Nô - Das Geheimnis der Stille
Für einen Einsteiger in die Welt des Nô -Theaters gebe ich für diese DVD fünf Sterne.
Es sind wunderbare Szenen aus Nô -Aufführungen, sehr gute Interviews und einige sehr schöne Bilder aus dem kulturellen Japan zu sehen.
Als Kenner des Nô - ich kenne Nô von Aufführungen aus Kyôto, Tôkyo und München - mußte ich allerdings feststellen, daß doch einige sehr wichtige Dinge fehlen und auch vieles absolut überflüssiges auf dieser DVD zu finden ist.
Zuerst vermisse ich irgendein Blatt oder ein Booklet mit einer Einführung in das Nô, oder zumindest eine Aufzählung der Mitwirkenden.
Im Bonus-Material sind leider zwei wichtigen Interviews nicht ins Deutsche übersetzt worden.
Dann vermisse ich auch eine genaue Beschreibung des sehr wichtigen Bühnenkomplexes. Es fehlen genaue Beschreibungen des Spiegelzimmers, des Hebevorhangs sowie des Bühnenstegs. Spezielle Details der Bühne, beginnend mit den drei Kiefern bis zur Hauptbühne werden leider nur so nebenbei oder gar nicht erwähnt.
Es werden die Instrumente kotsuzumi (kleine Sanduhrtrommel) und die Querflöte nô-kan vorgestellt. Die ôtsuzumi (große Sanduhrtrommel) und die taiko (flache Zylindertrommel), werden aber nicht erwähnt.
Die Comics-Einlage über die Geschichte des Nô finde ich, ebenso wie die Jazz-Einlage des Flötisten sehr schwach und damit völlig überflüssig.
Am Anfang spricht ein Historiker über die Geschichte des Nô. Dieser hätte dann sicher etwas ausführliche über die Geschichte des Nô sprechen hätte können und man hätte sich die Comics sparen können.
Die filmischen Spielereien stören auch manchmal sehr. Die gezeigte Hektik in den Städten Japans findet man auch in anderen Ländern der Welt, die kein Nô-Theater haben. Ich denke da an Asien, an New York oder an Moskau. Wenn man dann schon die modernste Technik in Japan zeigen möchte, so wäre der Superzug Shinkansen ein sehr gutes Beispiel für eine für Japan typischen Form des modernen Fortschritts.
Bei einer DVD mit dem Titel Nô - Geheimnis der Stille, hätte ich mir als Zeichen der Stille, statt der meiner Meinung nach überflüssigen Szenen, einige Zen-Gärten in Kyôto oder eine Zen-Meditation, zum Beispiel in Eiheiji gewünscht.
Horst Huber, München