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Nachbarn.  Der Mord an den Juden von Jedwabne.
 
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Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne. [Gebundene Ausgabe]

Friedrich Griese , Jan T. Gross
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 195 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406482333
  • ISBN-13: 978-3406482335
  • Größe und/oder Gewicht: 20,1 x 12,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 498.481 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Dieses Beispiel demonstriert es eindrucksvoll: Selbst jahrzehntelange Tabuisierung und schlichtes 'Vergessen wollen' vermögen die Macht der Fakten nicht zu brechen und zu beugen. Der Mantel des Schweigens, den sich die polnische Gesellschaft -- ihre Eliten in erster Linie -- übergeworfen hatte und Themen wie Kollaboration und Schuld völlig ausgeblendet ließ, wird zunehmend löchrig.

Dass dem so ist, ist auch das Verdienst von Büchern wie diesem. Jan T. Gross Darstellung der Geschichte der unvorstellbar grausamen Ermordung von 1.600 Juden durch ihre katholischen polnischen Nachbarn im Juli 1941 ist ein Fanal gegen gängige Geschichtsklitterung und -verfälschung. Interpretationen der Täter, die auf Mitläufertum und Opferrolle sowie auf Banalisierung der Sache abzielen, stellt der Geschichts- und Politikprofessor Fakten entgegen: Es waren "normale, einfache Einwohner" der Kleinstadt, die die jüdische Bevölkerungshälfte -- gleichgültig ob Männer, Frauen oder Kinder -- zusammen trieben und bestialisch ermordeten. Die Deutschen hatten polnische Rädelsführer im Vorfeld zwar ermuntert, standen während der Tat aber "nur" daneben und machten Fotos, die dann für Propagandazwecke eingesetzt wurden.

Diese Tatsache, die polnische Bürger in der ungewohnten Täterrolle zeigt, ist es, das die heftige Diskussion, die wir im Moment in Polen sehen, ausgelöst hat. Sucht man nach Parallelen in der bundesdeutschen Geschichte, so fallen einem -- was die Intensität und die vorhersehbare gesellschaftliche Wirkung dieser Kontroverse anbetrifft -- der Historikerstreit und die Goldhagen-Debatte oder die Walser-Rede ein. Somit ist dieses Buch auf jeden Fall geeignet, "das polnische Geschichtsbewusstsein von dem dicken Morast von Lügen zu säubern, in dem es steckt." (Adam Michnik)

Bleibt wie so oft nur zu hoffen, dass sich die Diskussion nicht nur als eitle Innenschau der Eliten vollzieht, sondern auch den normalen Menschen zum Nachdenken anregt und entsprechende Schlüsse für die Gegenwart ziehen lässt. Leider lehrt uns die Realität immer wieder das Gegenteil. --Dr. Manfred Schwarzmeier

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.09.2001
Thomas Urban lässt die kurze, aber heftige Rezeptionsgeschichte des Buches Revue passieren, um alsbald auf die kursierenden Zweifel an seiner Quellentreue zu sprechen zu kommen: Nicht nur stößt Urban überall auf "dünne Belege", auch die Auswahl findet er mehr als fragwürdig: "Gross hat alles ignoriert, was seine Hauptthese in Frage stellt ... unzutreffende Aussagen, Übertreibungen und Gerüchte mit zweifelsfrei korrekten Schilderungen vermischt." Die genannte Zahl von ca. 1500 Tätern (nahezu die gesamte katholische Bevölkerung Jedwabnes), die den Proteststurm in Polen vor allem ausgelöst hat, wie es heißt, nennt der Rezensent unter Berücksichtigung der Aussagen Überlebender eine "maßlose Zuspitzung". Schließlich bringt Urban noch jene neuen Dokumente und Erkenntnisse (inzwischen wurden rund 100 aus deutschen Waffen stammende Patronenhülsen an der Stelle des Massengrabes gefunden) zur Sprache, die der Autor sich weigerte, in die deutsche Ausgabe des Buches einzuarbeiten. Er gibt insgesamt ein reichlich düsteres Fazit. Mit einem Tropfen Lobes allerdings: Das Verdienst, "eine für die polnische Gesellschaft schmerzhafte, aber notwendige Gewissensforschung angestoßen zu haben," will Urban dem Autor trotz allem zugestehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2001
Kritisch und betroffen äußert sich Thomas Sandkühler in einer langen, fachkundigen Besprechung über die Neuerscheinung des exilpolnischen Historikers Jan T. Gross. Dieser Essay thematisiert die Pogrome, die polnische Bürger (nach Gross polnisches "Lumpenproletariat") im Sommer 1941 an ihren jüdischen Mitbürgern in mehreren Städten (Wasosz, Radzilow, Jedwabne) verübten. Die Aktionen hatten einen spontanen Charakter, geschahen jedoch auf Betreiben des Chefs des Reichssicherheitshauptamtes Heydrich, wie der Leser erfährt. Gross fällt nun das Verdienst zu, die polnischen Pogrome des Sommers 1941 publik gemacht zu haben. Nach Meinung des Rezensenten jedoch mit dem Mangel, dass er sich "überwiegend auf Augenzeugenberichte und Vernehmungen, aber nicht auf deutsche Akten stützt." Seine Grundaussage, dass die Juden polnischen Mördern zum Opfer fielen und dass ein polnischer "Antisemitismus, ein Konglomerat aus katholisch-klerikaler Judenphobie und Schuldabwehr" sich im Stalinismus ungebrochen fortgesetzt habe, hat in Polen heftige Auseinandersetzungen hervorgerufen. Dass der Historiker Musial ihn gar als "polnischen Goldhagen" bezeichne, sei höchst ungerecht: Gross' hauptsächliches Thema sei die "totalitäre Deformation von Gesellschaften und deren Folgen."

