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Die Journalistin Sabine Bode hat mit "Nachkriegskinder- Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter" ein Buch vorgelegt, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Bode lotet in ihrer Arbeit die Erfahrungen die Jahrgänge 1946 bis 1960 mit ihren Eltern, hauptsächlich den Vätern aus.

Bevor ich mich mit dem Inhalt des Buchs befasst habe, las ich auf dem Buchdeckel die Sätze: "Doch in den Familien der Nachkriegskinder ging es engherzig zu. Die Unbeschwertheit von Kindern passte nicht in eine Gesellschaft, auf der Kriegserlebnisse und Erfahrungen von Gefangenschaft, Vertreibung und Schuld lasteten." Die beiden Sätze ließ ich zunächst auf mich wirken und begann über meine frühe Kindheit in den 1950er Jahren nachzudenken.

Mit meinen Eltern hatte ich viel Glück, denn sie schenkten mir viel Wärme und Geborgenheit. Durch die Kriegerlebnisse waren beide ganz gewiss traumatisiert und gerade deshalb schätzten sie es, wenn ich mit meinen kleinen Freunden und Freundinnen Leben ins Haus brachte. Mein Vater wurde von all meinen Freunden geliebt, weil er anders war als ihre Soldatenväter. Er prügelte nie und sprach mit Erwachsenen und Kindern stets sehr liebevoll, hatte Verständnis für die Nöte anderer. Bei einem solchen Vater wird man nicht zur Trotztochter.

Die Nazis und ihr Tun waren ihm zutiefst zuwider, meiner Mutter, die Tochter eines Sozialdemokraten, übrigens auch. Traumatisiert waren meine Eltern, weil mein Vater unmittelbar nach dem Krieg als kaum 19 jähriger die Nazi-Wahrheit in Bergen-Belsen mit Entsetzen vor Augen geführt bekam und meine Mutter im Osten als Vierzehnjährige dem Tod und Vergewaltigungen direkt ins Auge blicken musste.

Gnadenlose Erziehungsmethoden wie Bode sie anführt, habe ich gottlob in meinem Elternhaus nicht erlebt, aber bei Freundinnen und Freunden gesehen, die von ihren pervertierten Vätern halbtot geprügelt wurden, weil diese Kriegsväter durch den Krieg verroht waren. In meinen Augen waren es Ungeheuer.

Meine Freunde lebten in pausenloser Angst und Schrecken, berichteten Horrorgeschichten. Dass im Haus und im Garten meiner Eltern zumeist mehr als 10 Kinder spielten, weil sie sich dort frei bewegen konnten, freute mich, das Einzelkind, das auf diese Weise mit Wahlgeschwistern aufwuchs.

Bode schreibt in ihrem Buch von "parentifizierten Kindern". Das sind Kinder, die ihr ganzes Leben hindurch der Liebe ihrer Eltern hinterherlaufen, in der Hoffnung, doch noch ein wenig Zuneigung zu erringen, (vgl.: S.22). Solche Menschen kennen ich Zuhauf in meiner Generation. Das, was Bode diesbezüglich schreibt, stimmt.

Bode schreibt des Weiteren von den abwesenden Vätern, die von morgens 7 Uhr bis abends 7. Uhr arbeiteten und nie über die Zeit als sie Soldaten waren sprachen, offenen Gesprächen keinen Raum gaben. Ich kenne Menschen, die heute noch nicht wissen, was ihre Väter und Großväter im Krieg getrieben haben, weil sie nur mit deren Genehmigung oder der Genehmigung durch Berliner Testament erbberechtigter Mütter von staatlichen Stellen Auskunft erhalten. Sie leben also noch heute in Unklarheit. Meine Eltern berichteten schon früh über das, was sie im Krieg erlebt hatten und machten mich zur Pazifistin.

Bode schreibt von prügelnden Vätern, von Macho-Vätern. Vielleicht waren es genau diese Väter, die in der Töchtergeneration die Frauenbewegung auslösten.. Ich vermute es fast.

