Neugierig wurde ich auf "Nachricht an alle", weil der Verlag auf der Rückseite des Buches mit einer Aussage
von Elke Heidenreich wirbt: "Sehr spannend. Kumpfmüller weiss, wie Politiker leben."
Und wer im Buchgeschäft den Anfang des Buches dann anliest, wird tatsächlich gekonnt zum Kauf verführt.
Denn die ersten Passagen sind richtig klasse, haben einen Sog, Tempo und Dramatik.
Nimmt man das Buch dann mit nach Hause und freut sich auf eine packende Geschichte, kommt die Überraschung:
Nach 10 Seiten ist der Eingangskonflikt plötzlich vorbei, die Spannung dahin, keine neue etabliert,
die Story nur noch lau, wirr, zäh, quälend, undurchsichtig und irritierend.
Kumpfmüller mag vielleicht wissen, wie Politiker leben.
Vielleicht weiss er auch, wie Politikergattinen leben,
und wie Journalisten leben, und wie Autonome leben,
und wie alle anderen leben, weiss er vielleicht auch.
Nur "sehr spannend" ist das, was Kumpfmüller dazu geschrieben hat, leider nicht.
Und was Frau Heidenreich geritten hat, das ganze dermassen zu lobpreisen,
zählt ab sofort zu den Mysterien der Weltgeschichte.
Den Alfred-Döblin-Preis 2007 hat Kumpfmüller übrigens bei einem Wettlesen gewonnen.
Ich weiss allerdings nicht, ob dabei das ganze Buch vorgelesen wurde, oder nur Ausschnitte.
Letzteres könnt ich mir gut vorstellen, erstes nur schwer.
Fazit:
Ein Lektoriat schwänzt die Arbeit und versucht mit einem Etikettenschwindel, Versäumnisse auszubügeln.