Es war wohl John F. Kennedy der einst den Ausspruch tätigte die USA seien nach Deutschland die größte deutsche Nation. Und Kennedy hatte Recht, wird doch heute für ein Sechstel der US-Bevölkerung (bei 300 Millionen sind das immerhin 50 Millionen und Österreich wie die Schweiz sind aus dem Rennen) angenommen dass sie deutsche Vorfahren haben. Die deutsche Auswanderung nach Amerika wird zudem in Hinsicht auf Kontinuität nur von Großbritannien selbst übertroffen. Bis 1914 waren es rund sieben Millionen Deutsche die den Weg über den Atlantik in die verheißungsvolle Neue Welt gewagt haben, wobei die größten Auswanderungswellen zwischen 1848 und 1933 zu finden sind. Von den "48ern" unter den Deutschamerikanern haben einige sogar prägend auf die Gründung der Republikaner und Lincolns Sklavenbefreiung mitgewirkt.
Auswanderung als Ventil für Überbevölkerung, Hungersnot, Verfolgung und Neubeginn haben Tradition, wie die zahlreichen von Bernd Brunner aufgezeigten Emigranten-Geschichten zeigen. Obwohl es vergleichsweise erst spät zu deutschen Städtegründungen in den USA kam, waren doch schon relativ früh Deutsche in englischen, holländischen oder auch skandinavischen Siedlungen auf dem nordamerikanischen Kontinent zu finden, so dass es sogar dazu kam dass Deutsche wie Holländer als "Dutch" bezeichnet wurden. Auch wenn es einige Abenteurer gab, am Anfang der organisierten Auswanderung Deutscher steht eine religiöse Motivation. Wegen Verfolgung in der eigenen Heimat oder schlicht der Versprechungen eines religiösen Utopias mit niedrigen Pachtzinsen, wie William Penns Pennsylvania, waren es zuallererst diese religiösen Gruppierungen die in den USA Fuß fassten. Mit dem Fortlauf der europäischen Geschichte und der Verwüstung so mancher deutscher Länder durch Kriege, Hungersnöte, Willkürherrschaft und Unwetter setzte sich jedoch schon bald eine neue Form der Auswanderung durch, so dass am Ende des 18. Jahrhunderts nur noch rund 10% der deutschen Auswanderer religiös motiviert waren.
Anhand von ausgewählten Lebensläufen zeigt Bernd Brunner nicht nur solche Emigranten die es in den USA "geschafft" und zu Vermögen oder Ruhm gebracht haben, sondern auch einige jener die sogar zurück nach Europa gegangen sind. Es ist ein Bild das auch Schatten wirft, welches Brunner in NACH AMERIKA zu zeigen versucht. Doch dank seines eindringlichen Stils und einer guten Portion erzählerischem Talent ergibt sich ein Gesamtwerk das man als Bereicherung empfindet. Das Werk folgt einem roten Faden, verstrickt sich nicht in Einzelgeschichten und wirkt gut gestrafft.
Fazit:
Lebendig erzählte Geschichte.