Selten hat mich ein Buch so berührt wie Nicht schuldig". Das Buch schildert die Lebensgeschichte von Jens Söring, einem Deutschen der seit über 25 Jahren unschuldig im Gefängnis in Virginia inhaftiert ist. Es beschreibt seinen verzweifelten und unermüdlichen Kampf um Freiheit und um die Möglichkeit noch einmal ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wer dieses Buch einmal in die Hand genommen hat, legt es nicht eher weg, bevor er nicht die ganze Geschichte von Jens erfahren hat.
Aus Liebe zu einer Frau nahm er die Schuld an einem fürchterlichen Verbrechen auf sich, weil er sie vor der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl retten wollte. Er dachte in seiner Naivität, sein Status als Diplomatensohn würde ihn vor Strafverfolgung retten. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 1990 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur die Intervention des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bewahrte ihn vor der Todesstrafe. Hauptindiz gegen ihn war ein blutiger und verwischter Sockenabdruck vom Tatort, der ihn verurteilende Richter war ein Freund der Opfer und sein Verteidiger litt an psychischen Störungen, weshalb ihm später die Lizenz entzogen wurde.
Sein letzter Satz nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal war "I am innocent". Seit dieser Zeit hat Jens nicht aufgehört seine Unschuld zu beteuern, seit dieser Zeit kämpft er um sein Leben, um seine Freiheit, um seine Rehabilitation. 2009 wurden sämtliche, damals am Tatort gefundenen Beweisstücke auf DNA Spuren untersucht .In 42 untersuchten Proben gab es KEINEN Hinweis auf die Anwesenheit von Jens am Tatort. Es gab einen neuen Zeugen, dem seine damalige Freundin in Begleitung eines anderen Mannes unmittelbar nach der Tat ein Fahrzeug zur Reparatur brachte, in dem ein blutverschmiertes Messer lag.
Jens hätte die Wiederaufnahme seines Falles beantragen können. Er verzichtete darauf, weil ihm der damalige, demokratische Gouverneur am Ende seiner Amtszeit die Haftüberstellung nach Deutschland zusicherte. Nach 2 Jahren in einem deutschen Gefängnis wäre er dann begnadigt worden. Genau das wurde ihm zum Verhängnis, die Einspruchsfrist lief ab und die erste Amtshandlung des republikanischen Nachfolgers war der Widerruf seiner geplanten Haftüberstellung. Seitdem wird Jens im US-Senatswahlkampf als Spielball zwischen Demokraten und Republikanern benutzt und rücksichtslos politisch instrumentalisiert. Jeder gestellt Antrag auf Begnadigung wird abgewiesen, denn Gnade ist im amerikanischen Strafvollzug nicht vorgesehen, das Wort ist dort gänzlich unbekannt.
Das Buch ist unglaublich spannend zu lesen, in jedem einzelnen Wort steckt die Verzweiflung, mit der Jens seinen Kampf führt. Man muss sich immer vor Augen halten, dies ist KEINE fiktive Geschichte. Es ist die Lebensbeichte eines Mannes, der in seiner Jugend einen großen Fehler begangen hat als er aus Liebe zu einer Frau ein falsches Schuldgeständnis abgab. Sein Fall geht im Moment durch alle Medien, er braucht Öffentlichkeit für seinen Kampf. Es gibt hier keine rechtlichen Möglichkeiten auf Berufung mehr, ihm kann nur noch auf politscher Ebene durch die Bundesregierung geholfen werden.
Seit ich das Buch gelesen habe, bin ich fest entschlossen, Jens in seinem Kampf zu unterstützen. Er braucht unser aller Hilfe. Aus eigener Kraft schafft er es nicht. Wie man ihm helfen kann steht auf seiner Homepage, wie ich herausgefunden habe.