Pressestimmen
"Dieser Roman verströmt auf jeder einzelnen Seite das Aroma des Amerikanischen Südens. Pamela Duncan erzählt temperamentvoll und in ihrem ganz eigenen, warmherzigen Ton." (Publishers Weekly )
"Ein Roman mit Herz!" (Washington Post )
"Ein Roman mit Herz!" (Washington Post )
Kurzbeschreibung
Drei starke Frauen, zwei Fälle schweren Liebeskummers und ein gut gehütetes Familiengeheimnis.
Asheville in North Carolina: Ruth Ann hat es nicht leicht – kaum sind alle Kinder aus dem Haus, geht der ganze Trubel von vorne los: Ashley, ihre jüngste und wildeste Tochter, steht schwanger und mit Sack und Pack wieder vor der Tür. Trost und Zuspruch allein sind in ihrer Situation nicht genug, spürt Ruth Ann – Ashley braucht neuen Halt im Leben, viel Verständnis und eine Mutter mit guten Nerven. Als dann auch noch Ruth Anns alte Mutter Marvelle bei ihr einzieht, ist das Chaos perfekt. Denn die unfreiwillige Wohngemeinschaft setzt sich nicht nur aus drei Generationen starker Frauen zusammen, sondern vor allem aus drei Generationen dickköpfiger Frauen. Gemeinsam sind Marvelle, Ruth Ann und Ashley jedoch unschlagbar – und vor allem dreifach liebenswert. Das finden nicht nur A.J., Ruth Anns Exmann, sondern auch sein Schwiegersohn in spe, dem Ashley gerade den Laufpass gegeben hat.
Asheville in North Carolina: Ruth Ann hat es nicht leicht – kaum sind alle Kinder aus dem Haus, geht der ganze Trubel von vorne los: Ashley, ihre jüngste und wildeste Tochter, steht schwanger und mit Sack und Pack wieder vor der Tür. Trost und Zuspruch allein sind in ihrer Situation nicht genug, spürt Ruth Ann – Ashley braucht neuen Halt im Leben, viel Verständnis und eine Mutter mit guten Nerven. Als dann auch noch Ruth Anns alte Mutter Marvelle bei ihr einzieht, ist das Chaos perfekt. Denn die unfreiwillige Wohngemeinschaft setzt sich nicht nur aus drei Generationen starker Frauen zusammen, sondern vor allem aus drei Generationen dickköpfiger Frauen. Gemeinsam sind Marvelle, Ruth Ann und Ashley jedoch unschlagbar – und vor allem dreifach liebenswert. Das finden nicht nur A.J., Ruth Anns Exmann, sondern auch sein Schwiegersohn in spe, dem Ashley gerade den Laufpass gegeben hat.
Klappentext
"Dieser Roman verströmt auf jeder einzelnen Seite das Aroma des Amerikanischen Südens. Pamela Duncan erzählt temperamentvoll und in ihrem ganz eigenen, warmherzigen Ton."
Publishers Weekly
Publishers Weekly
"Ein Roman mit Herz!"
Washington Post
Über den Autor
Pamela Duncan wurde 1961 im amerikanischen Asheville geboren. Sie wuchs im Bundesstaat North Carolina auf, wo sie auch heute noch lebt. Pamela Duncan studierte Journalistik und Kreatives Schreiben.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ruth Ann war nicht eine von denen, die ohne einen Anlass weinten, aber sie wollte verdammt sein, wenn es heute Abend keinen Grund dafür gab. A. J. kam wieder mal spät nach Hause, Angela und Alex hatten sich den ganzen Tag über gestritten, die Waschmaschine hatte den Geist aufgegeben, sie hatte sich den Arm am heißen Bügeleisen verbrannt, und, als wäre das nicht schon genug, sie war im neunten Monat mit einem Baby schwanger, das sich eher wie ein Wal als wie ein Säugling anfühlte. Dieses Kind paddelte, trat und stieß ununterbrochen um sich, drückte in der einen Sekunde gegen ihre Wirbelsäule, in der nächsten auf ihre Blase. Mittlerweile reduzierte sich ihr gesamtes Dasein aufs blanke Überleben, darauf, die Tage bis zum D-Day zu zählen - dem Tag der Entbindung, der Erleichterung, der Erlösung, dem Ich-schwöre-bei-Gott-dass-ich-nie-wieder-im-Leben-schwanger-werden-will-Tag. Halleluja!
Dabei war sich Ruth Ann nicht sicher, ob sie diejenige wäre, die den Kampf ums Überleben gewinnen würde. Eine Schwangerschaft in den Dreißigern war etwas völlig anderes als in den Zwanzigern. Zehn Jahre waren seit der Geburt von Alex vergangen, zehn Jahre, in denen sie ganztags gearbeitet und ihre beiden Kinder größtenteils allein großgezogen hatte. Und nun fing das Ganze von vorn an. Gegen einen anständigen Tränenausbruch gab es wohl nichts einzuwenden, oder?
