Nürnberg - Im Namen der Menschlichkeit
Es gibt Filme, die graben sich derart im Gedächtnis ein, dass man sie ein einziges Mal gesehen, ein Leben lang nicht mehr vergisst. Mir erging es so bei dem in einer kanadisch-amerikanischen Coproduktion entstandenen Zweiteiler "Nürnberg - Im Namen der Menschlichkeit", aus dem Jahr 2000. Der Zweiteiler, der nun endlich, verlegt durch das Label "Capelight", zur Veröffentlichung auf DVD kommt, steht für mich als einer der beeindruckendsten Filme deren Inhalte sich mit der Zeit und dem Thema des Zweiten Weltkriegs beschäftigen. Neben einer hier einfach nur grandios ausgewählten und aufspielenden Crew namhafter und bekannter Darsteller ist es vor allem die schon beklemmend authentische Darstellung der Ereignisse rund um das Tribunal der Nürnberger Prozesstage gegen die Verbrechen der Nazis gegen die Menschlichkeit.
Was für mich diesen Film u.a. zu etwas so besonderen macht ist, dass er trotz der schon geradezu akribisch genauen Aufarbeitung, zum Teil unter Verwendung von originalen Bild- und Tonaufnahmen von 1945/46 aber auch den im Film verwendeten originalen Gesprächsprotokollen, dennoch objektiv bleibt und nicht vorverurteilt oder dem Zuschauer eine vorgefertigte Meinung aufzwingt.
Als ebenso beachtenswert empfinde ich, dass es diese amerikanische Produktion schafft, sich nicht wie oft in anderen Filmen, voller amerikanischen Pathos zu präsentieren.
Der Zweiteiler bleibt dem Gedanken der Nürnberger Prozesse, mit deren Versuch einer fairen und ehrlichen Aufarbeitung und Schuldsuche der Täter und den Ursachen treu. Er vermag es in der gekonnten Inszenierung durch Regisseur Yves Simoneau, hinter die aufgesetzten Maskeraden der angeklagten Nazigrößen zu blicken und sie so vollkommen in all ihrer menschenverachtenden Grausamkeit bloß zu stellen und zu entlarven. Es sind faszinierende und einem die Gänsehaut über den Rücken jagende Schauer, wenn man erlebt mit welcher Akribie es gelingt die Wesenszüge und Charaktere der einzelnen und höchst individuellen Nazigrößen aufzuzeigen. Sei es der vom Judenhass regelrecht zerfressene Julius Streicher (Sam Stone), der als Herausgeber der antisemitischen Wochenzeitung "Der Stürmer" in die Geschichte einging. Oder auch die Darstellung der Figur des Hermann Göring, welcher hier einfach nur grandios durch Brian Cox verkörpert wird. Überhaupt überzeugen hier alle Darsteller, bis hinein in die kleinste Rolle, mit ihrem Spiel.
Unbedingt erwähnenswert natürlich auch Alec Baldwin in der Rolle des Chefanklägers der Alliierten "Robert Jackson" und Christopher Plummer als "Sir David Maxwell-Fyfe". Beachtenswert sind neben vielen anderen auch zb. Christopher Heyerdahl als "Ernst Kaltenbrunner", Herbert Knaup als "Albert Speer", Frank Fontaine in der Rolle des "Generalfeldmarschalls Wilhelm Keitel" oder auch Raymond Cloutier als "Großadmiral Karl Dönitz" und Benoît Girard als Reichsaußenminister "Joachim von Ribbentrop". Dies freilich sind nun wirklich nur einige wenige der allesamt hier so überzeugend aufspielenden Mimen in diesem nach der Romanvorlage von Joseph E. Persico und nach dem Drehbuch von David W. Rintels entstandenen Zweiteiler.
Die beiden DVDs der vorliegenden Box kommen in einem aufklappbaren und in Hochglanzoptik gefertigten Digipack, einzeln gelagert und entnehmbar, zur Veröffentlichung. Zur stilvollen und sicheren Aufbewahrung findet dieser seinen Platz in einem ebenfalls in Hochglanzoptik gefertigten stabilen Pappschuber, mit einem leicht entfernbaren FSK-Aufkleber.
