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Nächte im Zirkus
 
 
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Nächte im Zirkus [Taschenbuch]

Angela Carter
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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Dtv
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423110481
  • ISBN-13: 978-3423110488
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 120.529 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
NÄCHTE IM ZIRKUS ist ein Glücksfall für die Literatur. Mit Witz, Einfallsreichtum, überschäumender Phantasie und raschem Tempo beleuchtet Angela Carter die Spielarten des Wunderwerks Mensch und erzählt die unglaublich(e) verführerische Geschichte der halb-realen, halb-fiktiven Vogelfrau Sophia Fevvers. Als Hauptattraktion in Colonel Kearneys Zirkus zieht Fevvers nicht nur die staunenden Zuschauer in ihren Bann, sondern auch den jungen amerikanischen Journalisten Jack Walser, der 1899 nach London kommt, um dieses Phänomen als Fälschung zu enttarnen. Doch der unerfahrene, gutaussehende Jüngling vermag sich die wahre Natur dieser Figur immer weniger zu erklären, wird stattdessen mit jeder Interviewsitzung tiefer in deren Geschichte hineingezogen, verliebt sich und beschließt, als Clown verkleidet der Zirkustournee nach St. Petersburg, weiter durch Sibirien, bis nach Japan anzugehören. Natürlich führt diese Reise nicht zum erklärten Ziel, sondern, im Stil einer typischen Pikareske, ins Chaos, an und in dem die Hauptfiguren sich und einander testen wie auch erkennen können. Als nackter Clown in einer unheimlichen Affentruppe, die ihn in einer inszenierten Schulstunde als anatomisches Studienobjekt untersucht, beginnt Walser die Überlegenheit der 'rationellen' Spezies Mensch zu hinterfragen; als 'menschliches Huhn' im Ensemble des großen Buffo entgeht er nur knapp dessen komisch wirkender, doch unter der Clownsmaske inzwischen todernster Messerattacke. Doch mit diesem 'Wahnsinnserlebnis' nicht genug: nach der Sprengung des Zuges durch entflohene Mörderinnen in der sibirischen Weite wird Walser von der Zirkusgesellschaft getrennt und von einem Schamanen als halluzinierender, "Kikeriki" rufender Lehrling aufgenommen. Während eines tranceartigen Ausritts auf einem Rentier findet Jack die übriggebliebene Zirkustruppe und plappert "Frau, Vogel, Stern." Als die so erblickte Fevvers - ihrer Liebe für Jack durch die Angst vor dem Verlust inzwischen bewußt - ihren Vermißten überraschend wiederentdeckt, breitet sie vor Freude ihre riesigen Flügel aus. Dieses Anschauen sowie ihre liebevolle Pflege lassen Walser seinen Verstand langsam zurückgewinnen. Und so offenbart Fevvers ihrer Ziehmutter Lizzie: "Ich mache ihn zum Neuen Mann, den angemessenen Partner der Neuen Frau, und Hand in Hand gehen wir dem Neuen Jahrhundert entgegen."