Als die Kinder endlich im Bett waren, nahm sie ihre Zigaretten und ein großes Glas Seven and Seven - nur ein Schuss Seagram's Whiskey auf eine ordentliche Menge 7 Up - mit auf die Veranda, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Es war Juli, brütend heiß, und sie konnten sich keine Klimaanlage leisten. Die Ziegelstufen der Veranda fühlten sich kühl und scharfkantig unter ihren Schenkeln an, als sie sich setzte. Sie leerte ihr Longdrinkglas mit kräftigen Schlucken, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette und blies eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Es war stockdunkel, bis auf einen schmalen Lichtkegel, der aus der Tür drang. Kein Mond, dafür mehr Sterne, als sie zu betrachten imstande war.
Ruth Ann hätte gern ein zweites Glas getrunken, unterdrückte das Bedürfnis jedoch. Wenn ihre Mutter wüsste, dass sie sich den einen oder anderen Drink genehmigte, würde sie einen schrecklichen Streit mit ihr anfangen. Aber mit A.J. als Ehemann erschien es völlig normal, sich von Zeit zu Zeit ein Glas zu gönnen. Denn manchmal, so wie heute, sorgte das dafür, dass sie nicht ganz durchdrehte. Es hinderte sie daran, in den Wagen zu steigen und zu fahren, bis ihr das Benzin ausging, auszusteigen und weiterzugehen, bis ihre Füße sie nicht länger trugen, immer weiter und weiter zu gehen, bis sie so weit fort von hier war, wie sie nur konnte.
Ein scharfer Schmerz fuhr ihr durch den Rücken, und sie beugte sich vor, um den Krampf zu lösen, indem sie sich über die Wölbung ihres Bauches hinwegstreckte. Das Baby drehte sich auf die andere Seite und drückte auf ihr Diaphragma, so dass sie kaum noch Luft bekam. Also gut, du kleines Miststück, sagte sich Ruth Ann im Stillen und richtete sich wieder auf. Das Baby belohnte sie mit einem kräftigen Tritt, ehe es weiterschlief. Ruth Ann drückte ihre Zigarette aus und griff nach der nächsten, wohl wissend, dass Rauchen und Alkohol nicht allzu gesund für Schwangere waren. Aber, ganz ehrlich, sie glaubte nicht, dass sie das Ganze ohne die eine oder andere kleine Hilfe überstehen würde.
Schon dieser Gedanke genügte. Wie allein sie in dieser Situation war - A.J. ständig unterwegs, die Kinder noch zu klein, um große Unterstützung zu bieten, und ihre Mutter damit beschäftigt, ihrem Vater bei der Farmarbeit zu helfen. Der Heulkrampf baute sich stets langsam auf, ein paar brennende Tränen und ein wenig Schniefen, dann der Kloß in ihrem Hals und schließlich das lautlose Schreien mit weit aufgerissenem Mund. Reflexartig hob sich ihre Hand, um ihr Gesicht zu bedecken, obwohl es dunkel war und niemand sie sehen konnte.
Nach einer Weile verebbte das Schluchzen zu einem leisen Stöhnen, einem zarten Wimmern, so wie bei den Kindern, wenn sie wegen irgendetwas in Tränen ausgebrochen waren, bevor sie endgültig in den Schlaf glitten. Mittlerweile begriff sie, warum sie das taten. Es hatte etwas Tröstliches und half, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.
Sie starrte ins Dunkle. Ihre Augen brannten, und ihr schwirrte der Kopf. Was zum Teufel sollte sie nur tun? Sie zog ein Papiertaschentuch aus der Nachthemdtasche und putzte sich die Nase. Schon mit ihren beiden größeren Kindern war es schier unmöglich, alles zu schaffen. Wie sollte es erst werden, wenn noch eines dazukam? All die Unruhe im Haus, mit A.J., der kaum oder überhaupt nicht half, und dann noch die Schwangerschaft - es war einfach zu viel.
Mit einem Mal begann sich ein Wort aus der Leere in ihrem Innern, das die Tränen hinterlassen hatte, zu formen. Ein Wort, das wuchs und wuchs und ihr über die Lippen kam, ehe sie es verhindern konnte.
»Gottverdammt noch mal!«, sagte sie. Sie sagte es ein zweites Mal, betonte jede Silbe, langsam und laut. Ihre Stimme war kräftig und beherrscht - nicht im Mindesten so, wie sie sich fühlte. Ruth Ann hatte dieses Wort noch nie vorher laut ausgesprochen, auch wenn es ihr von Zeit zu Zeit in den Sinn gekommen war. Wie viele andere Worte, die sie aus den Mündern ihrer Brüder vernommen, die aber auszusprechen sie sich jedoch gefürchtet hatte. All diese schlimmen Worte wie Scheiße, Verdammt und Verflucht - Worte, die exakt den Schlamassel beschrieben, in dem sie steckte.