Laut veröffentlichendem Label beträgt die Gesamtlaufzeit der beiden DVDs bei dieser Veröffentlichung in etwa 179 Minuten. Das Bild kommt dabei im Seitenformat von 16:9 (1.85:1) zur Ansicht. Im Gesamteindruck überzeugt das Bild mit kraftvollen Farben und mittig gesetzten Werten und Einstellungen beim Kontrast und in der Schärfe. Hin und wieder fallen leichtere Konturenunschärfen und Doppelzeichnungen auf. Kaum auffällig sind einige leichtere mechanische Beschädigungen und eher selten ein leichtes Bildrauschen zu bemerken. Der als eine TV-Produktion im Jahr 2000 entstandene Zweiteiler kann mit seiner Bildqualität als durchaus gelungen gewertet werden.
Die stimmigen DVD-Menüs sind mit einigen animierten Filmszenen und der im Hintergrund zu hörenden Filmmusik von Richard Grégoire gestaltet. Sie sind dabei übersichtlich und einfach bedienbar. Neben der Möglichkeit des direkten Filmstarts nach einlegen der jeweiligen DVD in den Player, kommt in einem weiteren, sich separat öffnenden Fenster, eine mit animierten Szenen und Text dargestellte Kapitelauswahl zur Ansicht. Über "Einstellungen" gelangt man zu den optionalen Audioeigenschaften sowie den angebotenen Untertiteln. Als Extra finden sich neben dem original englischsprachigen Trailer zum Zweiteiler selbst, noch einige Filmtipps mit auf der ersten DVD bei dieser Veröffentlichung.
Tonbewertung:
Bei der Gestaltung des Menüs für die Audioeinstellungen ist den Machern ein kleiner Fehler unterlaufen. Zwar gibt es sowohl einen deutschen wie auch englischen Dolby Digital Ton, der hier zu Gehör gebracht werden kann, jedoch liegt dieser in beiden Sprachen jeweils nur im Format Dolby Digital 2.0 und nicht wie im Menü dargestellt als 5.1-Ton vor. Der guten Verständlichkeit aller Dialoge in dem Zweiteiler tut dies aber keinen Abbruch. Sowohl vom Klang wie auch Volumen kann der Ton in beiden Sprachvarianten überzeugen. Mir fielen während der Wiedergabe der beiden DVDs keinerlei nennenswerte Auffälligkeiten oder Mängel im zu Gehör kommenden Ton auf. In beiden Sprachfassungen können optional gut lesbare deutsche Untertitel zur Ansicht gebracht werden.
Gesamteindruck:
Mit "Nürnberg-Im Namen der Gerechtigkeit" oder eben auch "Nuremberg", wie dieser 2000 in einer amerikanisch-canadischen Produktion entstandene Zweiteiler im Original heißt, bringt das hier veröffentlichende Label "Capelight" etwas ganz Besonderes zur längst überfälligen Veröffentlichung auf DVD. Sachlich und akribisch dokumentiert dieser Film die Geschehnisse rund um und auf dem Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
Im perfekten Zusammenspiel eines großartigen Drehbuchs, unter Verwendung der Romanvorlage von Joseph E. Persico, gelingt es Regisseur Yves Simoneau mit einer einfach nur grandios aufspielenden Crew namhafter Darsteller ein erschreckend authentisches Bild jener Monate und Tage von 1945 bis 1946 zu zeichnen, die noch heute tief berühren. Dabei gelingt es die im Film zum Teil verwendeten originalen Bild- und Tonaufzeichnungen geschickt mit in die Filmhandlung einzubauen. Die teilweise bis ins Detail gehenden und aufs Wort genau vom damaligen Originalprozessgeschehen übernommenen Reden des Chefanklägers der Alliierten, verleihen der Aussage noch zusätzliche Brisanz und Exklusivität. Nicht ohne Grund wurde dieser Zweiteiler mit 2 Emmys geehrt und für 3 Golden Globes nominiert. Eine ganz klare Topempfehlung für diese Veröffentlichung aus dem Hause "Capelight".