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Der Nürnberger Lernprozess. Von Kriegsverbrechern und Starreportern: Der Nürnberger Lernprozeß. Von Kriegsverbrechern und Starreportern. Die Andere Bibliothek
 
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Der Nürnberger Lernprozess. Von Kriegsverbrechern und Starreportern: Der Nürnberger Lernprozeß. Von Kriegsverbrechern und Starreportern. Die Andere Bibliothek [Gebundene Ausgabe]

Steffen Radlmaier
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nürnberg, 1. Oktober 1946: Die Urteilsverkündung gegen die wichtigsten Nazi-Täter beendet einen historischen Gerichtsprozess. "Zum ersten Mal", schreibt Steffen Radlmaier in seiner Einleitung, "wurden hier die Geschichte des Dritten Reiches und die Vergehen seiner Kriegstreiber öffentlich aufgerollt". Ein enormes Medieninteresse begleitete das Verfahren, sah die Welt doch überhaupt zum ersten Mal eine internationale Anklage gegen Kriegsverbrecher. Nürnberg bekam Vorbildcharakter für spätere Verfahren dieser Art, nicht zuletzt auch für das aktuelle Tribunal gegen die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien.

Das dürften viele Prozessbeobachter, die 1945/46 dem Ruf nach Nürnberg folgten nur geahnt (oder vielleicht gehofft) haben. Das damalige Aufgebot an Star-Journalisten liest sich wie ein "Who is who?" der damaligen Schreiberzunft: Alfred Döblin, William L. Shirer, Erich Kästner oder John Dos Passos fanden sich in der zerstörten Frankenmetropole ein, um Geschichte zu sehen und davon zu berichten.

Eine Auswahl ihrer Reportagen, Momentaufnahmen, Essays und Erinnerungen fügte Herausgeber Steffen Radlmaier zu einer "Dokumentation journalistischer und literarischer Texte von Augenzeugen" zusammen. Radlmaier will bewusst keine "wissenschaftliche Aufarbeitung oder Wirkungsanalyse der Presseberichte", er setzt gänzlich auf die unkommentierte Wirkung der zeitgenössischen Texte. Und das funktioniert! Gelingt doch dem Band Der Nürnberger Lernprozess eine bemerkenswerte Darstellung des berühmten Gerichtsverfahrens nur über dessen Medienecho.

Das Buch liefert seinen Lesern historische Tatsachen, lässt aber auch viel Raum für eigene Überlegungen. Die werden durch die Vielzahl der erzählten Geschichten, ihre unterschiedlichen Blickwinkel und die dahinter verborgenen, persönlich wie national geprägten Sichtweisen ausgiebig gefüttert.

So könnte dieser Band -- in dieser limitierten Edition übrigens äußerst schmuck aufgemacht -- bei seinen Lesern zu jenem "Lernprozess" führen, den dieser Gerichtsprozess damals schon bei vielen Deutschen und Alliierten auslöste. --Joachim Hohwieler

Neue Zürcher Zeitung

Der Fall, der keiner war

Ota Filip fordert Gerechtigkeit – und verdient sie auch

Der in Bayern wohnhafte Tscheche Ota Filip war ein weitum geschätzter (Exil-)Schrift steller und Publizist, als ihn 1998 eine Enthüllungsgeschichte über eine angebliche Spitzeltätigkeit für den Geheimdienst der CSSR hart traf. Nach einer längeren Zeit des Schweigens legt Filip nun eine Selbstverteidigung in Form eines Romans vor.

Wo die Tyrannei herrscht, dort ist

jedermann ein Glied in der Kette.