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Die Zeit, 20.09.2001
Helga Hirsch setzt sich sehr kundig mit dem Buch von Jan Tomasz Gross über den Massenmord an den Juden des ostpolnischen Städtchens Jedwabne im Juli 1941, bei dem nach Schätzungen des Autors ungefähr 1600 Menschen starben, auseinander. Das Buch löste nach seinem Erscheinen im Frühjahr 2000 in Polen einen Schock aus, berichtet die Rezensentin. Auch wenn die Opferzahlen von Gross nach den jüngst angestellten Exhumierungen der Massengräber nach unten korrigiert werden müssen und die Stichhaltigkeit einzelner Fakten in Gross' Bericht kritisiert wird - für die Rezensentin ist das Buch ein wesentlicher und wichtiger Beitrag zur Korrektur in der Geschichtsschreibung und für eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem historischen und aktuellen Antisemitismus in Polen. Schade findet Hirsch allerdings, dass der Autor das Erscheinen der deutschen Ausgabe nicht zum Anlass genommen hat, die Debatte über und die Kritik an seinem Buch sowie berechtigte Korrekturen einzuarbeiten. An der so erhellenden wie erschreckenden grundlegenden Aussage, dass nicht nur Kriminelle und Kollaborateure an der Judenverfolgung beteiligt waren, sondern auch "ganz normale Männer", hätte das sicher nichts geändert, ist Hirsch überzeugt.

© Perlentaucher Medien GmbH


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete W³adys³aw Bartoszewski veröffentlichte 1987 eine Studie über das jüdisch-polnische Verhältnis in der Zeit der nationalsozialistischen Okkupation Polens. Die deutsche Übersetzung trägt den be-schwörenden Titel „Uns eint vergossenes Blut“. In dem Werk zieht der polnische Historiker, der im nationalen Widerstand kämpfte und für seine Unterstützung des Ghetto-Aufstands in Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt wurde, die Bilanz seiner zwanzig-jährigen Forschung über die jüdisch-polnischen Beziehungen während des Zweiten Welt-kriegs. Das „Gefühl der gegenseitigen Fremdheit und Distanz“ in der Zeit der Zweiten Polnischen Republik sei durch den äußeren Druck der nationalsozialistischen Terrorherrschaft überwunden und in eine „Schicksalsgemeinschaft der leidenden und kämpfenden Polen und Juden“ verwandelt worden. Bartoszewski gab damit der in der polnischen Geschichtswissen-schaft und Gesellschaft herrschenden Deutung der jüdisch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1939 bis 1945 Ausdruck.
Nach dem Systemwechsel von 1989 vom Dissidenten zu einem der angesehensten Politiker in der jüngst abgewählten bürgerlichen Regierung aufgestiegen, erlebte der Außenminister Bartoszewski im vergangenen Jahr die Veröffentlichung eines Buches, das die Vorstellungen vom jüdisch-polnischen Verhältnis grundlegend erschütterte. Unter dem Titel „S¹siedzi” („Nachbarn“) erschien im Mai 2000 in einem kleinen Krakauer Verlag eine Studie des amerikanischen Soziologen Jan Tomasz Gross über die Ermordung der Juden von Jedwabne. In dem Städtchen im heutigen Nordosten des Landes töteten, so Gross, die polnischen Ein-wohner ihre jüdischen Nachbarn am 10. Juli 1941 in einem bestialischen Pogrom, ohne daß deutsche Einheiten, die das Gebiet kurz zuvor erobert hatten, daran aktiv beteiligt gewesen wären. Das schmale Buch von Gross löste nach einigen Wochen Verzögerung eine öffentliche Diskussion von einer bisher nicht gekannten Härte und Dauer über Polens Rolle im Zweiten Weltkrieg aus.
Längst ist die Debatte über Gross’ Thesen auch in das deutsche Feuilleton geschwappt. Nun liegt endlich die deutsche Übersetzung vor. Sie folgt der amerikanischen Ausgabe, die im Frühjahr erschien, und ausführlicher als das polnische Original ausfällt. Ergänzt hat der Autor sie um eine Einleitung und ein Nachwort an die deutschen Leser.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Tief sitzender Hass 1. Juli 2003
Zum Verständnis des Buches von Jan Gross muss man sich einige geschichtliche Daten ins Gedächtnis rufen. Am 1. September 1939 überschritten die deutschen Truppen die polnische Grenze. Nur zwei Wochen darauf war der polnische Widerstand im wesentlichen zusammengebrochen. Am 17. September 1939 marschierte die Sowjetarmee als Verbündete des Hitler-Regimes in Polen ein und besetzte den östlichen Teil des Landes. Zwischen den beiden siegreichen Armeen wurde etwa entlang der Flüsse Bug und Narew eine Demarkationslinie abgesteckt. Jedwabne lag im sowjetischen Bereich. Der sowjetisch besetzte Teil Polens ist übrigens auch nach 1945 von der Sowjetunion nicht wieder preisgegeben worden, die dortige polnische Bevölkerung wurde später in den jahrhundertelang deutschen, nach 1945 aber von Deutschen gesäuberten Westtteil des neu geschaffenen Landes umgesiedelt.

