Erinnert im Schreibstil beziehungsweise "Tonfall" an Guido Knopps TV-Produktionen. Belehrend und alles gnadenlos verteufelnd. Laut Klappentext
"hinterfragten die Autoren das Bild, daß durch andere Obersalzbergbücher ("die verklärenden Hochglanzprospekte, die die schöne alte Zeit mit friedlicher Sommeridylle beschwören") gezeichnet wird".
Tatsächlich aber sind die Autoren meiner Ansicht nach bereits mit einer festen Meinung auf den "Berg" gekommen und haben sich dann an Interviewpartnern, -ausschnitten und Bildern genau das rausgesucht, was in Ihr Weltbild paßte.
Die historische Genauigkeit des Buches erscheint mir zumindest stellenweise zweifelhaft: Die "gewaltsame Vertreibung der Bauern" wird plakativ bereits auf dem Klappentext behauptet. Dazu gibt es durchaus auch andere Aussagen, so von dem ehemaligen Hausverwalterehepaar des Berghofes, von H. Döring, v. R. Misch und anderen: Zumindest in der "Anfangszeit" wurden unglaublich hohe Entschädigungssummen gezahlt. Das wird von den Autoren erwähnt, aber auch da lassen sich natürlich plötzlich negative Auswirkungen dieser Zahlungen ausmachen (die Immobilienpreise in Berchtesgaden seien explodiert, und dadurch hätten die "Ausbezahlten" nun trotzdem wieder ein Verlustgeschäft gemacht. So einfach ist das bei Chaussy und Püschner). In diesem Stil (Motto wohl: "Komm, da muß doch noch irgend etwas negatives zu finden sein! ")geht es weiter.
Positiv bewerte ich den durchaus flotten Schreibstil, der das Lesen kurzweilig macht, die Bildauswahl und das Aufgreifen von weniger bekannten Details der Geschehnisse am Berg während und nach der Nazizeit. Der Lesespaß wurde mir aber vergällt durch den -bereits angesprochenen- in jedem Satz durchschimmernden Zeigefinger und die Wortwahl, so z. B. "Pantoffelkino" für Hitler's in den Vorkriegsjahren allabendlichen Kinovorführungen im Berghof, "Wallfahrer" für die Besucher des Berges. Typischer Journalistenstil: Menschen, Dinge und Geschehnisse durch die Wortwahl lächerlich machen, vor allem, wenn man sie nicht versteht oder verstehen will. Ich nenne so etwas die Arroganz der Intellektuellen. Und es wird deutlich, daß die Autoren sich zu diesen Gutmenschen hinzuzählen.
Fazit: Dies ist m.A. nach KEINE DOKUMENTATION. Es ist ein durchaus interessantes, aber sehr tendenziöses Buch! Damit begeben sich die Autoren genau auf den selben Zug, den sie in ihrem Buch kritisieren.