Gyula Illyés

Das Gedicht, aus dem das vorangestellte Zitat stammt, heisst «Ein Satz über die Tyrannei». Es entstand 1950 in Budapest und lag dann sechs Jahre lang in der Schublade; in Druck erschien es erst in den Tagen des ungarischen Volksaufstands. Hernach dauerte es wieder dreissig Jahre, bis es in einem Gedichtband des zuvor schon verstorbenen Verfassers, Gyula Illyés, Aufnahme finden durfte. Dass Illyés als der grosse alte Mann der Literatur seiner Heimat galt, half nichts. Sein lyrischer Aufschrei wider die totalitäre Macht, zugleich ein fürchterlich genauer Befund der menschlichen Existenz unter der Diktatur, blieb dem Regime unerträglich. «Jedermann ein Glied in der Kette» – Illyés schilderte hart, doch resigniert, wie die Tyrannei selbst in die Ritzen des Alltags eindringt, wie durch Druck und Angst alle zu schuldigen Komplizen werden.

Der autobiographische Roman des in Bayern lebenden Schriftstellers Ota Filip führt in die von Illyés beschriebenen frühen fünfziger Jahre zurück, in die Tschechoslowakei, deren kommunistische Behörden Filip 1974 ausgebürgert haben. «Der siebente Lebenslauf» , so der Titel, enthält ein Bekenntnis und einen Bericht über die Jahre der deutschen Besetzung sowie die schlimmsten, stalinistischen Anfänge des 1948 gewaltsam geschaffenen Einparteistaates. Das Bekenntnis ist persönlichster Art, der Blickwinkel der des Kindes und des Jugendlichen; Filip war 1930 geboren. Das Alter schützte ihn nicht, es schützte niemanden davor, unter die Räder zu kommen.

Politisch unbequem

Gewidmet ist das Buch Pavel, Filips Sohn. Damit sind wir bei einer tragischen und hässlichen Vorgeschichte. Ota Filip war, als er 1974 die Tschechoslowakei verlassen musste, im deutschen Sprachgebiet bereits mehrfach bekannt: durch seinen 1968 erschienenen Roman «Das Café an der Strasse zum Friedhof», eine wehmütige Stadtchronik der Kriegsjahre, die zu einem bedeutenden Erfolg wurde, aber auch durch seine politische Renitenz, die ihm in seiner Heimat nach der Erdrosselung des Prager Frühlings eine Gefängnisstrafe von achtzehn Monaten eintrug.

In Deutschland blieb Ota Filip dem Handwerk des Schriftstellers treu, schrieb seine Manuskripte allmählich abwechselnd auf Deutsch und auf Tschechisch und meldete sich auch als Publizist zu Wort. Seine zumeist in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» abgedruckten Beiträge, in denen er mit der kommunistischen Macht jenseits und den modischen Mitläufern diesseits des Eisernen Vorhangs stets hart ins Gericht ging, schufen ihm, so ist zu vermuten, in der neuen wie der alten Heimat nicht wenige Feinde. Daran änderte wohl auch die Tatsache nichts, dass Filip sich mit Büchern und zahlreichen Artikeln engagiert darum bemühte, die Wunden zu heilen, die das 20. Jahrhundert am deutsch-tschechischen Verhältnis geschlagen hatte.

Dann kam das Jahr 1989, und die Pandorabüchse der früheren kommunistischen Geheimdienste ging auf – oder Wege und Mittel fanden sich, in ihrem Inhalt herumzuwühlen. Und so überrascht es nicht, dass ein Mitarbeiter des Bayrischen Fernsehens, der – aus welchen Gründen immer – die feierliche Hinrichtung des Ota Filip beschlossen hatte, fündig wurde. Wen gibt's, wen gab es schon, zumal wenn er je öffentlich aufgetreten war, über den die Akten nicht etwas bewahrten? Die Fernsehanstalt zeigte Anfang 1998 eine längere Reportage: die grosse Enthüllung. Mit Propagandamethoden schlechtesten Angedenkens wurde da die These in die Welt gesetzt, Filip, der streitbare Antikommunist und literarische Sachwalter der kleinen, unterdrückten Leute, habe in Tat und Wahrheit als Spitzel des tschechoslowakischen Geheimdienstes gewirkt. Ausgegraben hatten die Autoren die 45 Jahre zurückliegende Geschichte eines Fluchtversuchs, den einst eine Gruppe tschechoslowakischer Soldaten plante und den – mit schweren Folgen für die Beteiligten – Filip verraten haben soll. Der Sohn des Schriftstellers, Pavel, nahm sich nach dieser Denunziation das Leben.