Was Angela Carters Roman zu einem reinen Lesevergnügen macht, ist die Fabulierkunst, das weite Spektrum an Themen, Gestalten und literarischen Stilelementen, sowie die keineswegs leichtfertige, aber angenehm unaufdringliche Umsetzung feministischer Theorien. So diktiert beispielsweise die Heldin selber ihrem Biographen die abenteuerliche Geschichte - und in diesem von magisch-realistischen Ereignissen durchwanderten Prozeß verwandeln sich schließlich beide: sie, die von allen Männern immer nur als Objekt der Lust oder des Profits betrachtet wird, lernt, ihren aufrichtigen Zuhörer mit dem anteilnehmenden Blick zu lieben; ebenso lernt er, dem zuvor alles zugeflogen und dadurch nichts durch die Erfahrung des Schmerzes gegangen ist, das liebenswürdige Wesen hinter der möglichen Fassade der Vogelfrau zu sehen. Im Zentrum dieses Kunststücks wird daher das 'Meisterwerk' Mensch unablässig bespiegelt und in Frage gestellt. Vogelfrau Fevvers ist dabei die augenfälligste und fragwürdigste Figur im Mikrokosmos Zirkus; dazu gehören eine Reihe weiterer Freaks - 'anatomische Kuriositäten', wie die bärtige Frau oder die zunächst stumme, bald glasklar Schubert singende Mignon. Wird die Glaubwürdigkeit solcher Figuren auch bis zum Ende des Buches thematisiert und die Wahrheit um Fevvers nie ganz gelüftet, so unterstreichen diese Freaks nichts weiter als die eigentlich undefinierbare Natur des Menschen. Sie dienen folglich als Prüfstein für jedes Individuum, das sich als 'normal' empfindet oder glaubt, bestimmen zu können, was normal zu sein habe. Carter umspielt dieses Thema mit virtuoser Meisterschaft und drängt den erwachsen gewordenen Walser zur pointierten Fragenreihe: "Wie ist Dein Name? Hast Du eine Seele? Kannst Du lieben?" Keineswegs von der Autorin nur für Fevvers gedacht, betreffen diese Fragen vielmehr alle die LeserInnen, die verstehen wollen, daß zumindest ein bißchen von einer Vogelfrau oder einem Affenmann in jedem von uns steckt. Ein Buch, das den Platz in meiner persönlichen Bestenliste für immer sicher hat. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von K. Preuß
Format:Gebundene Ausgabe
NIGHTS AT THE CIRCUS In Carters Romanen sehen sich Charaktere und Leser einer pikaresken Abenteuerwelt gegenüber, die sie in das Reich des Phantastischen und Surrealen führt, die die Gesetze von Zeit und Raum bewußt außer Kraft setzen. Wie zuvor in The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman, 1972 (Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffman), und The Passion of New Eve, 1977 (In der Hitze der Stadt), bzw. später in Wise Children, 1991 (Wie's uns gefällt), dekonstruiert Carter auch in Nights at the Circus essentialistische Konzepte menschlicher Subjektivität, die sich in diesem Roman als ein Neuentwurf freier Weiblichkeit konstituiert, als dessen historische Folie der Archetyp der New Woman im englischen fin de siècle herangezogen wird.
Im London des Jahres 1899 trifft der amerikanische Journalist Jack Walser, der an einem Band über »Große Hochstapler der Welt« arbeitet, in der Garderobe einer Music Hall mit der berühmten okTrapezartistin und Vogelfrau Sophia zusammen, die »Fevvers« (»Feathers«) genannt wird und deren Ruhm auf dem großen Paar Flügel, das sie auf ihrem Rücken trägt, und auf ihrer unbestimmten Herkunft basiert. Sie sei wie Helena, die den Trojanischen Krieg auslöste, aus einem Ei geschlüpft und von ihrer Ziehmutter Lizzie in einem Bordell großgezogen worden. Im Alter von vierzehn Jahren seien ihr Flügel gewachsen, die sie in einer Mittsommernacht zum erstenmal benutzt habe, wobei ihr angesichts dieser Einzigartigkeit schnell klargeworden sei, zum Fliegen und nicht für eine traditionelle Frauenrolle geboren worden zu sein. Walser ist so fasziniert von ihr, daß er beschließt, Fevvers inkognito als Clown auf ihrer Tournee mit dem Zirkus des Amerikaners Colonel Kearney durch Rußland zu folgen. Die Reise geht zunächst nach St. Petersburg und führt dann weiter nach Sibirien, wo Geächtete, die sich von Fevvers' Bekanntheitsgrad ein politisches Druckmittel auf den Zaren versprechen, den Zug in die Luft sprengen und Fevvers gefangennehmen. Fevvers wird durch dieses Ereignis von Walser getrennt, doch nach vielen Abenteuern werden beide in der Hütte eines sibirischen Schamanen vereint.
Die komplexe Struktur des Romans verbindet selbstbewußt Elemente des Märchens, des Schauerromans, des Abenteuerromans, des historischen Romans und - an die Motive der Reise und der Queste gebunden - des Entwicklungs- und Bildungsromans. Sowohl Handlungsverlauf als auch Bildlichkeit und Motivik sind von überwältigendem imaginativen Reichtum, wobei Carter die Ebenen von realistischer Darstellung und grotesker Überzeichnung, von Wahrheit und Illusion fließend ineinander übergehen läßt. Fevvers ist zugleich groß, vulgär, maßlos, geldgierig, warmherzig und sexuell attraktiv, und ihr Wahlspruch lautet: »Ist sie Wahrheit oder ist sie Fiktion?« Der Lust, die Fevvers bei diesem Spiel mit Wahrheit und Illusion empfindet, entspricht die karnevaleske Atmosphäre (M. Bachtin) des Romans, die, von Hyperbolik und Ausschweifung getragen, die Wirklichkeit als ausgelassenes Fest von Fruchtbarkeit und Erotik, rückhaltloser Selbstverwirklichung und Neubeginn vorstellt. Formal experimentelle Elemente wie sich vermischende Erzählsituationen, Brüche in der Zeitstruktur, Geschichten in Geschichten, Spiegelmetaphorik oder das surreale Motiv anthropomorpher Tiere sind ästhetische Reflexe eines lebensfroh humorvollen Entwurfs agiler weiblicher Stärke und Intelligenz, wobei die Figur der geflügelten Fevvers das viktorianische Frauenbild des »angel in the house« aufgreift und umkehrt. Mutig flieht sie aus der Gefangenschaft des bürgerlichen Mannes, Rosencreutz, der sie aus dem Bordell menschlicher Mißgeburten der Madame Schreck heuchlerisch herauskauft, um ihr Blut zur Selbstverjüngung zu opfern, und nur knapp entkommt sie dem russischen Großherzog, dessen Sammelleidenschaft sie in einen goldenen Käfig fesseln will.
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Von BSH VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Vorweg: Ich mag es nicht, wenn in einer Rezension zu viel über die Handlung im Buch schon verraten wird. Deshalb gehe ich selbst absichtlich nicht detailliert auf die Story ein.