»Scheiße«, sagte sie, ließ die Buchstaben versuchsweise über ihre Lippen kommen. Kein Donner grollte, kein Blitz zuckte, kein Stern fiel vom Himmel. Mühsam hievte sie sich von der Treppe hoch und griff nach dem leeren Glas. Es gehörte zum Service aus zwölf Eistee-Gläsern, die Cassandra ihr zur Hochzeit geschenkt hatte - echte Kristallgläser mit zwei kleinen Tauben am Rand, von denen jede das Ende eines Bandes mit den Worten »Für immer« in schnörkeligen Buchstaben im Schnabel hielt. Cassandra, damals noch ein junges Mädchen, hatte monatelang ihr Taschengeld zurückgelegt, um diese Gläser kaufen zu können, deshalb hatte Ruth Ann ihrer kleinen Schwester nie gesagt, wie hässlich sie sie fand. Manche Dinge musste man mit der Zeit eben lieben lernen.
Sie hielt das Glas in die Höhe und schleuderte es auf den Bürgersteig. Mit befriedigendem Klirren zerbarst es auf dem Asphalt, ehe die Scherben auf den Rasen geschleudert wurden. Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund und starrte auf das Chaos, das sie angerichtet hatte. Sie würde die Scherben aufkehren müssen, bevor die Kinder morgen früh herausliefen und sich die Füße zerschnitten.
Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus. Wieso musste eigentlich immer sie das Chaos der anderen beseitigen und warum bekam sie nie eine Gegenleistung dafür? Sie beschloss, dass es an der Zeit war, sich nicht länger Sorgen um das Morgen zu machen - das Morgen aller anderen, während ihr eigenes immer nur an ihr vorbeizog.
»Scheiße«, sagte sie noch einmal. »Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Falls es ein solches Gefühl war, wenn man den Verstand verlor, fand Ruth Ann Gefallen daran. »Verdammte Scheiße.« Sie ging in die Küche und schob die Trittleiter vor den Kühlschrank. Im Fach darüber bewahrte sie ihr besonderes Geschirr auf, so dass die Kinder es nicht erreichen konnten. Vorhin hatte sie eines von Cassandras Gläsern herausgeholt, da sie das Gefühl gehabt hatte, sich etwas Gutes tun zu müssen. Nun verspürte sie den Drang, sich etwas wirklich Gutes zu tun.
Schwer atmend stieg sie hinauf und wieder herunter und stellte die Gläser ins Abtropfgitter auf der Spüle. Als sie die restlichen elf Gläser beisammen hatte, trug sie das Gitter nach draußen. Die Gläser klirrten, als sie die Fliegentür hinter sich zufallen ließ. Für den Bruchteil einer Sekunde fürchtete sie, die Kinder könnten aufwachen, doch dann fiel ihr ein, dass sie selbst eine Explosion verschlafen würden. Sie...
Dabei war sich Ruth Ann nicht sicher, ob sie diejenige wäre, die den Kampf ums Überleben gewinnen würde. Eine Schwangerschaft in den Dreißigern war etwas völlig anderes als in den Zwanzigern. Zehn Jahre waren seit der Geburt von Alex vergangen, zehn Jahre, in denen sie ganztags gearbeitet und ihre beiden Kinder größtenteils allein großgezogen hatte. Und nun fing das Ganze von vorn an. Gegen einen anständigen Tränenausbruch gab es wohl nichts einzuwenden, oder?
Als die Kinder endlich im Bett waren, nahm sie ihre Zigaretten und ein großes Glas Seven and Seven - nur ein Schuss Seagram's Whiskey auf eine ordentliche Menge 7 Up - mit auf die Veranda, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Es war Juli, brütend heiß, und sie konnten sich keine Klimaanlage leisten. Die Ziegelstufen der Veranda fühlten sich kühl und scharfkantig unter ihren Schenkeln an, als sie sich setzte. Sie leerte ihr Longdrinkglas mit kräftigen Schlucken, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette und blies eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Es war stockdunkel, bis auf einen schmalen Lichtkegel, der aus der Tür drang. Kein Mond, dafür mehr Sterne, als sie zu betrachten imstande war.
Ruth Ann hätte gern ein zweites Glas getrunken, unterdrückte das Bedürfnis jedoch. Wenn ihre Mutter wüsste, dass sie sich den einen oder anderen Drink genehmigte, würde sie einen schrecklichen Streit mit ihr anfangen. Aber mit A.J. als Ehemann erschien es völlig normal, sich von Zeit zu Zeit ein Glas zu gönnen. Denn manchmal, so wie heute, sorgte das dafür, dass sie nicht ganz durchdrehte. Es hinderte sie daran, in den Wagen zu steigen und zu fahren, bis ihr das Benzin ausging, auszusteigen und weiterzugehen, bis ihre Füße sie nicht länger trugen, immer weiter und weiter zu gehen, bis sie so weit fort von hier war, wie sie nur konnte.