Ota Filip hatte bei dem Film, der über ihn entstand, die Mitarbeit verweigert; er lehnte es ab, als vorverurteilter Angeklagter einem selbsternannten Richter Red und Antwort zu stehen. Vielleicht beging er damit einen Fehler. Doch gab es wohl einen anderen, gewichtigeren Grund, der ihn davor zurückhielt, sich vor der Kamera zu verteidigen: Dass das, was damals, im Sommer 1952, in einer elenden tschechischen Militärgarnison geschehen war, sich mit drei Sätzen nicht erklären liess; dass zu dessen Verständnis die Kenntnis der verwobenen totalitären Wirklichkeit notwendig wäre; und dass der glückliche Zeitgenosse, dem die Daseinserfahrung im Unrechtsstaat fehlt, die Phantasie kaum aufzubringen vermag für eine Welt, in der «jedermann ein Glied ist in der Kette» und wo jeder, nicht nur der Täter, auch das Opfer, jederzeit schuldig werden konnte. Diese andere, simple und doch so abgründige Geschichte eines Lebensabschnitts erzählt Filip jetzt; sie füllt ein ganzes Buch.

Es ist die Geschichte eines in Mährisch Ostrau geborenen kleinen Jungen, den ein opportunistisch-selbstsüchtiger Vater 1939 gleich nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die deutsche Schule schickt und dem in der Nachkriegszeit deshalb der Makel anhaftet, das Kind einer Kollaborateurfamilie zu sein. Die Geschichte eines Jugendlichen, der sich allein durchschlägt und der, da er als unzuverlässiges Element gilt, seinen Militärdienst in einer waffenlosen, zu schweren Arbeitseinsätzen abkommandierten Hilfstruppe leisten muss. Beim spärlichen Ausgang und bei einem Bier nimmt man dort das Maul voll und phantasiert über eine Flucht in den Westen und das herrliche Leben, das danach folgen werde. Bis aus dem Spiel unversehens Ernst wird, da einige tollkühne Kameraden den Absprung und die Art, wie sie sich den Weg zur Grenze freischiessen wollen, tatsächlich zu planen beginnen.

Eigenes Versagen

Der Tag der Flucht, die tödlich zu enden droht, wird festgelegt, und da bricht der 22-jährige Ota Filip zusammen: Auf Urlaub in Prag vertraut er sich einem Onkel an, dem einzigen ihm nahestehenden Verwandten, der aber zum Unglück ein kommunistischer Funktionär ist. Dazu noch einer, der zu dieser Zeit schon selber in ständiger Furcht lebt und das Vernommene zur eigenen Entlastung höheren Orts gleich meldet. Schergen prügeln aus Filip nun das Geständnis einer verzweigten Verschwörung heraus, ein (von ihm nicht unterzeichnetes) Protokoll des Sicherheitsdienstes entsteht – 45 Jahre später die Pièce de Résistance des gegen ihn gerichteten Fernsehfilms. Was aber auch Filip selbst aus Dokumenten im Prager Innenministerium erst Ende der neunziger Jahre erfahren sollte, ist dies: Die Gruppe fluchtwilliger Soldaten war vom Geheimdienst schon längst unterwandert, und die hohe Aufmerksamkeit hatte ursprünglich ihm, Filip, gegolten. Denn ein Offizier der Abwehr, ein gewisser Oberst Fic, hatte aus ihm in den Akten bereits ein Jahr zuvor einen englischen Agenten gemacht und für ihn einen dazu passenden Lebenslauf gezimmert, den siebten, den der Schriftsteller nach amtlichen und literarisch abgewandelten nun angeekelt sein eigen nennt.