Neben Berichten von Kindern aus jenen Tagen, legt Bode auch immer wieder Interviews vor, die Lesern, die mit der Zeit und Problematik nicht vertraut sind, einen guten Einblick verschaffen.

Während ich lese, fragte ich mich immer wieder, weshalb in allen Gesellschaftsschichten, selbst im Bildungsbürgertum die Männer in der Regel solche verrohten Ungeheuer waren? War es das Töten im Krieg, das sie so hatte werden lassen? Oder war es die Gehirnwäsche durch die Nazis?

Bode lässt in ihrem Buch keine Facette aus, auch nicht die Kinderdressur in der Nachkriegszeit und nennt, wie bereits in einem anderen ihrer Bücher das Buch über Kinderdrill von Johanna Haarer, das viele Mütter als Ratgeber heranzogen.

Ich danke Gott, dass ich von solchen Eltern verschont geblieben bin, wie sie durch Bode immer wieder vorgestellt werden.

PS: Entschuldigen Sie meine eingeflochteten, persönlichen Erinnerungen, doch das Buch hat mit persönlich stark berührt und Erlebtes erneut wachgerufen, hauptsächlich die vielen Kinderschreie im Sommer bei geöffneten Fenstern im ganzen Ort. Einfach furchtbar.

Empfehlenswert, weil sehr erhellend.
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Sabine Bode löste mit ihren Büchern "Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" und "Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation" viele Diskussionen aus. Oft wurde sie bei Lesungen oder Referaten allerdings auch gefragt, ob Sie sich irgendwann mit den Geschichten befasse, die Nachkriegskinder zu erzählen haben. Ihre Antwort liegt nun mit diesem Buch vor. Und sie interessiert mich nicht nur, weil mich schon die beiden ersten Bücher beeindruckten, sondern weil ich selber zu den Jahrgängen gehöre, die im Zentrum stehen. Als Schweizer hatte ich zwar das Glück, dass mein Vater nicht in aktive Kriegshandlungen verwickelt wurde, sondern lediglich monatelang an den Grenzen zu Deutschland stand. Doch meine Mutter, die während des Zweiten Weltkriegs in München lebte, würde sich in einigen Figuren dieses Buches bestimmt wiedererkennen.

Den Vätern und Müttern, deren Kinder in diesem Lesebuch zu Wort kommen, begegnete das Schreckliche in allen nur denkbaren Formen. Doch weil in den Familien nur selten darüber gesprochen wurde, steht es auch auf den 300 Seiten oft zwischen den Zeilen. Oder äußert sich in lange nicht wahrgenommenen Verhaltensweisen, die von schwierig Erklärbarem geprägt sind.

Die Kraft von Geschichten besteht nicht zuletzt darin, dass sie Verstehen ermöglichen, ohne den Verstand übermäßig an diesem Prozess zu beteiligen. Daher braucht es auch nicht unzählige Interviewpartner, sondern lediglich Geschichten, in denen die häufigsten Mustervorlagen anzutreffen sind. Und es gehört zu den Stärken von Sabine Bode, dass sie ein sicheres Gespür hat, solche Erzählungen aufzuspüren und deren Kernaussagen in Worte zu fassen. Die Kapitelüberschriften, mit denen Sabine Bode das Prägende zu ordnen versucht, sind daher nur ein Hilfsmittel, das auch anders aussehen könnte. Um dem Leser aber eine Ahnung zu geben, zähle ich die Kapitel im Folgenden auf: Der Krieg war aus und überall - Die gut getarnte Vergangenheit - Vatertöchter - Söhne im Schatten - Ermittler in eigener Sache - Die DDR-Variante - Nachkrieg und Kinderdressur - Woher kommt die Orientierung?