Das Buch steigt ohne lange Umschweife in die Handlung ein. Der sich für besonders schlau haltende Journalist Walser will Fevvers, der Vogelfrau, auf die Schliche kommen und interviewt sie in ihrer Theatergarderobe.
Bereitwillig breitet die Geheimnisvolle ihre Lebensgeschichte vor dem jungen Mann aus und genauso wie sie ihn fasziniert, zieht Angela Carter den Leser in ihren Bann und die Zeit verfliegt.
Am Ende dieses Kapitels weiß man genauso viel wie Walser, nämlich eigentlich nichts. Ist Fevvers nur eine trickreiche Betrügerin oder ein genialer Freak, der für eine Betrügerin gehalten werden will, um immer noch zur normalen Menschheit dazu zu gehören?

Anfangs ganz realistischer Roman, verwendet Angela Carter immer wieder fantastisch-zauberische Elemente, die die Story,(genau wie das, was Fevvers erzählt)in einer Welt zwischen Traum und Wirklichkeit oder Lug und Trug, ansiedelt.

Der Schauplatz wechselt. Fevvers und Walser gehören nun zu einem Wanderzirkus mit dem ehrgeizigen Ziel Sibirien zu durchqueren. Doch nicht die schillernde Zirkuswelt ist Gegenstand der Betrachtungen. Der Leser bewegt sich mit Walser hinter den Kulissen, schaut in Abgründe und erlebt Irrungen und Wirrungen.
Besonders gelungen finde ich die Abschnitte in denen sich Angela Carter mit den Clowns und den intelligenten Affen beschäftigt. Hier verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Tier und Mensch, Wahn und Fantasie usw.

Im letzten Teil endet alles in Auflösung. Die Hauptpersonen werden voneinander getrennt. Die Handlung wird immer kurioser und passenderweise verliert hier Walser auch seinen Verstand.

Ab hier schwächelt der Roman etwas. Die Handlung wird vorhersehbar und der Spannungsbogen fällt etwas ab.
Das Buch ist jedoch so gut, so intelligent, witzig, hintergründig, weise, unterhaltsam, warm ... geschrieben, dass ich deswegen keinen Stern abziehen möchte (einen halben vielleicht).

Es wäre kein Angela-Carter-Roman wenn es neben alle dem nicht auch um die Positionen und Verhältnisse der Geschlechter zu- und untereinander gehen würde, wenn nicht Liebe und Triebe, sowie ein Schuss Erotik mit dabei wären. Wie immer nennt Angela Carter in Sachen Sex die Dinge beim Namen und redet nicht kunstvoll drum rum.

Wer einmal abseits ausgetretener Genrepfaden lesen möchte, sollte sich auf dieses leicht zu lesende und doch so tiefgründige Vergnügen einlassen.
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