Filip beschreibt die ineinander überfliessenden Schrecken und Absurditäten seiner Jugendzeit aus ironischer, auch selbstironischer Distanz und mit dem ihm eigenen deftigen Humor, in den sich freilich bittere Tropfen mischen. Auf eine Polemik mit den ihm übel gesinnten Filmemachern verzichtet er; sie bleiben unerwähnt. Sich selber erteilt Filip keine Absolution, sondern spricht von Versagen. Das Urteil indessen bleibt dem Leser überantwortet. Möge dieser sich erforschen und sagen, wie er in ähnlicher Lage gehandelt hätte; möge er richten, wenn ihm nach der letzten Seite noch danach zumute ist.

Andreas Oplatka -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb das Nürnberger Tribunal ein neues Kapitel in der Geschichte des Völkerrechts. Wenige erinnern sich heute noch daran, wie es dabei zuging. Der Prozeß gegen die Nazi-Größen war ein Medienereignis erster Ordnung. Scharen von Reportern brachen 1945/46 in die zertrümmerte Stadt ein, unter ihnen Willy Brandt, der für die skandinavische Presse schrieb, und der Amerikaner William Shirer. Selbst China hatte einen Berichterstatter entsandt. Aber vor allem waren Schriftsteller aus der ganzen Welt angereist: Ernest Hemingway und Erika Mann, Ilja Ehrenburg und Louis Aragon, John Steinbeck, Erich Kästner, Konstantin Fedin, Robert Jungk, Martha Gellhorn, Victoria Ocampo, Peter de Mendelssohn, Rebecca West, John dos Passos... Eine glänzende Liste, die sich fortsetzen ließe. Die Berichte dieser Autoren sind seither in Vergessenheit geraten. Steffen Radlmaiers Recherche zeigt, daß sie mehr als alle Prozeßakten über die Atmosphäre und die Wechselfälle des Prozesses sagen. Es sind Impressionen aus erster Hand. Das Weltgericht tagte nicht nur im Schwurgerichtssaal 600, sondern auch, bei Whisky und Wodka, im Bleistiftschloß der Faber-Castell, das als internationales Presse-Camp diente. Die Unmittelbarkeit dieser Zeugnisse versetzt den Leser in eine Zeit, von der sich die Nachgeborenen kaum eine Vorstellung machen können. Für die Chronologie der Ereignisse sorgen Meldungen aus der Tagespresse. Auf diese Weise vergegenwärtigt das Buch auch den Verlauf des Prozesses und das Ende der Angeklagten.

