien und Reisender, ein Menschenfreund und noch so manches mehr könnte man von diesem Vergessenen und jetzt Wiederentdeckten sagen, der, am Ende des 19.Jahrhunderts geboren, Anfang der 40er Jahre im Londoner Exil verstarb.
Nach der Lektüre des Buches wird man ihn als Unzeitgemäßen, nämlich resistent gegen alle propagierten Ideologien und Heroismen seiner Zeit, als einen Liberalen alten Schlages und als einen entschiedenen Europäer betrachten müssen.
Nicht dass er viel Aufhebens von seinen politischen Ansichten machen würde, es ist mehr die Art seines Blicks auf die Menschen und Dinge in jenen vom Unheil überschatteten 30er Jahren, in denen er 1933,1934 und 1936 sich in Deutschland aufhielt, um für die polnische Wochenzeitung "Literarische Nachrichten" 13 Reportagen über den sich aggressiv gebärdenden westlichen Nachbarn zu schreiben.
Das ist hoher Lesegenuss und eine Zeitreise in eine untergegangene Welt an der Schwelle zur totalen Mobilmachung. Und er sah den Untergang voraus, ohne die Apokalypse zu predigen. Mit freundlicher Distanz und menschlicher Anteilnahme bereist er dieses "seltsame" Land.
Seine Reportagen sind anregend und stimmen nachdenklich, gerade in Hinsicht auf die heutigen politischen Konstellationen. Er präsentiert sie elegant, leichtfüßig, ironisch und gleichermaßen präzise im Stil.
Sobanskis Blick bleibt vorurteilsfrei, ohne wegzuschauen von der sogenannten Judenfrage, vom Revanchismus, der militärischen Aufrüstung, vom Wüten des Nazi-Pöbels. Sein Blick geht wie eine Sonde durch alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppierungen und ergibt ein facettenreiches Bild. So hat dieser liebenswerte Unpolitische eine eminent politische Arbeit geleistet.
Eine wert-und verdienstvolle Ausgrabung, würde ich sagen, eine literarische Entdeckung.