Selbstverständlich geht es in allen Lebensbilanzen auch um Fragen der Schuld, des Verzeihens und Vergessens. Und ist die Versuchung ist groß, sich bei Rückblicken in Täter-Opfer-Mustern zu verheddern, die letztlich niemandem einen Gewinn bringen. Da es Sabine Bode nicht darum geht, die Erlebnisse ihrer Interviewpartner moralisch zu glätten, stehen eben auch Sätze, die mit gewissen Weltanschauungen oder Ideologien schlecht zu vereinbaren sind. So schreibt eines der Nachkriegskinder zum Beispiel: "Über manche Väter lässt sich einfach nicht Gutes Sagen! Einen solchen Vater muss man nicht lieben." Oder: "Die Wahrheit hätten wir als junge Menschen nicht verkraftet."

Da Sabine Ode auf viele Publikationen zu sprechen kommt, die andere Autoren verfassten und mit einigen von ihnen sogar längere Interviews führt, erhält der Leser auch einen guten Überblick , was Historiker, Soziologen, Psychologen und Lebensbiografieforscher zur ganzen Thematik schrieben. Denn eines ist sicher: Was unter der Herrschaft der Nazis geschah, ist so unfassbar, dass wir es wohl nie ganz verstehen werden. Doch wir können zumindest versuchen, die Muster offenzulegen, die dem Bösen zudienen. Das haben zum Beispiel auch die beiden Historiker Sönke Neitzel und Harald Walzer versucht, indem sie die Abhörprotokolle der Amerikaner und Engländer sichteten, die von Gesprächen unter deutschen Kriegsgefangenen erstellt wurden. Die wissenschaftliche Auswertung der über 150'000 Seiten ist sicher aufschlussreicher als das meiste Material, auf das sich andere Autoren stützen.

Wie konsequent Sabine Bode das Thema angeht, zeigt auch ihre Frage, ob Menschen, die keine Orientierung bekommen haben, andere Menschen überhaupt führen können? Das interessiert Sabine Bode auch deshalb, weil in Deutschland die meisten verantwortungsvollen Posten mit Angehörigen der Jahrgänge besetzt sind, von denen in ihrem Buch die Rede ist. Und es ist eigentlich erstaunlich, dass kaum einer der unzähligen Führungsratgeber vertieft auf diese Frage eingeht. Zu Recht spricht Sabine Bode denn auch von einer Forschungslücke, die zu schließen, sich lohnen könnte.

Mein Fazit: Ich stimme der Ansicht des Klappentexters zu, dass dieses Buch den Angehörigen dieser Generation hilft, die Ungereimtheiten in der eigenen Biografie zu verstehen und für sich neue Ressourcen zu entdecken. "Das Buch hat mich ein Stück weit geheilt. Mein Eindruck ist: Das Gehirn hat sich umstrukturiert während meiner Recherchen." Das schreibt eine der interviewten Frauen, die ihre Erlebnisse selber zu einem Buch verarbeitete. Aber weil es letztlich um Unfassbares geht, können auch die erzählten Lebensgeschichten nicht alle Fragen beantworten. So kann es mir noch immer nicht erklären, warum ich mich über etwas aufregen kann, das im Vergleich zu dem, was andere Menschen erleiden müssen, noch weniger als eine Banalität ist. Oder ist die Antwort einfach zu unangenehm, um sie akzeptieren zu können?
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am 10. November 2013
Früher oder später wird jeder mal dort hingeführt, wo es wichtig ist hinzuschauen.....

Dieses Buch war für mich sehr wichtig um den letzten Frieden mit meinem Vater zu schließen. Ich bin zwar Jahrgang 66 und vom Gefühl her weit weg vom Einfluss des II Weltkriegs, aber dennoch ein Soldatenkind. Ich habe das Verhalten meines Vaters nie in den Kontex des II Weltkriegs gestellt. Da ich mir zu Lebzeiten meines Vaters darüber keine Gedanken gemacht habe.

Meinen Vater habe ich immer als sehr jähzornigen Menschen erlebt und dafür auch oft gehasst.

Erst als mein Vater krank wurde, an den Rollstuhl gefesselt war, kam seine weiche, verletzliche Seite zu tage. An dem Punkt wurde mir klar, dass das Leben meines Vaters nicht nach seiner Vorstellung verlaufen sein mag.