Ein scharfer Schmerz fuhr ihr durch den Rücken, und sie beugte sich vor, um den Krampf zu lösen, indem sie sich über die Wölbung ihres Bauches hinwegstreckte. Das Baby drehte sich auf die andere Seite und drückte auf ihr Diaphragma, so dass sie kaum noch Luft bekam. Also gut, du kleines Miststück, sagte sich Ruth Ann im Stillen und richtete sich wieder auf. Das Baby belohnte sie mit einem kräftigen Tritt, ehe es weiterschlief. Ruth Ann drückte ihre Zigarette aus und griff nach der nächsten, wohl wissend, dass Rauchen und Alkohol nicht allzu gesund für Schwangere waren. Aber, ganz ehrlich, sie glaubte nicht, dass sie das Ganze ohne die eine oder andere kleine Hilfe überstehen würde.
Schon dieser Gedanke genügte. Wie allein sie in dieser Situation war - A.J. ständig unterwegs, die Kinder noch zu klein, um große Unterstützung zu bieten, und ihre Mutter damit beschäftigt, ihrem Vater bei der Farmarbeit zu helfen. Der Heulkrampf baute sich stets langsam auf, ein paar brennende Tränen und ein wenig Schniefen, dann der Kloß in ihrem Hals und schließlich das lautlose Schreien mit weit aufgerissenem Mund. Reflexartig hob sich ihre Hand, um ihr Gesicht zu bedecken, obwohl es dunkel war und niemand sie sehen konnte.
Nach einer Weile verebbte das Schluchzen zu einem leisen Stöhnen, einem zarten Wimmern, so wie bei den Kindern, wenn sie wegen irgendetwas in Tränen ausgebrochen waren, bevor sie endgültig in den Schlaf glitten. Mittlerweile begriff sie, warum sie das taten. Es hatte etwas Tröstliches und half, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.
Sie starrte ins Dunkle. Ihre Augen brannten, und ihr schwirrte der Kopf. Was zum Teufel sollte sie nur tun? Sie zog ein Papiertaschentuch aus der Nachthemdtasche und putzte sich die Nase. Schon mit ihren beiden größeren Kindern war es schier unmöglich, alles zu schaffen. Wie sollte es erst werden, wenn noch eines dazukam? All die Unruhe im Haus, mit A.J., der kaum oder überhaupt nicht half, und dann noch die Schwangerschaft - es war einfach zu viel.
Mit einem Mal begann sich ein Wort aus der Leere in ihrem Innern, das die Tränen hinterlassen hatte, zu formen. Ein Wort, das wuchs und wuchs und ihr über die Lippen kam, ehe sie es verhindern konnte.
»Gottverdammt noch mal!«, sagte sie. Sie sagte es ein zweites Mal, betonte jede Silbe, langsam und laut. Ihre Stimme war kräftig und beherrscht - nicht im Mindesten so, wie sie sich fühlte. Ruth Ann hatte dieses Wort noch nie vorher laut ausgesprochen, auch wenn es ihr von Zeit zu Zeit in den Sinn gekommen war. Wie viele andere Worte, die sie aus den Mündern ihrer Brüder vernommen, die aber auszusprechen sie sich jedoch gefürchtet hatte. All diese schlimmen Worte wie Scheiße, Verdammt und Verflucht - Worte, die exakt den Schlamassel beschrieben, in dem sie steckte.
»Scheiße«, sagte sie, ließ die Buchstaben versuchsweise über ihre Lippen kommen. Kein Donner grollte, kein Blitz zuckte, kein Stern fiel vom Himmel. Mühsam hievte sie sich von der Treppe hoch und griff nach dem leeren Glas. Es gehörte zum Service aus zwölf Eistee-Gläsern, die Cassandra ihr zur Hochzeit geschenkt hatte - echte Kristallgläser mit zwei kleinen Tauben am Rand, von denen jede das Ende eines Bandes mit den Worten »Für immer« in schnörkeligen Buchstaben im Schnabel hielt. Cassandra, damals noch ein junges Mädchen, hatte monatelang ihr Taschengeld zurückgelegt, um diese Gläser kaufen zu können, deshalb hatte Ruth Ann ihrer kleinen Schwester nie gesagt, wie hässlich sie sie fand. Manche Dinge musste man mit der Zeit eben lieben lernen.
Sie hielt das Glas in die Höhe und schleuderte es auf den Bürgersteig. Mit befriedigendem Klirren zerbarst es auf dem Asphalt, ehe die Scherben auf den Rasen geschleudert wurden. Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund und starrte auf das Chaos, das sie angerichtet hatte. Sie würde die Scherben aufkehren müssen, bevor die Kinder morgen früh herausliefen und sich die Füße zerschnitten.
Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus. Wieso musste eigentlich immer sie das Chaos der anderen beseitigen und warum bekam sie nie eine Gegenleistung dafür? Sie beschloss, dass es an der Zeit war, sich nicht länger Sorgen um das Morgen zu machen - das Morgen aller anderen, während ihr eigenes immer nur an ihr vorbeizog.
»Scheiße«, sagte sie noch einmal. »Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Falls es ein solches Gefühl war, wenn man den Verstand verlor, fand Ruth Ann Gefallen daran. »Verdammte Scheiße.« Sie ging in die Küche und schob die Trittleiter vor den Kühlschrank. Im Fach darüber bewahrte sie ihr besonderes Geschirr auf, so dass die Kinder es nicht erreichen konnten. Vorhin hatte sie eines von Cassandras Gläsern herausgeholt, da sie das Gefühl gehabt hatte, sich etwas Gutes tun zu müssen. Nun verspürte sie den Drang, sich etwas wirklich Gutes zu tun.
Schwer atmend stieg sie hinauf und wieder herunter und stellte die Gläser ins Abtropfgitter auf der Spüle. Als sie die restlichen elf Gläser beisammen hatte, trug sie das Gitter nach draußen. Die Gläser klirrten, als sie die Fliegentür hinter sich zufallen ließ. Für den Bruchteil einer Sekunde fürchtete sie, die Kinder könnten aufwachen, doch dann fiel ihr ein, dass sie selbst eine Explosion verschlafen würden. Sie...
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ruth Ann war nicht eine von denen, die ohne einen Anlass weinten, aber sie wollte verdammt sein, wenn es heute Abend keinen Grund dafür gab. A. J. kam wieder mal spät nach Hause, Angela und Alex hatten sich den ganzen Tag über gestritten, die Waschmaschine hatte den Geist aufgegeben, sie hatte sich den Arm am heißen Bügeleisen verbrannt, und, als wäre das nicht schon genug, sie war im neunten Monat mit einem Baby schwanger, das sich eher wie ein Wal als wie ein Säugling anfühlte. Dieses Kind paddelte, trat und stieß ununterbrochen um sich, drückte in der einen Sekunde gegen ihre Wirbelsäule, in der nächsten auf ihre Blase. Mittlerweile reduzierte sich ihr gesamtes Dasein aufs blanke Überleben, darauf, die Tage bis zum D-Day zu zählen - dem Tag der Entbindung, der Erleichterung, der Erlösung, dem Ich-schwöre-bei-Gott-dass-ich-nie-wieder-im-Leben-schwanger-werden-will-Tag. Halleluja!
Dabei war sich Ruth Ann nicht sicher, ob sie diejenige wäre, die den Kampf ums Überleben gewinnen würde. Eine Schwangerschaft in den Dreißigern war etwas völlig anderes als in den Zwanzigern. Zehn Jahre waren seit der Geburt von Alex vergangen, zehn Jahre, in denen sie ganztags gearbeitet und ihre beiden Kinder größtenteils allein großgezogen hatte. Und nun fing das Ganze von vorn an. Gegen einen anständigen Tränenausbruch gab es wohl nichts einzuwenden, oder?
Als die Kinder endlich im Bett waren, nahm sie ihre Zigaretten und ein großes Glas Seven and Seven - nur ein Schuss Seagram's Whiskey auf eine ordentliche Menge 7 Up - mit auf die Veranda, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Es war Juli, brütend heiß, und sie konnten sich keine Klimaanlage leisten. Die Ziegelstufen der Veranda fühlten sich kühl und scharfkantig unter ihren Schenkeln an, als sie sich setzte. Sie leerte ihr Longdrinkglas mit kräftigen Schlucken, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette und blies eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Es war stockdunkel, bis auf einen schmalen Lichtkegel, der aus der Tür drang. Kein Mond, dafür mehr Sterne, als sie zu betrachten imstande war.
Ruth Ann hätte gern ein zweites Glas getrunken, unterdrückte das Bedürfnis jedoch. Wenn ihre Mutter wüsste, dass sie sich den einen oder anderen Drink genehmigte, würde sie einen schrecklichen Streit mit ihr anfangen. Aber mit A.J. als Ehemann erschien es völlig normal, sich von Zeit zu Zeit ein Glas zu gönnen. Denn manchmal, so wie heute, sorgte das dafür, dass sie nicht ganz durchdrehte. Es hinderte sie daran, in den Wagen zu steigen und zu fahren, bis ihr das Benzin ausging, auszusteigen und weiterzugehen, bis ihre Füße sie nicht länger trugen, immer weiter und weiter zu gehen, bis sie so weit fort von hier war, wie sie nur konnte.
