Hyperdimension Neptunia
Da sich die erste Rezension zu diesem Spiel wohl gar nicht mit dem eigentlich Spiel beschäftigt, versuche ich nun mein Glück.
Vorab:
Neptunia hat keinen Vorgänger. Neptunia ist ein vollkommen neues Spiel mit einem einzigartigem Szenario. Es weißt jedoch eine sehr starke ähnlichkeit zu dem Spiel "Trinity Universe" aus dem selben Hause auf. Jedoch ergeben sich bei aller ähnlichkeit bei genauerer Betrachtung etliche Unterschiede - vor allem was das kampfsystem und das häufig gescholtene Heilsystem angeht.
Ein RPG?
Ja, es handelt sich um ein JRPG. Allerdings darf man nicht den Fehler machen ein spiel im stile von "Final Fantasy" oder "Dragon Quest" zu erwarten. Allein audiovisuell ist hier kein vergleich möglich. Es gibt aber auch im spielsystem selbst etliche Unterschiede zu den genregrößen. Man kann fast behaupten man Spielt mit "Neptunia" einen Manga der gelegentlich von Dungeons unterbrochen wird. Die gesamte Story und alle Dialoge sowie Geschehnisse spielen sich in standbildern ab in denen die hervorragend animierten Charakterportaits platziert sind. Gut 90% der Dialoge sind synchronisiert.
Es gibt aber keine klassische Oberwelt. Ortswechsel gaukeln einem eine große welt vor, das ändert aber nichts an der tatsache dass das gesamte Spiel von den Texten lebt - nicht von der grafikpracht oder dem erkundungsgeist des spielers.
Story/ Szenario
DAS ist die große Stärke von "Neptunia". Ohne zu viel verraten zu wollen kann ich folgendes anreißen: Man Spielt mit Neptune eine "göttin" deren namen sich an eine niemals veröffentlichte SEGA-Konsole anlehnt. Ihre Gegnerinnen drei weitere Gottheiten, jede steht für eine weitere Videospielkonsole (Greenhart für die XBox, WhiteHeart für die Wii, BlackHeart für die PS3). Das ganze spielt passenderweise in der Welt "Gameindustri".
Neptune landet nach einer Niederlage gegen die Gottheiten in der welt der Menschen (normalerweise residieren die göttinnen in "celestia"). Von Amnesie geplagt kann sich Neptune nicht an ihr göttinnen-dasein erinnern und findet neue freunde, deren namen lehnen sich im übrigen an die am spiel beteiligten Firmen an (Compa für CompileHearts, IF für IdeaFactory usw.)
Von hieran beginnt ein klischeehafter plott der aber bewusst mit den klischees der rollenspielwelt spielt und so ziemlich alles durch den kakao zieht was die letzten 25 jahre in der Videospielewelt so vor sich ging. Von SuperMario über Sonic bishin zum Masterchief muss jeder bekannte Videospielcharakter mal für einen lacher herhalten. Alle Namen sind natürlich aus lizenztechnischen gründen etwas entstellt oder nur angedeutet, aber jeder weiß sofort was gemeint ist und lacht tränen. Der Humor wird hier ganz groß geschrieben.
Aber auch ohne extreme kenntnise in der Videospielszene kann man mit dem Humor seinen spaß haben. Die Charaktere sind einfach zum lieb haben und herzlich synchronisiert.
Das Problem ist hierbei natürlich das ein spiel, das sehr von seinem humor lebt, dann versagt wenn einem diese art von humor nicht gefällt.
Dies dürfte die international doch eher dürftigen Wertungen erklären. Aber "Neptunia" ist deutlich besser als sein Wertungsschnitt.
Grafik
Hier stellt der Kenner sofort eine frappierende ähnlichkeit mit "Trinity Universe" fest. Die Dungeons sind zwar dezent aufgehübscht worden und wirken etwas lebendiger, wären aber so immer noch ohne weiteres auch auf einer PS2 machbar gewesen. Die Monster sind auch zu einem großteil aus "Trinity Universe" recycelt, was aber nicht weiter stört, da sie auch problemlos in das "Neptunia"-Szenario passen.
Das Highlight sind die wunderschönen Charakterportraits. Diese retten den optischen Eindruck des Spiels. Zum einen ist das Design der Figuren einfach nur superb, zum anderen sind sie so wunderschön animiert und umgesetzt das man manchmal einfach den Bildschirm umarmen möchte. Hier und da gibts es auch noch schöne Bilder zu bestimmten Situationen.
Jeder muss sich natürlich selber Fragen ob es ihm reicht schöne Charakterportraits zu betrachten, während die Dungeons einfach nur langweilig daherkommen. Für mich persönlich überwiegt ganz klar das Chara-Design.
Änderungen an der Ausrüstung und Kleidung der Spielfiguren sind übrigens auch im kampf sichtbar, an liebe zum detail hat es hier also nicht gemangelt.
