Ich habe das Navigon 2310 jetzt knapp 14 Tage und 1200km in Betrieb, sodass ich glaube, dass Verhalten meines Navi gut wiedergeben zu können.
Als erstes Kurzfazit kann ich schon mal sagen, dass ich mit meinem Gerät sehr zufrieden bin und die langen Satelliten-Suchzeiten bei meinem Gerät nicht nachvollziehen kann.
Aber jetzt mal der Reihe nach. Vorher hatte ich für gut 21 Monate ein TomTom One XL ohne TMC in Betrieb, mit dem ich das Navigon 2310 im Verlauf des Berichts etwas vergleichen werde.
Suchen und Finden der Satelliten:
Der erste Suchvorgang (direkt aus der Verpackung an die Windschutzscheibe) hat mit meinem Navigon 2310 5 bis 7 Minuten gedauert. Akzeptabel wie ich finde. Mein altes TomTom One XL brauchte ähnlich lange, wenn es länger mal außer Betrieb war. Nach einem Reset des Gerätes (Batterien allerdings noch voll) sucht es zwischen 2 und 3 Minuten. Hier ist das TomTom in der Tat etwas schneller, besonders mit aktuellen GPS-Fix-Daten.
Wenn das Gerät im Standby war (auch wenn bis zu 12 Stunden dazwischen liegen) findet mein 2310 innerhalb von 5 Sekunden bis unter 60 Sekunden genug Satelliten zum navigieren. Hier konnte ich keinen signifikanten Unterschied zum TomTom feststellen.
Ausfälle auf freier Strecke (wie von anderen Rezensenten beschrieben) konnte ich nicht feststellen.
Persönlich gehe ich mittlerweile von einer hohen Serienstreuung entweder beim Empfänger oder beim Gerät direkt aus, wenn andere Kunden hier etwas von 10 bis 30 Minuten Suche sagen.
Im Stadtbetrieb, gerade wenn man aus einer Tiefgarage rausfährt, sollte man allerdings keine Wunder erwarten, weder von Navigon noch von anderen Herstellern: Mein TomTom hat mich auch schon mal 5 Minuten (mit vielen Ampelstandzeiten) durch Köln und München fahren lassen ohne einen Satelliten zu finden, nachdem ich aus einer Tiefgarage kam.
Zu bemängeln hätte ich, dass das 2310 immer erst nach 5 Satelliten sucht, bevor es überhaupt zur Routenberechnung übergeht. Mein TomTom hat teilweise schon ohne Satelliten gerechnet, wenn es sich über den Start-Ort recht sicher war (da der Start-Ort meist der vorherige Ziel-Ort ist). Mit nur 2 oder 3 Satelliten waren die Berechnungen des TomTom schon gut, dass ich zumindest ohne Probleme losfahren konnte und die grobe Richtung kannte. Weitere Satelliten erst später hinzu kamen. Hier würde ich mir eindeutig von Navigon eine Nachbesserung bei der Suche nach Satelliten wünschen.
Routenberechnung und -wahl und Verhalten während der Fahrt:
Dieser Punkt ist eindeutig die starke Seite des Navigon 2310. Routenberechnungen sind blitzschnell (hier wird mein altes TomTom meist an die Wand gespielt) und vor allem sind sie brauchbar. Während das TomTom schon gerne mal durch eine reine Anliegerstraße oder durch Feldwege(!) navigierte, oder ansich verbundene Straßen nicht erkannte (und deswegen 10km Umweg vorschlug) sind die Routen des Navigon astrein und alltagstauglich.
Das "MyRoutes"-Feature ist gerade bei längeren Strecken (> 100km) recht interessant, während es im Kurzstreckenbereich (<10km) eher Spielerei ist.
Ansagen kommen rechtzeitig (routen- und geschwindigkeitsabhängig). Ich persönlich finde es klasse, dass das Navigon im schon 20 oder 30 Meter vor der eigentlichen Abbiegung zum Abbiegen auffordert, so hat man noch genügend Zeit zum reagieren. Ist aber wohl Geschmackssache und wurde auch schon in einer Rezension als negativ angekreidet.
Absoluter Pluspunkt: Das 2310 sagt immer die Entfernung zur zu benutzenden Ausfahrt an. Das TomTom sagt gerne mal: "Bitte nehmen sie die nächste Ausfahrt!", meint aber die in 2km und ignoriert vollkommen, dass davor noch weitere Ausfahrten sind. Das kann mit dem Navigon 2310 eigentlich nicht passieren. Zusammen mit RealityViewPro mit Real-Namen der Beschilderung und Fahrspur-Assistent (ich konnte übrigens keine größeren Fehler feststellen) ist es fast unmöglich falsch abzufahren.
Die Anzeige der Höchstgeschwindigkeit hat größere Lücken und stimmt teilweise nicht (wurde hier bei Rezensionen auch schon moniert). Wer das gleiche Feature von TomTom kennt, weiß aber, dass es noch schlechter umgesetzt werden kann: Der Geschwindigkeitswarner vom TomTom war praktisch unbrauchbar.
