Das Gute vorweg: an der Aufmachung, am Druck sowie an der Qualität der Fotos gibt es nichts auszusetzen. Von den gedienten NVA-Soldaten werden viele dieses Buch mögen. Doch, Bild und Text sollten stimmen, erst recht, wenn der Autor als Spezialist ausgewiesen wird. Leider fabuliert er aber sehr. Mehrfach ist da z.B. vom P3 als einem verwunschenen Horch die Rede. Gerade so, als lauschten wir einer Märchenstunde. Woher die Horch-Fama stammt, bleibt unklar; aus dem Text von Gau/Siegert/Plate, auf den mitunter (und ohne es im Text kenntlich zu machen) wortwörtlich zurückgegriffen wurde, läßt sich das jedenfalls nicht entnehmen. Dieser sinnfernen Sage nach, wäre einst ein Horch (welcher bloß?) verwünscht (durch welchen Zauber?) und in einen P3 verwandelt worden. Daß hier ein als Spezialist gepriesener Autor ausgerechnet jenen seit Jahren grassierenden Humbug vom sogenannten Horch-P3 nun auch noch selbst verbreitet und mit seinen Ruf adelt, ist schon ziemlich peinlich. Hier sitzt der Spezialist gehörig jenem Stammtischgeplaudere einer an Fakten kaum interessierten Klientel auf, die den P3 wichtigtuerisch allenthalben mal mit dem Zusatz Horch oder Sachsenring garniert, was beides an der automobilgeschichtlichen Realität gehörig vorbeigeht. Neben all dem Phantasieren kommt dann im Buch die interessante Technik des P3 viel zu kurz. Statt, was nahe läge, am gezeigten Fahrzeug mal richtig ins Detail zu gehen, Kenntnisse und Eindrücke zu vermitteln, wurde viel über die Geschichte von P1, H1, P2M etc. aus den Veröffentlichungen anderer abgeschrieben. Von all diesen Autos ist nun aber kein einziges in dem Band zu sehen und so wirken solche, in dem ausgewiesenen Bilderbuch, unbebildert bleibenden Beschreibungen dann doch etwas komisch.
Und noch etwas:
Militärische Oldtimer in Szene zu setzen, ist eine schöne Sache. Schluderei bei der Inszenierung verdirbt hingegen den Gesamteindruck. Wenn neben den historischen Fahrzeugen Menschen zu sehen sind, wenn historische Situationen nachgestellt und Bilder, wie die Überwachung der innerdeutschen Grenze, bemüht werden, dann sollte das Erscheinungsbild (hier Uniformen) schon stimmig sein. Warum aber trägt einer im SPW 152 auf der Flecktarnjacke Schulterstücke der Tuchuniform und eine moderne Brille? Der LO-Fahrer hat gleich gar nichts auf den Schultern. Mußte der Mann am BMP beim Fototermin neuzeitliche Sicherheitsschuhe tragen und kann ein heutiges (sehr auffälliges) 07er Nummernschild nicht einfach mal abgeschraubt werden? Auch der anachronistische Strichcode auf dem Stiel eines jüngst beschafften Sowjetfähnchens sticht unangenehm ins Auge, wenn er auf einem Detailbild landet. Es gibt diverse solcher Mißgriffe in diesem Buch. Unwichtig? Mag sein, doch dann könnten all diese Autos genau solche Attrappen sein, wie das MG auf dem 152er und echt wäre nur der gezeigte sympathisch-unmilitärische Bartwuchs. Im Vorübergehen fiele das alles gar nicht auf, festgehalten in einem Foto-Buch schon. Somit ist der Band leider unnötig ungenau und unterschätzt das Auge des Lesers. Alles Kleinkram? Wohl nicht, denn dadurch bleibt unklar, was dieses Buch überhaupt will: annähernd einen Zustand zeigen, wie Fahrzeuge und Fahrer damals ausgesehen haben oder lediglich ein Abziehbild der Vergangenheit sein, an dem die Fahrzeugbesitzer in Abenteuerkostümierung als Staffage neben ihren Lieblingen kleben? Das erste ist wohl der eigentliche Sinn solcher Arrangements. Letzteres dagegen ist die Darstellung heutiger Erscheinungsformen des Besitzes historischer Militärtechnik. So etwas ist allerdings auf jedem x-beliebigen Treffen zu sehen und füllt - in mehr oder weniger brillanter Qualität - private Fotoalben. Als Pseudo-Diorama zeigen uns solche Bilder nicht die Vergangenheit sondern lassen uns im Hier und Jetzt. Da sind wir aber schon.