Ablauf
Wie schon erwähnt spielt sich eigentlich alles in Textform ab, man hat nichts zu erkunden oder dergleichen. Folglich ist es so gut wie unmöglich im spiel stecken zu bleiben. Dies kann man natürlich auch als Vorteil sehen. Man hangelt sich von einem "event" zum nächsten. Ein "event" ist im endeffekt eine bestimmte Textpassage die darin mündet das man danach einen auftrag in einem der etwas drögen Dungeons erledigen muss. Die Aufträge reichen von simplen "erreiche den ausgang" über "töte den boss" bishin zu "finde 3x teil XY". Sonderlich spannend ist das natürlich nicht weiter - aber davon lebt das Spiel ja auch nicht.
Sound
Die Musik zu beurteilen ist recht schwierig. Sie ist in manchen situationen recht gut, manchmal einfach nur unscheinbare fahrstuhlmusik und manchmal einfach nur grausam. Insofern muss man sagen dass der Soundtrack an sich durchwachsen ist. Es gibt kein Stück das einem wirklich im gedächtnis bleibt - ganz im gegensatz zu einem "Final Fantasy" z.b.
Zum Sound gehört aber auch die Synchro. Und die Synchro ist einfach nur perfekt. Zum einen hat der Spieler die wahl ob er die englische oder die japanische Synchro hören möchte, zum anderen sind die Englischen Sprecher derart gut das man aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus kommt. Ich kann mich nur an ganz wenige Spiele erinnern die im englischen ähnlich gut Synchronisiert waren wie "Neptunia" - das ist ein ganz dickes plus mit Extrasternchen.
Das Kampfsystem
Dieses ist äußerst gelungen und eine weitere Stärke von "Neptunia". Man hat eine bestimmte anzahl von ActionPoints die sich mit steigendem Level aufbauen, diese können dann für diverse aktionen oder combos genutzt werden.
Combos und Aktionen erlernt man im Verlauf des Spiels etliche - was gefällt ist die Tatsache das man sich komplett eigene Komboabfolgen zusammenbasteln darf.
Das Kampfsystem ist rundenbasiert, man hat also alle zeit der welt sich für eine bestimmte aktion zu entscheiden. Hektik kommt so keine auf.
Ungewöhnlicherweise kann man aus verschiedenen schwierigkeitsgraden auswählen, was den frustfaktor deutlich schmälert. Je leichter der schwierigkeitsgrad ist, desto länger dauern die kämpfe jedoch auch. Und diese können sich ziehen, manche Gegner scheinen einfach unendlich viele HPs zu haben. Und dennoch, das Kampfsystem ist eine der stärken des Spiels.
Das Leveln im Spiel kann teils abartig lange dauern - hier muss man sich einfach clever verhalten und wirklich nur mit den monstern kämpfen die viele EXP hinterlassen. Welche das sind, lernt man recht schnell im Spiel. Wenn man den bogen raus hat, kann man aber auch mit dieser schwäche im spieldesign leben.
Streitpunkt: Heilung
Das Heilsystem des Spiels ist umstritten - und das zurecht, Ich finde es einfach nur schlecht. Man kann weder außerhalb des Kampfes heilen, noch selber bestimmen wann im Kampf geheilt wird. Man hat nie das gefühl zu wissen wann sich die charaktäre heilen und somit immer ein leicht mulmiges Gefühl.
Generell ist es so das man im menu festlegt wann welcher charakter welchen Skill (z.b. Heilung) verwendet. Als Parameter gibt es z.b. die Einstellung "heilen um 50% wenn HP unter 30% fallen" - aber selbst wenn diese parameter erfüllt sind, kann es passieren das sich der charakter nicht heilt weil es noch weitere stellschrauben zu beachten gibt: so muss eine bestimmte handlung ausgeführt werden um die aktion auszulösen (z.b. verteidigen, angreifen, schaden nehmen etc.)
Das klingt zwar nach einer rein taktischen frage, entpuppt sich in der praxis aber einfach nur als nervig und unnötig.
Hier hätte man ruhig von anderen RPGs abkupfern können und das klassische item-heilsystem übernehmen müssen.
Umfang
Nach ca 35std.und Lv50 hatte ich mein Hauptszenario durch. Allerdings bleibt auch nach dem hauptspiel immer noch einiges zu tun. Es gibt eine menge zusatzszenarien für die teilweise Lv90 von nöten ist um in den dungeons zu überleben.Wer will kann sich also noch etliche stunden mit dem postgaming beschäftigen. An Umfang mangelt es also wahrlich nicht - zumal im Spiel auch keine längen Vorkommen. Die Story ist von Anfang bis zum Ende spannend und unterhaltsam.
Sonderfall US-Version:
Ich habe mir die US-Version des Spiels gegönnt, die ich jedem Sammler nur empfehlen kann. Diese kommte in einer richtig schönen big-box daher in der sich natürlich das eigentlich Spiel befindet. Dazu gesellt sich ein ordentliches Artbook mit sehr schönen motiven. Das Artbook ist natürlich nicht sonderlich umfangreich aber auf jeden fall mehrere blicke wert. Die Bigbox macht sich in jedem sammlerregal richtig gut, und hat natürlich noch einen großen vorteil: sie wird von keinem USK-Logo verschandelt.
Fazit:
Neptunia ist ein Spiel das sich von anfang bis zum ende nicht ernst nimmt.
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