Thema dieses dreiteiligen Prosagedichts, zuerst erschienen 1988, ist die Liebe zur Natur, aber auch die Angst um sie: der Konflikt zwischen Mensch und Natur also. Die Lebensläufe dreier Männer werden einander gegenübergestellt: Matthias Grünewald (Meister des Isenheimer Altars), Georg Wilhelm Seller (Teilnehmer der Beringschen Alaska-Expedition im 18. Jahrhundert) und schliesslich W.G. Sebald selbst, der Autor.
Die Verse sind geprägt von einem befremdlichen, melancholischem Grundton, Natur und Gesellschaft scheinen einfach völlig unvereinbar zu sein. Es lohnt sich aber auf jeden Fell, sich dieser "Lesearbeit" zu stellen- man wird mit wunderschönen Sätzen belohnt.
Ein grosses Manko ist das Bilder von Personen und Kunstwerken in dieser Ausgabe völlig fehlen (das ist in fast allen anderen Büchern Sebalds anders). Als Einstieg in sein Werk ist "Nach der Natur" ungeeignet, obwohl es zentrale Themen (Schicksal, seine Biographie im Nachkriegsdeutschland, die Industrieruinen Manchesters) aus anderen Büchern wiederaufgreift. Für Leser, die Sebald noch nicht kennen, würde ich zu "Luftkrieg und Literatur" (Essays) oder "Die Ausgewanderten" (Erzählungen) raten.