Ende Juni 1941 griffen die deutschen Truppen die Sowjetunion an und überschritten die Demarkationslinie, sowie später auch die frühere polnisch-sowjetische Grenze. Nur 14 Tage darauf geschahen die Ereignisse, die Gross in diesem Buch schildert. Bis zu jener Zeit hatte es im deutsch besetzten, westlichen Teil Polens, dem sog. Generalgouvernement, keinerlei markante polnische Übergriffe, Pogrome oder ähnliches den dortigen Juden gegenüber gegeben.

Im Deutschen Reich wurde der Judenstern erst Monate später, im Herbst 1941, eingeführt, die Wannsee-Konferenz vom Januar 1942 stand noch in keinem Kalender, erst im Sommer 1942 wurde mit der Deportation der Juden aus den großen polnischen Gettos begonnen, die großen Krematorien von Auschwitz waren erst im Frühsommer 1943 betriebsfertig - und doch zögerten die katholischen Einwohner von Jedwabne im Juli 1941 keinen Augenblick, ihre jüdischen Mitbewohner zu erschlagen und zu verbrennen, als sich ihnen die Gelegenheit dazu bot.

Zwar wissen wir spätestens seit Erscheinen des Buches von David Epelbaum, „Nos Enfants de Papier", wie stark der Antisemitismus im 1918 wiedererstandenen Polen verbeitet war und dass die Maßnahmen der polnischen Behörden in den Jahren zwischen 1920 und 1939 z.T. erheblich über die Restriktionen hinausgehen, die nach 1933 in Deutschland den Juden gegenüber eingeführt wurden, doch deutet die Explosion des Hasses, die durch den deutschen Einmarsch in den zwei Jahre lang sowjetisch besetzten Teil Polens freigesetzt wurde, auf tiefere Gründe hin, zumal ähnliche Pogrome auch in den baltischen Ländern zu beobachten waren.

Die Deutschen standen solchen Ausbrüchen zwar durchaus wohlwollend gegenüber, doch wäre es interessant, die Motive für derartige Gewalttaten näher zu analysieren, nun solche Untersuchungen nach einem halben Jahrhundert des Obskurantismus möglich geworden sind. Jan Gross' Buch ist ein mutiger Schritt in dieser Richtung.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ganz normale Menschen 31. August 2010
Von Mag Wolfgang Neubacher TOP 500 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
Am 10. Juli 1941 erschlugen und verbrannten polnische Bewohner von Jedwabne ihre jüdischen Mitbürger (Männer, Frauen und Kinder) und bemächtigten sich ihres Besitzes. Die Opferzahl liegt irgendwo zwischen 300 und 1 600 (ich glaube eher an die 2. Zahl).
Lange Zeit wurde dieser Pogrom gegen die Juden - er war nicht einzige um diese Zeit - totgeschwiegen. Erst dieses Buch löste in Polen eine breite Diskussion aus. Plötzlich wurde vielen Polen bewusst, dass sie (vor allem ihre Elterngeneration) nicht nur Opfer waren, sondern dass sich unter ihnen auch gar nicht wenige Täter befanden (nebenbei bemerkt - in Österreich lief eine ähnliche Diskussion!)
Man wollte einfach nicht sehen, dass zB im Mai 1949 12 Personen wegen des Massakers zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden waren; dass sich 1941 der Stadtrat von Jedwabne und die Gestapo über die Ermordung der Juden einig wurden usw. Auch die Rolle von Teilen des Klerus war (und ist) eine traurige und beschämende.
Das Buch - auch wenn manche der Fakten angezweifelt werden - hat einiges in der polnischen Bevölkerung bewirkt (nicht allerdings am Ort des traurigen Geschehens). Auch die polnische Gesellschaft hat ihre Leichen im Keller!
Persönliche Anmerkung: 1992 und 2006 nahm ich jeweils an einer Stadtführung in Krakau teil. 1992 war der Führer (ein älterer Pole) offen antisemitisch (was zu einem Eklat führte); 2006 erledigte das die Führerin - sie hätte die Enkelin des ersten Führers sein können - eher subtil... Man ist ja lernfähig!
Empfehlung: Die "Jedwabne-Debatte" im Internet!
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