TMC: Ein Hauptargument für den Kauf des Navigon war, dass die TMC-Antenne im Ladekabel integriert ist. Eine TMC-Station wird im Freien meist unter einer Minute bzw. in maximal 3 Minuten gefunden. Die meisten Autobahnen dürften weiter entfernt sein. Auch wenn hier von einigen Rezensenten moniert wurde, trotz TMC im Stau zu stehen, so liegt dies meist nicht an Navi sondern an der verspäteten Übermittlung an das TMC. Trotz dieser kleineren Mängel des TMC möchte ich nicht drauf verzichten. Ob es was bringt TMC Pro nachzurüsten, weiß ich nicht.
Ergonomie:
Hier unterscheiden sich das Navigon 2310 und mein TomTom bzw. die Philosophien der Firmen Navigon und TomTom doch am signifikantesten: Vom Design her ist das Navigon 2310 jedem TomTom haushoch überlegen. Das TomTom sieht einfach nur altbacken aus. Aber: Gerade was die Lesbarkeit der wichtigen Daten angeht, hat das Navigon absoluten Nachholbedarf. Die Angaben zu Geschwindigkeit, Entfernung und Ankunftszeit sind mir persönlich deutlich zu klein. Das Ablesen dieser Daten lenkt massiv vom Straßenverkehr ab. Während das Ablesen bei TomTom quasi aus dem Augenwinkel geschehen kann, muss man beim Navigon schon zwei oder drei Sekunden die Augen mehr oder minder auf das Navi lenken.
Die Stimme des Navigon finde ich deutlich leiser und qualitativ nicht so hochwertig wie bei meinem TomTom One XL. Gleichwohl hier das Navigon deutlich schlechter abschneidet, sind Lautstärke und Qualität vollkommen ausreichend um sicher navigiert zu werden. Es besteht aber noch deutlich Luft nach oben für Navigon.
Zusätzlich zur Standardstimme mit Standardansagen (nur Bundesstraßen und Autobahnen werden mit Nummer angesagt, nicht aber die Namen von 08/15-Straßen), habe ich für 20 Euro zusätzlich Text-to-Speech (TTS) nachgerüstet. Hier werden von einer computergenerierten Stimme, alle Straßennahmen angesagt ("Bitte biegen Sie jetzt links ab in die Richard-Wagner-Straße!"). Dies erleichtert die Navigation nochmals. Der computergenerieten Stimme ist aber eine nochmalige leichte Abnahme der Sprachqualität geschuldet (diese kommt mir oft wie die eines Telefongesprächs vor).
Das Gerät am PC:
Hin und wieder muss das Navi mal an den PC um aktualisiert zu werden (Z.B. um die Garantie der neusten Karte innerhalb der ersten 30 Tage ab Kauf einzulösen). Das Verhalten, dass das Navigon 2310 hier an den Tag legt ist einfach nur peinlich: Als erstes möchte Vista das Gerät bzw. die Software überprüfen, weil sie angeblich fehlerhaft ist. Der gute Rat aus dem Internet: Nicht überprüfen, weil es angeblich die Software killt (habe ich ehrlich gesagt nicht überprüft). Es geht auch ohne Überprüfung, soviel sei gesagt.
Mit der nicht beigelegten (selber runterladen ist angesagt!) Software "Navigon Fresh" können dann neue kostenlose und kostenpflichte Inhalte aufgespielt aber auch Daten vom Navi auf den PC gesichert werden. Theoretisch. Während das Laden und Installieren bis jetzt problemlos ging (neue Karten, TTS und einiger kostenloser Content), brach der Sicherungsversuch in 9 von 10 Fällen immer mit der Fehlermeldung "1064" ab. Zur Not kann man Gerät und SD-Karte aber immer noch mittels Copy&Paste manuell sichern, da es sich um ein Windows-Mobile-Gerät handelt.
Peinlich: Gerät und beigelegte Micro-SD-Karte haben zusammen nur 2GB Speicher: Nachdem das Kartenmaterial vom 2. Quartal 09 installiert ist, sind gerade noch um 20MB frei. Mit Ach und Krach lässt sich ggf. noch eine TTS-Stimme installieren, aber dann ist Schluss. Ich habe eine 2GB Micro-SD-Karte nachgekauft und habe jetzt wieder bombig Platz. Hier hat Navigon meiner Meinung an der falschen Stelle gespart, zumal ich nicht glaube, dass wirklich jeder Navigon-Nutzer in der Lage ist, den Inhalt der alten Micro-SD-Karte zu sichern, die Karte zu entfernen, die neue zu installieren und den Content wieder aufzuspielen. Ganz miese Leistung von der Firma Navigon., kann ich leider nicht anders sagen.
Gesamtfazit: Ich vergebe 4 von 5 Punkten für die Kombi aus Navigationsgerät und PC-Software. Mit etwas Fleißarbeit (gerade bei der PC-Software) wäre ein (fast) perfektes Gerät herausgekommen, so gibt es einige Schwächen, die zur Abwertung führen.