Auszug aus Der Nürnberger Lernprozeß. Von Kriegsverbrechern und Starreportern. Die Andere Bibliothek von Steffen Radlmaier. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Man kann sich fragen, ob es sich lohnt, einige
Monate lang für eine Million Dollar pro Woche 3000 Leute zu beschäftigen,
darunter die klügsten Köpfe der Welt, nur um sich die Verteidigungsreden von ein
paar Männern anzuhören, die die Welt längst schuldig gesprochen hat.
Als ich in den Ruinen von Nürnberg spazierenging und hier und da mit Deutschen
und alliierten Soldaten sprach, fühlte ich, wie sich auch der letzte Zweifel, ob
der Prozeß wirklich notwendig sei, zerstreute.
Die deutsche Haltung des Mannes von der Straße drückt Johannes Zwilling, 33,
ehemaliger Soldat und Schlosser aus: "Geschieht ihnen recht, ihretwegen habe ich
beide Beine verloren." Er knirscht mit den Zähnen und stößt Verwünschungen gegen
die Nazi-Führer aus. Seine Beine sind ihm 1942 in Rußland abgefroren, und jetzt
ist er ein mittelloser Krüppel. Natürlich haßt er die Nazis, weil sie den Krieg
verloren, nicht, weil sie ihn begonnen haben.
Carl Weinstock, 56, ein kürzlich aus dem Konzentrationslager befreiter Jude:
"Warum erschießen sie die nicht einfach und lassen's damit gut sein ?" Er
erinnert daran, daß er selbst ja auch ohne Verfahren eingesperrt wurde.
Elsa Krohne, 48, eine grobgebaute, typische deutsche Hausfrau: "Was soll das
ganze Getue? Prozeß, welcher Prozeß? Oh, diese Nazis! Natürlich sind sie
schuldig. Schauen Sie sich nur den Schlamassel an, den sie uns beschert haben.
Sie haben uns den Himmel auf Erden versprochen und brachten uns statt dessen die
Hölle. Aber warum stellen sie die Generäle vor Gericht ? Das sind gute Männer,
feine Offiziere, sie taten ihr Bestes und führten nur Befehle aus. Meinen Sie
nicht auch?"
"Haste 'nen Kaugummi, Kamerad?" fragen ein paar Bengel, die wie alle Kinder
glücklicherweise nur den Kampf um Süßigkeiten und Kippen im Kopf hatten.
Ein gutgekleideter, intelligent aussehender 39jähriger Mann, ein Lehrer, der vor
kurzem aus einem Kriegsgefangenenlager entlassen worden ist: "Natürlich müssen
sie bestraft werden. Das Gerichtsprotokoll muß veröffentlicht werden. Ich bin
gespannt, ihre Aussagen zu hören. Am Ende werden wir wissen, wieviel Schuld die
Nazis an den Kriegsverbrechen tragen und wieviel diejenigen, die sie
finanzierten. Wenn all das geklärt ist, dann werdet ihr Alliierten, da bin ich
mir sicher, dem deutschen Volk helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Ich
hoffe, es ist bald vorbei. Wir brauchen nämlich so dringend Essen und Kohle."
Daß sie am Ende immer auf ihre belanglosen persönlichen Bedürfnisse
zurückkommen, ist nur natürlich, denke ich, aber im Hinblick auf die Zukunft
gefährlich. Ich erinnere mich an die Worte von Richter Robert Jackson: "Wir
müssen den Deutschen klarmachen, daß das Vergehen, dessentwegen man ihre
ehemaligen Führer vor Gericht stellt, nicht darin besteht, daß sie den Krieg
verloren haben, sondern darin, daß sie ihn begonnen haben." Es ist äußerst
schwierig, dies dem gewöhnlichen Deutschen, selbst wenn er ein Nazi-Gegner ist,
begreiflich zu machen.
Vielleicht gelingt es ja dem Prozeß. Die Deutschen und vielleicht auch der Rest
der Welt haben vergessen, daß im Kellogg-Pakt aus dem Jahre 1929 der Krieg
zwischen Nationen, nicht nur für verabscheuungswürdig, sondern auch für illegal
erklärt wurde. Deshalb ist dieser Prozeß, der sich auf internationales Recht
gemäß der Charta der Vereinten Nationen und volle Rückendeckung durch die
weltweite Öffentlichkeit berufen kann, das beste Mittel, um die
Hauptverantwortlichen für die aktuelle Misere in der Welt zur! Rechenschaft zu
ziehen.
Ich habe Professor Lauterpacht getroffen, den Berater der britischen Delegation
für internationales Recht und eine der bedeutendsten Autoritäten auf diesem
Gebiet. Er hat den Irrtum korrigiert, daß Individuen, die nur Befehle von
Vorgesetzten ausgeführt haben, nicht wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden
könnten. Diese äußerst wichtige Information werden die Deutschen aber nur dann
wirklich begreifen, wenn sie in einem fairen Prozeß verhandelt wird.
Toronto Star, 19. November 1945
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