Ein scharfer Schmerz fuhr ihr durch den Rücken, und sie beugte sich vor, um den Krampf zu lösen, indem sie sich über die Wölbung ihres Bauches hinwegstreckte. Das Baby drehte sich auf die andere Seite und drückte auf ihr Diaphragma, so dass sie kaum noch Luft bekam. Also gut, du kleines Miststück, sagte sich Ruth Ann im Stillen und richtete sich wieder auf. Das Baby belohnte sie mit einem kräftigen Tritt, ehe es weiterschlief. Ruth Ann drückte ihre Zigarette aus und griff nach der nächsten, wohl wissend, dass Rauchen und Alkohol nicht allzu gesund für Schwangere waren. Aber, ganz ehrlich, sie glaubte nicht, dass sie das Ganze ohne die eine oder andere kleine Hilfe überstehen würde.
Schon dieser Gedanke genügte. Wie allein sie in dieser Situation war - A.J. ständig unterwegs, die Kinder noch zu klein, um große Unterstützung zu bieten, und ihre Mutter damit beschäftigt, ihrem Vater bei der Farmarbeit zu helfen. Der Heulkrampf baute sich stets langsam auf, ein paar brennende Tränen und ein wenig Schniefen, dann der Kloß in ihrem Hals und schließlich das lautlose Schreien mit weit aufgerissenem Mund. Reflexartig hob sich ihre Hand, um ihr Gesicht zu bedecken, obwohl es dunkel war und niemand sie sehen konnte.
Nach einer Weile verebbte das Schluchzen zu einem leisen Stöhnen, einem zarten Wimmern, so wie bei den Kindern, wenn sie wegen irgendetwas in Tränen ausgebrochen waren, bevor sie endgültig in den Schlaf glitten. Mittlerweile begriff sie, warum sie das taten. Es hatte etwas Tröstliches und half, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.
Sie starrte ins Dunkle. Ihre Augen brannten, und ihr schwirrte der Kopf. Was zum Teufel sollte sie nur tun? Sie zog ein Papiertaschentuch aus der Nachthemdtasche und putzte sich die Nase. Schon mit ihren beiden größeren Kindern war es schier unmöglich, alles zu schaffen. Wie sollte es erst werden, wenn noch eines dazukam? All die Unruhe im Haus, mit A.J., der kaum oder überhaupt nicht half, und dann noch die Schwangerschaft - es war einfach zu viel.
Mit einem Mal begann sich ein Wort aus der Leere in ihrem Innern, das die Tränen hinterlassen hatte, zu formen. Ein Wort, das wuchs und wuchs und ihr über die Lippen kam, ehe sie es verhindern konnte.
»Gottverdammt noch mal!«, sagte sie. Sie sagte es ein zweites Mal, betonte jede Silbe, langsam und laut. Ihre Stimme war kräftig und beherrscht - nicht im Mindesten so, wie sie sich fühlte. Ruth Ann hatte dieses Wort noch nie vorher laut ausgesprochen, auch wenn es ihr von Zeit zu Zeit in den Sinn gekommen war. Wie viele andere Worte, die sie aus den Mündern ihrer Brüder vernommen, die aber auszusprechen sie sich jedoch gefürchtet hatte. All diese schlimmen Worte wie Scheiße, Verdammt und Verflucht - Worte, die exakt den Schlamassel beschrieben, in dem sie steckte.
»Scheiße«, sagte sie, ließ die Buchstaben versuchsweise über ihre Lippen kommen. Kein Donner grollte, kein Blitz zuckte, kein Stern fiel vom Himmel. Mühsam hievte sie sich von der Treppe hoch und griff nach dem leeren Glas. Es gehörte zum Service aus zwölf Eistee-Gläsern, die Cassandra ihr zur Hochzeit geschenkt hatte - echte Kristallgläser mit zwei kleinen Tauben am Rand, von denen jede das Ende eines Bandes mit den Worten »Für immer« in schnörkeligen Buchstaben im Schnabel hielt. Cassandra, damals noch ein junges Mädchen, hatte monatelang ihr Taschengeld zurückgelegt, um diese Gläser kaufen zu können, deshalb hatte Ruth Ann ihrer kleinen Schwester nie gesagt, wie hässlich sie sie fand. Manche Dinge musste man mit der Zeit eben lieben lernen.
Sie hielt das Glas in die Höhe und schleuderte es auf den Bürgersteig. Mit befriedigendem Klirren zerbarst es auf dem Asphalt, ehe die Scherben auf den Rasen geschleudert wurden. Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund und starrte auf das Chaos, das sie angerichtet hatte. Sie würde die Scherben aufkehren müssen, bevor die Kinder morgen früh herausliefen und sich die Füße zerschnitten.
Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus. Wieso musste eigentlich immer sie das Chaos der anderen beseitigen und warum bekam sie nie eine Gegenleistung dafür? Sie beschloss, dass es an der Zeit war, sich nicht länger Sorgen um das Morgen zu machen - das Morgen aller anderen, während ihr eigenes immer nur an ihr vorbeizog.
»Scheiße«, sagte sie noch einmal. »Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Falls es ein solches Gefühl war, wenn man den Verstand verlor, fand Ruth Ann Gefallen daran. »Verdammte Scheiße.« Sie ging in die Küche und schob die Trittleiter vor den Kühlschrank. Im Fach darüber bewahrte sie ihr besonderes Geschirr auf, so dass die Kinder es nicht erreichen konnten. Vorhin hatte sie eines von Cassandras Gläsern herausgeholt, da sie das Gefühl gehabt hatte, sich etwas Gutes tun zu müssen. Nun verspürte sie den Drang, sich etwas wirklich Gutes zu tun.
Schwer atmend stieg sie hinauf und wieder herunter und stellte die Gläser ins Abtropfgitter auf der Spüle. Als sie die restlichen elf Gläser beisammen hatte, trug sie das Gitter nach draußen. Die Gläser klirrten, als sie die Fliegentür hinter sich zufallen ließ. Für den Bruchteil einer Sekunde fürchtete sie, die Kinder könnten aufwachen, doch dann fiel ihr ein, dass sie selbst eine Explosion verschlafen würden. Sie kicherte.
Dabei war sich Ruth Ann nicht sicher, ob sie diejenige wäre, die den Kampf ums Überleben gewinnen würde. Eine Schwangerschaft in den Dreißigern war etwas völlig anderes als in den Zwanzigern. Zehn Jahre waren seit der Geburt von Alex vergangen, zehn Jahre, in denen sie ganztags gearbeitet und ihre beiden Kinder größtenteils allein großgezogen hatte. Und nun fing das Ganze von vorn an. Gegen einen anständigen Tränenausbruch gab es wohl nichts einzuwenden, oder?
Als die Kinder endlich im Bett waren, nahm sie ihre Zigaretten und ein großes Glas Seven and Seven - nur ein Schuss Seagram's Whiskey auf eine ordentliche Menge 7 Up - mit auf die Veranda, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Es war Juli, brütend heiß, und sie konnten sich keine Klimaanlage leisten. Die Ziegelstufen der Veranda fühlten sich kühl und scharfkantig unter ihren Schenkeln an, als sie sich setzte. Sie leerte ihr Longdrinkglas mit kräftigen Schlucken, nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette und blies eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Es war stockdunkel, bis auf einen schmalen Lichtkegel, der aus der Tür drang. Kein Mond, dafür mehr Sterne, als sie zu betrachten imstande war.
Ruth Ann hätte gern ein zweites Glas getrunken, unterdrückte das Bedürfnis jedoch. Wenn ihre Mutter wüsste, dass sie sich den einen oder anderen Drink genehmigte, würde sie einen schrecklichen Streit mit ihr anfangen. Aber mit A.J. als Ehemann erschien es völlig normal, sich von Zeit zu Zeit ein Glas zu gönnen. Denn manchmal, so wie heute, sorgte das dafür, dass sie nicht ganz durchdrehte. Es hinderte sie daran, in den Wagen zu steigen und zu fahren, bis ihr das Benzin ausging, auszusteigen und weiterzugehen, bis ihre Füße sie nicht länger trugen, immer weiter und weiter zu gehen, bis sie so weit fort von hier war, wie sie nur konnte.
Ein scharfer Schmerz fuhr ihr durch den Rücken, und sie beugte sich vor, um den Krampf zu lösen, indem sie sich über die Wölbung ihres Bauches hinwegstreckte. Das Baby drehte sich auf die andere Seite und drückte auf ihr Diaphragma, so dass sie kaum noch Luft bekam. Also gut, du kleines Miststück, sagte sich Ruth Ann im Stillen und richtete sich wieder auf. Das Baby belohnte sie mit einem kräftigen Tritt, ehe es weiterschlief. Ruth Ann drückte ihre Zigarette aus und griff nach der nächsten, wohl wissend, dass Rauchen und Alkohol nicht allzu gesund für Schwangere waren. Aber, ganz ehrlich, sie glaubte nicht, dass sie das Ganze ohne die eine oder andere kleine Hilfe überstehen würde.
Schon dieser Gedanke genügte. Wie allein sie in dieser Situation war - A.J. ständig unterwegs, die Kinder noch zu klein, um große Unterstützung zu bieten, und ihre Mutter damit beschäftigt, ihrem Vater bei der Farmarbeit zu helfen. Der Heulkrampf baute sich stets langsam auf, ein paar brennende Tränen und ein wenig Schniefen, dann der Kloß in ihrem Hals und schließlich das lautlose Schreien mit weit aufgerissenem Mund. Reflexartig hob sich ihre Hand, um ihr Gesicht zu bedecken, obwohl es dunkel war und niemand sie sehen konnte.
