Am Anfang war ich ganz begeistert und überlegte mir schon, wem ich es schenken oder weiterempfehlen würde. Für mich selber überraschend verweigerte ich im letzten Drittel des Romans die emotionale Gefolgschaft. Was so einfühlsam und diskret als einfühlsame Schilderung des Alltags in einem faschistischen Staat begann, steigert sich in ein furioses Finale, das in dem Satz gipfelt:" Es ist gut, wenn du das Schwein umgebracht hast, Franz." Da verliert es den Boden unter den Füßen und kippt um in Hetze und ist nicht mehr unterscheidbar von dem, was es bekämpft. In der schwarz-weiß Darstellung von guten und abgrundtief bösen Menschen ist es amerikanischen Filmen ähnlich. Aber es mag auch die Zeit sein, immerhin wurde es vor 73 Jahren geschrieben, die inzwischen ihren Ausdruck verändert hat. Den ersten Teil des Buches finde ich sehr klar und einfach. Besonders berührt hat mich die mit einer fast kindlichen Stimme erzählte Liebesgeschichte von Sanna und Franz, deren Gemurmel einem inneren Monolog gleicht. Die Passagen des Kennen und Liebenlernens sind von großer Einfühlsamkeit und von tiefem Wissen und in diesen Anfängen ist der Text auch durchzogen von feinsinnigem Humor und von spöttischer Ironie, die leider später verloren gehen. Die Trennlinie zwischen den bösen und dumpfen Faschisten und den guten hilflosen Kommunisten und Juden wird immer schneidender und umso offener und direkter die Aussage umso weniger stimmt es und umso mehr verliert es an Kraft. Was zurückbleibt ist ein Gefühl von Ärger, ein Gefühl einer Gegenpropaganda ausgesetzt gewesen zu sein, einer vergebenen Chance für ein gutes Buch.