Mein Vater hat in meiner Gegenwart nie vom Krieg gesprochen vor allem nicht über seine Gefühle, in unsere Familie wurde sowieso weder über Gefühle gesprochen noch wurden Gefühle gezeigt.
Das führte bei mir, in meinen Beziehungen, natürlich immer wieder zu Konflikten. Über diese Konflikte bin ich wieder zu meinem Vater geführt worden und zu den Päckchen die er zweifelsohne mit sich herumgeschleppt haben muss.

Klar ist, jeder ungeklärte Konflikt führt früher oder später zum Ausbruch einer Krankheit. Daher ist dieses Buch so wichtig, es führt einen dahin, das Handeln der Väter nachzuvollziehen und an dem Punkt kann über Verzeihensarbeit die Konflikte gelöst werden. Als Botschaft an alle die das Buch lesen. Versucht euren Vätern zu verzeihen und schenkt ihnen die nötige Wertschätzung und Liebe. Damit eure Seelen und die eurer Väter ihre Ruhe finden.
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am 19. Januar 2014
Die Bücher von Sabine Bode zu den seelischen Folgen des 2. Weltkrieges in den Familien sind mir sehr wertvoll. Ich bin Nachkriegskind, dieses Buch betrifft mich persönlich. Besonderheiten der Kindererziehung in unserer Generation und der Haltung der Erwachsenen wurden mir deutlich. Die Auswirkung von Traumata auf nachfolgende Generationen hat mich schon länger davor beschäftigt. Doch hatte ich sie nur individuell auf die jeweiligen familiären Besonderheiten bezogen. Der Krieg mit seinen kollektiven Traumatisierungen und die Nazi-Ideologie als Ursachen waren bei mir nicht präsent. Da hat Sabine Bode meinen Blick geweitet. Sehr berührt bin ich von den Lebensgeschichten. Ich empfinde die Berichte darüber, wie das Sprechen und der Austausch mit anderen Betroffenen zum Heilen helfen, als tröstlich. Inzwischen habe ich dieses Buch und andere von Sabine Bode mehrfach verschenkt.
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am 19. November 2011
'Wie alle Eltern dieser Zeit brauchten sie ihre ganze Kraft für den Überlebenskampf.. Außerdem waren sie der Meinung, ein Kind zu verwöhnen sei ein kapitaler Erziehungsfehler'. Denn: 'in den fünfziger Jahren war die Welt noch nicht in Ordnung'.

Das ist die Ausgangssituation vieler Kinder der 50er Jahre. Kinder von 'Kriegsvätern', die Sabine Bode in den Mittelpunkt ihres neuen Buches, fast einer Art Dokumentation mit vielen Stimmen von Zeitzeugen, rückt. Kinder von 'abwesenden' Vätern, zu denen nur ein 'dünner' Kontakt herrschte, dem Familienbild, aber auch den Notwendigkeiten jener Nachkriegszeit geschuldet. Väter, die in ihrer Person, aber auch in ihrer persönlichen Geschichte, dunkle Flecken hinterlassen haben und dennoch in ihrer Art und ihrer Zeit Wirkung ausübten auf ihre Kinder. Eine oft lang anhaltende und prägende, schwierige Wirkung.

Wie ist das mit den Vätern? Waren sie Täter, Opfer oder beides? Was steckt hinter dem vielfachen Schweigen einer 'gut getarnten Vergangenheit'? Eine Vergangenheit, die dennoch, indirekt, zu spüren war.

'Nachkriegskinder erinnern sich , wie viele Väter und Großväter voller Spannung steckten'. Das Bild des 'kettenrauchenden Mannes' ist nur eines der Symbole für diese Spannung, ein Bild, wie es in der HB Werbung der 60er Jahre aufgenommen wurde.

