Zum Thema Post Merger Integration ist schon viel publiziert worden, insbesondere Studien, die sich mit dem Scheitern von Fusionen auseinandersetzen, oder Fallbeispiele, anhand derer erläutert wird, welche Erfolgsfaktoren zum Gelingen von Fusionen beitragen. Ähnliches gilt für den Themenbereich Change Management, der in den letzten Jahren auch Eingang in wissenschaftliche Betrachtungen gefunden hat, wobei der Schwerpunkt der Betrachtungen häufig auf der empirisch begründeten Auswahl von Change Management Ansätzen für jeweils spezifische Unternehmenssituationen liegt. Organisationstheoretische Aspekte werden bei diesen Untersuchungen allerdings kaum berührt. In diese Lücke zielt das Buch von Jürgen Studt.
Neben der umfassenden Darstellung der Post Merger Integration und deren Demonstration an dem Beispiel BP/Aral liegt sein Erkenntnisinteresse vor allem in der Frage, was es bedarf, um die in einer Post Merger Integration initiierten und umgesetzten Maßnahmen nachhaltig wirken zu lassen. Diese Studie ist in zweifacher Hinsicht gelungen: a) wegen ihrer praktischen Relevanz und b) wegen ihrer theoretischen Untermauerung. Man spürt deutlich, dass der Autor auf der einen Seite einen tiefen praktischen Erfahrungshorizont mit bringt und auf der anderen Seite eine Brücke zwischen Praxis und wissenschaftlichen Überlegungen zu schlagen vermag. Neu ist hier die wissenschaftliche Ableitung von Kriterien, unter denen ein Change Management als nachhaltig bezeichnet werden kann. Neu ist aber auch die Untersuchung, inwieweit die existierenden Organisationstheorien eine Post Merger Integration reflektieren und damit die Beantwortung der Frage, ob heute hochaktuelle wirtschaftliche Prozesse wissenschaftlich unterstützt werden können. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das sich zudem durch die sprachliche Verständlichkeit für eine breite Zielgruppe eignet.
Rainer Zech