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Produktinformation
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Wer war dieser Mann? Rudolf Leupold, 1913 in der deutschsprachigen Enklave Bielitz geboren, die 1918 polnisch wurde, spricht beide Sprachen fließend und ist mathematisch hochbegabt. Vom Gefühl nationaler Kränkung und der Hoffnung auf Karriere getragen, hat er sich im NS-System mehr engagiert, als die Familie zu seinen Lebzeiten ahnte. Der im Krieg versehrte, von Schlaflosigkeit gequälte, manchmal genialisch-charismatische, oft aber auch die Familie mit Tiraden und Wutausbrüchen strapazierende Vater ist nach dem Krieg eher ein Liberaler - ein gewöhnlicher, begabter Mann, »dessen Ehrgeiz größer war als sein Mut«. Erst nach seinem Tod gelingt der Tochter eine Art Rekonstruktion seines Lebens - und die Erkundung einer Generation und ihrer Mentalität, der Voraussetzungen ihres emotionalen und politischen Schicksals und Handelns.
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Dieses Buch ist der Versuch einem Vater, der sehr viel in das Leben der Tochter eingegriffen hat und noch eingreift , irgendwie nahe zu kommen und mit ihm irgendwie einen Frieden nach den "Kriegen", nach den Familienkriegen , zu finden.
Das Buch beginnt mit dem kursiver Schrift gefassten Titel „ Vom Verfasser überreicht". Das ist ein Stempel, den der Vater von Dagmar Leupold, Rudolf Leupold (1913 - 1986), um den geht es hier nämlich, für den Roman seines Lebens anfertigen lassen hat. Den Roman, den er immer schreiben wollte, den er aber nie geschrieben hat. Das ein physisches Erbteil, das auf die Autorin übergeh. Dieser Roman hätte das Leben des Vaters verändern sollen, und im Grunde genommen schreibt die Tochter jetzt diesen Roman für ihn.
Das Buch hat im Grunde genommen drei Episoden, drei Versuche sich dem Vater anzunähern. Zweimal gelingt ihr der Abschied vom Vater nicht. Zunächst geht sie ins Krankenhaus, in dem der Vater im Sterben liegt. Sie kommt aus den USA, hat aus Kostenersparnisgründen ein Ticket mit Rückflugbuchung gekauft. Dieses läuft ab, bevor der Vater gestorben ist. Sie fliegt zurück, der Vater lebt noch.
Das zweite Mal, quasi erste Phase der Annäherung, der Vater ist gestorben, sie will zur Beerdigung kommen. Der Flug wird umgeleitet, sie schafft es dann nicht einmal mehr zu seiner Beerdigung zu kommen.
Der dritte Versuch der Annäherung erfolgt auf den letzten 200 Seiten des Buches. Sie sagt sich, ich muss den Vater ganz neu „rekonstruieren".
Es folgt eine wunderbare Autobiographie ihrer Kindheit, eher romanhaft, wirklich sehr schön zu lesen. Der Vater, Mathematikprofessor an einem Gymnasium, ist ein extrem ehrgeiziger Mensch, der viele Projekte hat, aber immer wieder scheitert. Er ist ein sowohl in physischer wie psychischer Weise kriegsgeschädigter Mensch. Mit ihren beiden Schwestern wächst die Autorin mit diesem Vater, den man eigentlich nicht „überleben" kann, unter einem Dach auf. Sie leidet unter seinen Wutausbrüchen. Es sind familiäre Szenen von widersinniger Dramatik und doch überzeugender Schönheit. Dieser erste Teil, dieser autobiographische Familienteil, da ist Frau Leupold selber stark involviert .Und da zeigt es sich schon sehr deutlich, das diese Annährung an sich selbst und an den Vater und die Familie, so außerordentlich schwierig ist. Zum Schluss zieht sie aus dem Haus aus.
Sie gibt dem Vater aber noch zwei Mal eine Chance, ihm näher zu kommen. Sie interpretiert sein Kriegstagebuch, versucht nach zu vollziehen, weshalb dieser Vater denn so geworden ist. Sie erforscht seine Kindheit, hinterfragt weshalb er so extrem vom NS-System beeinflusst worden ist. Ein kleines politisches Porträt. Und wenn sie an einer Stelle erwähnt, das Erinnerung auch aus Vergessen bestehen kann, dann will sie uns aber auch mit dem letzten Teil sagen, das Vergessen eben aber doch nicht als Vergessen stehen bleiben kann.
Und in dem letzten Teil rekonstruiert sie als Literaturwissenschaftlerin mit dem ihr bekannten Instrumentarium auch die literarischen, lyrischen Versuche die dieser Vater hinterlassen hat. Das sind drei kürzere Novellen. Die untersucht sie quasi. Auch in diesen Versuchen kann sie sich ihm nicht annähern. Dieser dritte interpretatorische Teil ist stark analytisch, sehr anstrengend.
Und der Epilog am Schluss ist im Jahr 2002 geschrieben.Sie bringt einen Strauss Mimosen auf das Grab ihres Vaters. Es istzwar nicht die Lieblingsblume des Vaters, sie will vielmehr damit noch einmal zum Ausdruck bringen, dieser Vater war ein derart verletzter und verletzlicher Mensch, der so zu sagen nur aus Verunsicherung bestanden hat. Indem sie diese Mimosen auf das Grab bringt, versucht sie sich mit ihm schließlich doch zu versöhnen.
Es ist schwer den komplexen Inhalt dieses Buches zu erzählen, man muss es einfach lesen, um es persönlich richtig interpretieren zu können. Es ist nach meiner Meinung, das beste Buch von Dagmar Leupold. Ihre Sprachmacht ist geradezu phänomenal, eine wunderbare Sprache. Ich kann das Buch nur empfehlen, es ist außerordentlich gut und berührt zutiefst.
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