In ihren Büchern 'Die vergessene Generation' und 'Nachkriegsenkel' hat sich Sabine Rode bereits intensiv 'ihrem' Thema zugewendet, konkrete Generationen in ihrer ganz eigenen Befindlichkeit, geprägt durch die Erfahrung im Krieg mit all seinen Schrecken. Seminare gibt sie zum Thema, Menschen wenden sich ihr zu, die betroffen sind. Und so entstand nun dieser intensive, von vielen Interviews und Nacherzählungen persönlicher Darstellungen getragene Blick auf jene Generation, die zwischen Reaktion und Moderne ihren Weg zu finden hatte. Die geprägt von klaren und autoritären Weltbildern (der Kinderreim über eine Lehrerin spricht hier im Buch Bände: 'Die Lang, die Lang, die macht die Kinder bang) sich einem immensen Wertewechsel gerade in den 60er Jahren ausgesetzt sahen und der drängenden Frage nach der Aufarbeitung der NS Vergangenheit, die zugleich ja eine Aufarbeitung der eigenen 'Väter-' und Familiengeschichte zugleich in den Raum setzte.

In breiten Betrachtungen zu Themen wie 'Vätertöchter' ('Bloß keinen Mann wie meinen Vater!') oder 'Söhne im Schatten', zu 'Nachkriegskinderdressur' und der Suche nach der eigenen Familiengeschichte lässt Sabine Rode, sensibel bearbeitet, Menschen zu Wort kommen, die ihre Geschichte erzählen, ihre Prägungen vorlegen und auch ihr inneres Leid an den eigenen 'Vätern' im Buch zu Wort kommen lassen. Zudem, und das bleibt beim Thema nicht aus, schwingt im Buch eine ganze Zeitgeschichte mit. Sabine Rode versteht es, Querverbindungen zu ziehen. Aus der Prägung und der Kriegszeit der Väter die Normen und die durchaus vorhandene Enge der Nachkriegszeit mit all ihrem Verschweigen und ihrem inneren Verdrängen lebendig werden zu lassen.

So wird Seite für Seite spürbar, wie das Trauma der Väter (eigentlich der Eltern, denn die Mütter waren ja ebenso geprägt durch jene Jahre) ohne bewusstes Zutun zum eigenen Trauma werden kann (aber nicht muss). Denn 'für Trauer war keine Zeit', es musste überlebt werden.

Sabine Rode legt mit den vielen sacht verbundenen und sensibel bearbeiteten Aussagen von Menschen der '50er Generation' ein beachtenswertes und emotional berührendes Zeitzeugnis vor. Sicherlich im Rahmen einer konkreten Zeit und einer konkreten Personengruppe, die mehr und mehr doch in der Vergangenheit liegen, aus deren Geschichte jeder aber lernen kann und damit ein Verständnis auch für Prägungen einer ganzen Generation entwickelt. Und öffnet damit einen Weg, gibt einen Anstoß, auch eine Art Lebenstrauer zulassen zu können aus einer Zeit heraus, in der solchen Emotionen zu wenig Platz gegeben wurde.
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am 26. Februar 2015
Auch ich habe als Einzelkind unter einer aeusserst rigiden Erziehung mit Pruegeln (bis ich 19 Jahre alt war) sehr gelitten, und suche bis heute nach befriedigenden Antworten, die das mir unverstaendliche Verhalten meiner intellektuellen Eltern (Arzt, Uebersetzerin, beide haben studiert, als sie sich kennenlernten) erklaeren, denn von meinen Eltern habe ich sie nicht bekommen. Die sitzen seit mehr als 16 Jahren (als ich begann, mit ihnen darueber zu sprechen) auf dem hohen Ross und behaupten, sie haetten alles richtig gemacht mit meiner Erziehung, und Pruegel waren damals gang und gaebe. Leider!
Erschwerend kam in meinem Fall noch hinzu, dass mein Vater mir verbal ueberlegen war und mich grundsaetzlich nicht ausreden liess, denn das haette ja seine Erziehungsmethoden in Frage gestellt.
Ausserdem sei ich schwer erziehbar gewesen und haette Widerworte gehabt. Nun, nach den 4 Buechern zu diesem Thema begreife ich allmaehlich, dass ich alles andere als schwer erziehbar war und dass jedes Kind Widerworte hat - oft schon allein deshalb, weil man eine Massnahme der Eltern nicht begreift und fragt, warum sie es so machen und nicht anders. Aber unsere Generation durfte ja nichts hinterfragen und anzweifeln, was von den Eltern kam! :(

