Der Titel des Buches "Näher ran!" ist plausibel, spätestens wenn man das Werk Frank Schneiders etwas näher betrachtet hat. Was der Titel versinnbildlicht, gilt auch für den Inhalt: Einfache Tipps eines Profis der Unterwasserfotografie, die dem Einsteiger ganz besonders, aber auch dem fortgeschrittenen Fotografen dienlich sind. Was bei Schneiders Buch im Vordergrund steht: Es ist absolut verständlich geschrieben. So manche Gegenstücke der UW-Fotoliteratur verlieren sich nur zu gerne in Fachtermini, die zum einen den Lesespaß, vor allem aber das Verständnis rauben.
Der Aufbau des Buches ist sinnfällig, die Reihenfolge innerhalb der einzelnen Kapitel beziehungsweise Themenbereiche nahezu identisch. Dadurch ergibt sich für den Leser eine nachvollziehbare Logik. Egal ob er sich mit der Makro-, der Weitwinkel oder der Modelfotografie beschäftigt, der Beginn nennt sich stets "Grundlagen". Es folgen Bildgestaltung, Erwähnung der Bedeutung von Bildvorder- und -hintergrund, Tipps zum richtigen Belichten und Blitzen. Ein einfach
Was den Leser auf Schritt und Tritt in sinnvoller Weise verfolgt, sind zusammenfassende Infoboxen mit dem Titel "Grundsätzlich gilt:". Hier fasst der Autor kurz, verständlich und einprägsam in vier, fünf gegliederten Sätzen zusammen, was für den jeweils angesprochenen Themenbereich gilt. Beispiel "Der Goldene Schnitt":
Grundsätzlich gilt:
- Der Goldene Schnitt teilt eine Strecke in einen größeren und einen kleineren Teil.
- Der größere beträgt rund 3/5 der gesamten Länge, der kleinere etwa 2/5.
- Das kann die gesamte Bildbreite und -höhe oder Strecken von aus beiden Linien entstandenen Feldern sein.
- Im besten Fall wird das wichtigste Bildelement im Schnittpunkt der Linien platziert.
Und hier ergänzt Frank Schneider seine Erklärungen mit einem prägnanten Bild einer Taucherin vor einer Anemome mit Anemomenfisch, als Musterbeispiel für den Goldenen Schnitt.
Ebenfalls durchgängig sind Schneiders Empfehlungen über den Tellerrand hinaus. Unter "... und noch ein Tipp:" finden sich interessante Randinformationen, die nicht unbedingt im direkten Zusammenhang mit dem umgebenden Text stehen, jedoch von Bedeutung sind und auch mal nebenbei gelesen werden können. Wer sich erst dem Haupttext des Kapitels widmet und sich von Zeit die Tipps zu Gemüte führt, erhöht den Lerneffekt und der Lesefluss mit Blick aufs Wesentliche wird nicht gestört.
Die teils fantastischen Unterwasseraufnahmen sind meist anschauliche Beispiele und stehen in der Regel im Kontext zur Beschreibung. Das i-Tüpfelchen wäre gewesen, wenn hier bei jedem Foto auch textlich konkret auf das Beispiel eingegangen worden wäre: "Jedes Wrack hat Details, die sich hervorragend für Bilder eignen". Zu sehen ist ein Schiffswrack - fast in voller Länge und mit wenig Aufbauten, also vordergründig ohne besagte Details, wie sie die Bildunterschrift suggeriert. Hier böte sich an, die Erläuterung zu geben, was im Bildbeispiel als fotogeeignetes Detail gemeint ist.
Insgesamt betrachtet ist Frank Schneiders Werk ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Mit klarer, verständlicher Sprache werden Grundlagen vermittelt und besonders die Hauptbereiche der Unterwasserfotografie anschaulich dargestellt: Makro- und Weitwinkelfotografie. Ob Modelfotografie etwas für Anfänger oder Fortgeschrittene ist ... darüber lässt sich sicher kontrovers diskutieren. Denn überwiegend wird es an erfahrenen, geeigneten Models scheitern, von Absprache vor dem Tauchgang und Kommunikation während des Unterwasser-Shootings ganz abgesehen. Empfehlungen zur Bildbearbeitung als Teil der digitalen Fotografie und Ausrüstungstipps ergänzen das Werk. Wer sich im Bereich der Unterwasserfotografie mit theoretischem Hintergrund versorgen möchte, sollte "Näher ran!" auf alle Fälle in Erwägung ziehen.