Schaut man sich die deutsche Soap-Landschaft an, sieht man vorwiegend sehr junge Darsteller, die nach spätestens drei Jahren ausgetauscht werden, und nimmt relativ unrealistische Lebensumstände wahr. Außenaufnahmen sind selten, fast alles wird im Studio gedreht - übrigens auch in amerikanischen Soaps. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, auch in deutschen Soaps gibt es Darsteller, die schon Jahre dabei und nicht mehr wegzudenken sind, man denke nur an "Jo Gerner" aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".
"Nachbarn" ist eine australische Soap. Und wie ich gern bemerke, machen die Australier richtig gute Serien, das ist bei Soaps offenbar nicht anders. "Nachbarn" behandelt die Erlebnisse einiger Familien in der Ramsay-Street, die in einem Vorort von Melbourne liegt. Die Familien sind alle mehr oder weniger miteinander befreundet, denn wie Tommy Steiner schon im deutschen Titellied singt "Nachbarn sollen auch gute Freunde sein". Wenn man "Nachbarn" mit deutschen Soaps vergleicht, kommt man am ehesten wohl zu "Unter uns", und ich denke schon, dass bei dieser deutschen Soap "Nachbarn" Pate gestanden hat.
Die Serie läuft seit 1985 in Australien, und an ein Ende ist offenbar nicht zu denken! Mittlerweile gibt es weit über 6000 Folgen. Bei uns in Deutschland wurden "nur" ca. 850 Folgen ausgestrahlt, und natürlich habe ich nicht alle gesehen. Aber die Anfänge der Serie sind mir durchaus bekannt, und ich habe mich sehr gefreut, als nun die Gelegenheit da war, ein Wiedersehen auf DVD zu feiern. Erinnerungen wurden wach - ach ja, richtig: Kylie Minogue und Jason Donovan, das Traumpaar der Serie, waren ja noch gar nicht dabei in den Anfängen. Die Figur der "Charlene" wurde erst später eingeführt, und "Scott Robinson" wurde von einem anderen dargestellt (übrigens auch glaubwürdig und sympathisch, ich hatte sogar leichte Probleme, mich an Jason Donovan zu gewöhnen).
Da ist Familie Robinson: der ruhige Vater Jim und seine sympathische Schwiegermutter Helen, die Kinder Paul, die intrigante Julie, Scott und die kleine Lucy. Dann die Ramsays, allen voran Shane, mein Favorit, dargestellt von Peter O'Brien, der später den Piloten Sam in den "Fliegenden Ärzten" gab. Junggeselle Des Clarke will in der ersten Folge seine Verlobte Lorraine heiraten, doch diese überlegt es sich anders - und dann zieht Stripperin Daphne als Untermieterin bei Des ein. Fans wissen natürlich, wie das ausgeht ... Das sind noch lange nicht alle, und das bemerkenswerte dabei ist, man gewinnt sie alle lieb.
Anders als bei amerikanischen Soaps handelt es sich nämlich bei den "Nachbarn" um ganz normale Leute, die weder besonders schön noch reich sind. Und das macht wohl den Reiz dieser Serie aus - und den Erfolg, nicht zuletzt auch durch die gut ausgesuchten Darsteller. "Nachbarn" war in den Anfängen allerdings nicht so erfolgreich, was zur Folge hatte, dass man die Crew verjüngte, auf Teeniestars wie eben Kylie Minogue und Jason Donovan zurückgriff und den Fokus auch mehr auf die junge Generation setzte. Nichts desto trotz blieben die vertrauten Charaktere weitgehend erhalten. So spielte Anne Haddy die Großmutter Helen Robinson immerhin 12 Jahre. Paul Robinson, der älteste Sohn, dargestellt von Stefan Dennis, spielt heute noch die gleiche Rolle, allerdings gab es da wohl eine längere Pause.
"Nachbarn" brachte viele Stars hervor - zwei wurden schon genannt, aber auch Guy Pearce, der "Mike Young" aus der Serie, schaffte es bis nach Hollywood, dort gehört er mittlerweile nicht gerade zu den Unbekannten aus "Down Under". Auch Russell Crowe soll den Nachbarn schon seine Aufwartung gemacht haben, diese Folgen konnte man aber bei uns entweder nicht sehen - oder nur ich habe sie nicht gesehen ...
Ich kann die Serie nur wärmstens empfehlen, auch wenn es fast unmöglich erscheint, alle Folgen jemals zu sehen. Allein die deutsch synchronisierten Folgen auf DVD zu bringen, wäre ein kleines Wunder. Immerhin hat sich Fernsehjuwelen den Anfängen angenommen, und wer weiß - vielleicht kommt da noch mehr. Bild und Ton der DVDs sind nicht unbedingt herausragend, das Bild ist etwas blass und wirkt verwaschen, beim Ton muss kräftig aufgedreht werden - beides stört aber nur wenig und ist bei dem Alter der Serie annehmbar.
Die Serie als solche ist top und ihre fünf Sterne wert, insofern möchte ich hier keinen Abzug machen. Daumen hoch für weitere Boxen!