Mit 18 Jahren ging ich mit einer aufgeplatzten Wunde am Hinterkopf (mein Vater haette mich fast totgeschlagen, haette meine Mutter nicht eingegriffen) zu einem Arzt, aber ohne Krankenschein weigerte er sich, mich zu sehen. Daraufhin versuchte ich, meinen Eltern die Vormundschaft ueber mich entziehen zu lassen, aber das Vormundschaftsgericht liess sich von meinem wortgewandten Vater einwickeln und fuer ein weiteres Jahr musste ich regelmaessig Pruegel und Strafen erdulden, bis ENDLICH das Volljaehrigkeitsalter am 1.1.75 auf 18 Jahre hinuntergesetzt wurde. Das hat mich gerettet.

Hier noch eine private Anmerkung, die nichts mit dem Thema "Erziehung mit Pruegeln" zu tun hat: was ich meinen Eltern ausserdem bis heute nicht verziehen habe, ist die Tatsache, dass sie mir ein Austauschjahr in den USA nicht ermoeglicht haben (es war kein finanzielles Problem!). Das war mein groesster Wunschtraum als Kind und als Teenager und fuehrte letzten Endes zu meiner spaeten Auswanderung in die USA.

Dies war nun das 4. Buch zum Thema Nachkriegskindheit, und so gut die drei anderen auch waren (Die gepruegelte Generation, Seelische Truemmer, Wir Kinder der Kriegskinder..."Die gepruegelte Generation" half mir persoenlich ganz besonders!), mit diesem Buch von Sabine Bode konnte ich mich besonders gut identifizieren dank der interessanten und sehr offen geschilderten Fallbeispiele. Fast auf jeder Seite hatte ich Aha Erlebnisse (obwohl mein Vater nicht im WW II gekaempft hat, er war erst 13, als der Krieg zu Ende war). Erschwerend kam hinzu, dass beide Eltern Fluechtlinge waren.

Zwar kann uns im Nachhinein niemand die kaputte Kindheit gegen eine harmonische Kindheit austauschen, diese scheusslichen Erinnerungen an unsere ausser sich vor Wut zuschlagenden Eltern schleppen wir fuer den Rest unseres Lebens mit uns herum (und den Groll auf unsere Eltern ebenfalls!), aber immerhin gibt es Antworten und Erklaerungen in Fachbuechern, was mehr ist als mir in den vergangenen 5 Jahrzehnten zur Verfuegung stand, wo ich sicher war, ein Einzelfall gewesen zu sein.
Klassenkameradinnen vom Gymnasium behaupteten damals grundsaetzlich, von ihren Eltern nicht gepruegelt zu werden. Heute weiss ich, das das oft wishful thinking gewesen sein muss.

Ich danke Frau Bode fuer ihre Recherche und den in ihrem Buch geschilderten Menschen danke ich fuer ihr Vertrauen und ihre Offenheit gegenueber der Autorin.
Mit Sicherheit werde ich nun auch die anderen Buecher von Sabine Bode in Angriff nehmen.
Fuer weitere(n) Buch-Tips bin ich (wie immer) sehr dankbar.