Nach einer Weile verebbte das Schluchzen zu einem leisen Stöhnen, einem zarten Wimmern, so wie bei den Kindern, wenn sie wegen irgendetwas in Tränen ausgebrochen waren, bevor sie endgültig in den Schlaf glitten. Mittlerweile begriff sie, warum sie das taten. Es hatte etwas Tröstliches und half, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.
Sie starrte ins Dunkle. Ihre Augen brannten, und ihr schwirrte der Kopf. Was zum Teufel sollte sie nur tun? Sie zog ein Papiertaschentuch aus der Nachthemdtasche und putzte sich die Nase. Schon mit ihren beiden größeren Kindern war es schier unmöglich, alles zu schaffen. Wie sollte es erst werden, wenn noch eines dazukam? All die Unruhe im Haus, mit A.J., der kaum oder überhaupt nicht half, und dann noch die Schwangerschaft - es war einfach zu viel.
Mit einem Mal begann sich ein Wort aus der Leere in ihrem Innern, das die Tränen hinterlassen hatte, zu formen. Ein Wort, das wuchs und wuchs und ihr über die Lippen kam, ehe sie es verhindern konnte.
»Gottverdammt noch mal!«, sagte sie. Sie sagte es ein zweites Mal, betonte jede Silbe, langsam und laut. Ihre Stimme war kräftig und beherrscht - nicht im Mindesten so, wie sie sich fühlte. Ruth Ann hatte dieses Wort noch nie vorher laut ausgesprochen, auch wenn es ihr von Zeit zu Zeit in den Sinn gekommen war. Wie viele andere Worte, die sie aus den Mündern ihrer Brüder vernommen, die aber auszusprechen sie sich jedoch gefürchtet hatte. All diese schlimmen Worte wie Scheiße, Verdammt und Verflucht - Worte, die exakt den Schlamassel beschrieben, in dem sie steckte.
»Scheiße«, sagte sie, ließ die Buchstaben versuchsweise über ihre Lippen kommen. Kein Donner grollte, kein Blitz zuckte, kein Stern fiel vom Himmel. Mühsam hievte sie sich von der Treppe hoch und griff nach dem leeren Glas. Es gehörte zum Service aus zwölf Eistee-Gläsern, die Cassandra ihr zur Hochzeit geschenkt hatte - echte Kristallgläser mit zwei kleinen Tauben am Rand, von denen jede das Ende eines Bandes mit den Worten »Für immer« in schnörkeligen Buchstaben im Schnabel hielt. Cassandra, damals noch ein junges Mädchen, hatte monatelang ihr Taschengeld zurückgelegt, um diese Gläser kaufen zu können, deshalb hatte Ruth Ann ihrer kleinen Schwester nie gesagt, wie hässlich sie sie fand. Manche Dinge musste man mit der Zeit eben lieben lernen.
Sie hielt das Glas in die Höhe und schleuderte es auf den Bürgersteig. Mit befriedigendem Klirren zerbarst es auf dem Asphalt, ehe die Scherben auf den Rasen geschleudert wurden. Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund und starrte auf das Chaos, das sie angerichtet hatte. Sie würde die Scherben aufkehren müssen, bevor die Kinder morgen früh herausliefen und sich die Füße zerschnitten.
Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus. Wieso musste eigentlich immer sie das Chaos der anderen beseitigen und warum bekam sie nie eine Gegenleistung dafür? Sie beschloss, dass es an der Zeit war, sich nicht länger Sorgen um das Morgen zu machen - das Morgen aller anderen, während ihr eigenes immer nur an ihr vorbeizog.
»Scheiße«, sagte sie noch einmal. »Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Falls es ein solches Gefühl war, wenn man den Verstand verlor, fand Ruth Ann Gefallen daran. »Verdammte Scheiße.« Sie ging in die Küche und schob die Trittleiter vor den Kühlschrank. Im Fach darüber bewahrte sie ihr besonderes Geschirr auf, so dass die Kinder es nicht erreichen konnten. Vorhin hatte sie eines von Cassandras Gläsern herausgeholt, da sie das Gefühl gehabt hatte, sich etwas Gutes tun zu müssen. Nun verspürte sie den Drang, sich etwas wirklich Gutes zu tun.
Schwer atmend stieg sie hinauf und wieder herunter und stellte die Gläser ins Abtropfgitter auf der Spüle. Als sie die restlichen elf Gläser beisammen hatte, trug sie das Gitter nach draußen. Die Gläser klirrten, als sie die Fliegentür hinter sich zufallen ließ. Für den Bruchteil einer Sekunde fürchtete sie, die Kinder könnten aufwachen, doch dann fiel ihr ein, dass sie selbst eine Explosion verschlafen würden. Sie kicherte.