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Buchnotiz zu : Die Zeit, 15.11.2001
Für Reinhard Klein stellt die Veröffentlichung von Theodor W. Adornos nachgelassenen Fragmenten "Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion" ein lang ersehntes Ereignis dar. Mit Adornos Reflexionen glaubt unser Rezensent den schmerzlichen Mangel an musiktheoretischer Fundierung praktischer Interpretationen von musikalischen Werken endlich behoben. Damit biete sich die Chance, ästhetische Erfahrung "mit den Kategorien und Kriterien von Theorie" zu verbinden. Klein hebt hervor, dass Adorno nicht primär als Hörer von Konzerten oder Platten zu seinen Interpretationen gelangte, sondern durch seine eigene künstlerische Praxis als passionierter Pianist: "Hier denkt einer über Musik nach, der ihr von frühester Jugend an verfallen war." Den Höhepunkt von Adornos Aufzeichnungen sieht Klein in dessen Entwurf "einer Hermeneutik der Notenschrift, die nicht in der Analyse des Notierten aufgeht, sondern zugleich eine Theorie der Mimesis in der Musik reklamiert". Der Hinweis auf einige kleinere Widersprüche in Adornos Aufzeichnungen schmälert den Rang dieses Werkes für unseren Rezensenten in keiner Weise: "Vor uns liegt die auf absehbare Zeit wichtigste Publikation zur Philosophie der Musik."
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Kurzbeschreibung
Die Theorie der musikalischen Reproduktion zählt zu Adornos ältesten Buchplänen; das erste Schema dazu datiert von 1927. Wiederholt nennt Adorno das geplante Buch Mitte der dreißiger Jahre als die nächste Arbeit, die er mit Rudolf Kolisch gemeinsam schreiben wolle. Zehn Jahre später beginnt Adorno, Aufzeichnungen zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion in ein Notizbuch einzutragen, das allein dieser Arbeit gewidmet ist und bis 1959 geführt wurde. Ein maschinenschriftlicher Entwurf von 78 Seiten, der nur einen kleinen Teil der zu behandelnden Themen umfaßt, entstand noch in Amerika. Zur endgültigen Niederschrift aber kam es nicht mehr.
Adorno hat den Gedanken an das Buch jedoch nie aufgegeben. Es sollte der Frage nachgehen, ob Musik - zumal die traditionelle - nicht uninterpretierbar geworden sei. Die musikalische Erfahrung des geschichtlichen Moments der Werke, ihrer Veränderung in der Geschichte, zieht die Erkenntnis herbei, daß die Reproduktion, wie etwa die Aufführung von K ompositionen, nicht länger ein akzidentielles Moment, sondern selbst eine Form ist, deren die Kompositionen bedürfen. In den Aufzeichnungen nehmen darum nicht nur theoretische Überlegungen über das Verhältnis von Analyse der Kompositionen, ihrer Interpretation und der idealen Aufführung einen großen Raum ein, sondern auch solche, die in musikalisch-technischen Bestimmungen die Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit der Interpretation zu fassen suchen.
Die Kritik der eingeschliffenen Interpretationen, die mit den berühmtesten Namen verbunden sind, führt zur Frage, ob nicht das Ideal stummen Musizierens, schließlich des Lesens musikalischer Texte die notwendige Konsequenz sei.