Ein paar gute Erinnerungen habe ich trotzdem an meine Kindheit, naemlich die bei der Grossmutter verbrachten Ferien, wenn meine Eltern ohne mich in Urlaub nach Suedeuropa fuhren. Und die wunderbaren CFF Filme fuer Kinder aus England, die in den 60er Jahren im ARD Nachmittagsprogramm ausgestrahlt wurden. Ganz besonders aber die Enid Blyton Buecher (Fuenf Freunde, Abenteuer Serie, Raetsel Serie) und die Engelbert Verlag Fernsehbuecher (PEB), die mich fuer ein paar Stunden meine unerfreuliche Kindheit vergessen liessen. Das sind die Dinge, fuer die ich rueckblickend dankbar bin (und die mich mit Sicherheit davor bewahrt haben, den Verstand zu verlieren).
Als ich 14, 15 Jahre alt war, wollte ich nur noch eins: raus aus dieser furchtbaren Kleinfamilie. Meine Alptraeume hoerten auf, als ich mit 19 Jahren im Oktober 1974 ENDLICH ausziehen "durfte".
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am 3. Mai 2015
Es it erstaunlich zu lesen wie sehr das Umfeld die Menschen auch in ihrem späteren Leben beeinflußt. Die damals gängigen Erziehungsmethoden prägten eine ganze Generation. Diese fragt sich vielfach noch heute, ob und wie die Kriegserlebnisse ihre Eltern prägten. Besonders weil darüber nicht gesprochen wurde und auch vielfach nicht durfte.
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am 1. Mai 2015
Habe ich meinem Mann geschenkt und dem ist jetzt manches klar geworden wieso seine Vorfahren so waren. Muss man unbedingt
lesen, werde ich nun auch tun.
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am 25. August 2015
Wenn ich davon ausgehe, dass viele Nachkriegskinder dieses Buch lesen, bin ich sicher, dass sie eine Menge über sich und ihre Eltern erfahren können. Besseres Verständnis der eigenen Vergangenheit und Problem-Konstellation hat noch selten geschadet. Das Buch ist sehr ordentlich geschrieben und liest sich bis auf ein, zwei Längen und der Mitte recht leicht. Wer kein Nachkriegskind ist, wird auch Gewinn von der Lektüre haben. Ich war beeindruckt, also eine glatte Empfehllung.
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am 16. Mai 2015
Selbst Nachkriegskind par excellence, bin ich wahrscheinlich mit allzu großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen … und wurde logischerweise enttäuscht.
Dies ist das erste Buch von Sabine Bode, das ich gelesen habe, eben weil ich irgendwie hoffte, mich darin wiederzufinden. Leider hat sich diese Aneinanderreihung von (mehr oder weniger zitierten) Interviews präsentiert als nichtssagende, unstrukturierte Lektüre von willkürlich zusammengeschusterten Berichten Angehöriger meiner Generation, die m.E. niemandem, am wenigsten den „Nachkriegskindern“, zu irgendwelchen grundlegenden Erkenntnissen verhelfen können, und mein größter Vorwurf der Autorin gegenüber lautet: Warum, verflixt und zugenäht, haben Sie sich in diesem Buch nur und ausschließlich den Vätern der Nachkriegskinder gewidmet? Warum haben Sie die Mütter so gut wie ausgeblendet? Wir Nachkriegskinder wurden von unseren Müttern erzogen - von Müttern, die zusätzlich zu eigenem Leid auch noch das Leid der Väter auffangen mussten, die in den Kriegsjahren mindestens soviel Leid und Elend, Gewalt und Verzicht erlitten hatten wie die dazugehörigen Väter, von denen trotzdem verlangt wurde, dass sie „ihren Mann zu stehen“ hatten, die Leben retteten und erhielten, oft genug auf Kosten der eigenen Gesundheit. Wir wurden erzogen von Müttern, die sich innerlich gewappnet hatten, die die Zähne zusammenbissen und den Rücken streckten: Was uns nicht umbringt, macht uns härter! Und WIE hart sie wurden in dieser Zeit, machte ihnen Jahrzehnte später selber Angst … Angst, mit der man auch diese Mütter gern allein ließ.
Wer sich zum Nachdenken anregen lassen will und zu echter Empathie, wer sich auf weniger plumpe Weise mit der Generation der Nachkriegskinder und ihrem schweren Erbe befassen möchte und sich dabei noch eine fesselnde Geschichte erzählen lassen möchte, dem empfehle ich „Altes Land“ von Dörte Hansen, am liebsten gelesen von Hannelore Hoger.
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