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Das Jahr 1950 ist in Bezug auf den deutschen Motorrad- Rennsport ein ganz besonderes Jahr. Auf dem Kongress der Federation Internationale Motocicliste ( FIM ) im Mai in Madrid, wird die Wiederaufnahme Deutschlands in den Weltverband beschlossen. Damit ist die Verbannung deutscher Marken und Fahrer vom internationalen Motorrad- Rennsport aufgehoben. Die seit Kriegsende nur auf nationaler Ebene stattfindenden Wettbewerbe sollten als deutsche Meisterschaftsläufe zwar auch weiterhin Bestand haben, zudem konnten sich aber die einzelnen Werke mit ihren Maschinen jetzt wieder mit der internationalen Konkurrenz messen. Es stellt sich aber gleichzeitig die Frage nach dem „womit ?"
Durch die Verbannung der ehemals so erfolgreichen Kompressor- Rennmaschinen vom internationalen Renngeschehen - es waren seit 1947 nur noch kompressorlose Motorräder zugelassen - standen die deutschen Werke vor dem motorsportlichen Nichts.
Dennoch sollte es einem Unternehmen gelingen, aus diesem Nichts heraus, vollkommen neue Rennmaschinen zu entwickeln, die in weniger als 2 Jahren in der Lage waren, zur internationalen Konkurrenz aufzuschließen und darüber hinaus auch noch 1953 erstmals die Weltmeistermeisterschaft der Hubraumklassen bis 125 und 250 ccm zu gewinnen. Als die Rennföxe und Rennmäxe von NSU ihre Erfolge im darauffolgenden Jahr wiederholen können, werden die Maschinen zu unbesiegbaren Legenden und ihre Fahrer zu Idolen einer ganzen Motorradfahrer- Generation. Mehr als 400.000 Besucher pilgern zu den einzelnen Rennstrecken, um Werner Haas und seine Stallgefährten siegen zu sehen.
Als NSU nach dem tragischen Todessturz von Rupert Hollaus Ende 1954 seinen Rückzug vom Rennsport bekannt gibt, setzen die käuflichen Sportmäxe die Erfolgsserie der schwäbischen Marke fort. Der unvergessene H. P. Müller wird 1955 sogar als Privatfahrer Weltmeister der 250er Klasse.
Unterdessen konzentriert sich das Werk auf die Jagd nach Motorrad- Weltrekorden. Hier können die Motoren der abgestellten Werksrennmaschinen noch einmal ihr Leistungspotential unter Beweis stellen.
Mit dem vorliegenden Buch soll nun, 50 Jahre nach dem Triumphzug der NSU- Maschinen noch einmal an dieses beispiellose Kapitel deutscher Motorrad- Rennsportgeschichte erinnert werden. Dabei ist es gleich mehreren glücklichen Umständen zu verdanken, dass nun soviel neues, bisher unbekanntes Material zur Veröffentlichung kommen konnte.
Audi öffnete hierfür das historische NSU- Archiv und gestattete ein uneingeschränktes Recherchieren. Zeitgenössische Leistungsmessungen und Testprotokolle aus der Neckarsulmer Rennabteilung, der damaligen „Hochsicherheitszone" im Hause NSU, aber auch Besprechungsnotizen und Aufzeichnungen von Rennen geben Aufschluss über die Probleme, die es auf dem Weg zur Weltmeisterschaft zu lösen galt.
Erstmals wird deutlich, welchen Aufwand die Neckarsulmer betrieben, welche Probleme bewältigt und wie viel Rückschläge hingenommen werden mussten, bevor das Unternehmen Ende der 54er Saison stolz verkünden konnte: NSU ist unschlagbar, 24 Starts, 24 Siege.
Neben all diesen Informationen vermitteln diverse Original- Reportagen damaliger Rennberichterstatter, darunter die packende Rundfunk- Übertragung vom Großen Preis von Deutschland auf der Solitude 1952, die rizinushaltige Atmosphäre an den Rennstrecken der 50er Jahre. 1999 nutzt Audi die wohl einmalige Gelegenheit, und erwirbt einen Großteil der zwischenzeitlich in Privatbesitz befindlichen NSU- Werksrennmaschinen.
Bei den nachfolgenden Restaurierungsarbeiten bietet sich nach einem halben Jahrhundert schließlich erstmals die Gelegenheit, die Geheimnisse für Ruhm und Erfolg dieser Maschinen zu lüften: Alle Varianten der Werksmotoren, angefangen von der ersten 125er Rennfox mit dem "schrägen Kopf" bis zum letzten 250er Königswellen-Twin der Rennmax werden zerlegt und in allen Einzelheiten fotografisch dokumentiert. Ein Großteil dieser einzigartigen Aufnahmen werden hier erstmals veröffentlicht.