...ist notwendig gegen die uns tagtäglich aus Politik, Wirtschaft und fast allen Medien überrollende neoliberale Propaganda und Meinungsmanipulation, und Nachdenken bildet auch die Basis für die Entwicklung eines kritischen Blickes auf all das, was uns vorgesetzt wird. Die "Nachdenkseiten" im Internet, die vor einigen Tagen ihren immerhin bereits 7. Geburtstag begehen durften, wurden von ihren Initiatoren seinerzeit ja nicht ohne Grund so genannt. Es häufen sich die politischen Skandale, die neoliberale Umgestaltung der Republik läuft auf Hochtouren, das "soziale" soll aus der "Sozialen Marktwirtschaft" endgültig und rückstandsfrei beseitigt werden. Hunderte Milliarden gingen und gehen nach dem TINA-Prinzip (There Is No Alternative) an sog. "systemrelevante" Banken zu deren Rettung. Wir ALLE dürfen das bezahlen - der Vorgang entpuppt sich als das gigantischste Umverteilungsprojekt von unten und von der "Mittelschicht" nach oben, das es je hierzulande gab, während die Länder um uns herum massiv mithilfe von für unser reiches Land grotesken Niedriglöhnen in Grund und Boden konkurriert werden, was mit dazu führt, diese Länder langfristig wirtschaftlich zu gefährden und zu schädigen, während hierzulande schäbige Debatten initiiert werden, wieviel man denn z. B. den Hartz4-Empfängern überhaupt zum Leben zugestehen möchte (Man denke nur an den erbärmlichen 5¤-Witz).
Um diese und andere skandalöse Vorgänge geht es in "Nachdenken über Deutschland - Das kritische Jahrbuch 2010/2011" der Nachdenkseiten-Betreiber Albrecht Müller und Wolfgang Lieb. Z. B. die Propaganda-Falschmeldung, daß "das obere Zehntel der Einkommensbezieher allein 55 % des gesamten Steueraufkommens", und das letzte eine Prozent "Superreicher" alleine 22,2 % finanziert - wie ist sowas möglich, wenn das GESAMTE Lohn- und Einkommensteueraufkommen des Staates nicht mal 30 % der "gesamten kassenmäßigen Steuereinnahmen" ausmacht? Z. B. die Machenschaften der Banken und ihre Unterstützung durch die Politik - das Casino darf weitermachen, und die Verantwortlichen der Finanzkrise dürfen sich dank des für ihre Taten recht löchrigen Strafrechts recht sicher vor Verfolgung wähnen. Z. B. die mediale Begleitung des europäischen "Schutzschirms" und der Griechenlandhilfen, um den knallhart einseitig wirtschaftsfreundlichen schwarz-gelben Koalitionsvertrag, um die zunehmende Unfähigkeit des medialen Mainstreams zu kritischer Berichterstattung, Manipulationen von BILD bis ZEIT, darum, wie wir alle beim Thema "Altersvorsorge" für dumm verkauft werden (eine paritätisch zu zahlende Beitrags-Steigerung von bis zu 10 % der GESETZLICHEN Rentenversicherung ist unzumutbar, eine bis zu 7%ige Beitragszahlung zu einer PRIVATEN (!) Rentenversicherung ist für den Arbeitnehmer ALLEINE(!)sehr wohl zumutbar???), die tatsächliche Funkion von Leuten wie Dohnanyi oder Thilo Sarrazin, und die Aushöhlung des Sozialstaats ...etc...
Zahlreiche weitere Skandale und Meinungsmanipulationen diesen Jahres werden auf knapp 270 Seiten aufgeführt, dargestellt und - eine der ganz großen Stärken des Buches - auch verständlich erklärt, wie sie ablaufen, wie sie funktionieren. Es geht den Autoren und ihre Mitstreitern um den Aufbau einer aufklärerischen Gegenöffentlichkeit, und die wird täglich notwendiger, zumal die ehemals 4. Gewalt, der Journalismus, seine ureigenen Aufgaben, nämlich den "Mächtigen" auf die Finger zu schauen, und Aufklärung der Bevölkerung zu betreiben, zunehmend vergisst, und immer mehr eben nicht nur in platte Hofberichterstattung, sondern eben auch in verfälschende Darstellung und manipulative Faktenverdrehung bis zu schlichten Unwahrheiten im Sinne neoliberaler Meinungsmanipulation abrutscht, weil es eben den Verlags-Mächtigen so gefällt. Gerechtigkeitshalber muß man allerdings auch zugestehen, daß zahlreiche Journalisten ihren Job, ihre Existenz, riskierten, würden sie anders schreiben, als sie es tun. Ein lesenswertes, ein hochinformatives Buch über die TATSÄCHLICHE Wirklichkeit in dieser Republik, geeignet für jeden, dem das ganze neoliberal-manipulative Propagandageschwätz auf den Geist geht, eine genauso lohnenswerte Lektüre wie ein möglichst häufiger Besuch auf den "Nachdenkseiten" im Internet. Die Inhalte gehen uns alle an.