Die renommierten Systemkritiker Frederic Vester und Robert Jungk leiten das Buch ein und verdeutlichen schon damit den Rang, den Pestalozzi unter den unabhängigen Experten einnimmt.
Allerdings darf man bei Pestalozzi nicht die akademisch neutrale Sprache der Kollegen erwarten; das erklärt sich teilweise daraus, dass dem Buch "Nach uns die Zukunft" Vorträge zugrunde liegen, bei denen eine lebendigere Sprache sicher im Sinne des Auditoriums liegt.
Aber wer andere Bücher von Pestalozzi kennt, weiß, dass abgewogen vorsichtige Dialektik grundsätzlich nicht sein Stil ist: er fetzt geradezu durch die Landschaft, ist aggressiv, betroffen, wütend und oft auch pol*misch.
Dabei argumentiert er immer wieder verblüffend einfach und genial. Wo andere sich in umständlichen Gebäuden verirren, genügen Pestalozzi oft 4, 5 provokante Fragen, um den alltäglichen Schwachsinn zu demaskieren.
Damit macht er sich zwar für die Mächte des Bösen angreifbar - dem Leser aber gereicht das eindeutig zum Vorteil: Die Argumente ziehen überdeutlich, es kommt sicher keine Langweile auf, man hat Pestalozzis Bücher im Handumdrehen gelesen wie einen Crichton-Thriller: mit dem Unterschied, dass man schnell auch selbst wütend wird.
Als Schweizer beschäftigt sich Pestalozzi bei seiner Systemkritik natürlich überwiegend mit den Gegebenheiten des Alpenlandes; das tut dem Nutzen für deutsche Leser aber keinen Abbruch, weil mit kleinen optischen Unterschieden der Krampf hier genauso die Gesellschaft lähmt wie bei unseren Nachbarn.
"Positive Subversion" wollte er mit "Nach uns die Zukunft" unterstützen, vor allem bei denen, die auf die Jugend Einfluss nehmen. Leider war er zu optimistisch, was Möglichkeiten und Geschwindigkeit des Wandels angeht; 2004 nahm sich Hans A. Pestalozzi das Leben.
Umso aktueller sind die Themen des Buchs.
jury 5* A0038 12.12.2009eg 8A