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André Kaminski lieferte im Jahre 1988 einen Roman bei seinem Verleger ab, der es in sich hat. Hier geht es schnell, turbulent, kabarretistisch einwandfrei und lustig wie auch traurig zugleich zu. "Jüdisch eben", sagen die, die es glauben zu wissen. Und sie haben recht. Das, was dort zwischen München, dem polnischen Schtetl Stanislau und dem so herrlich beschriebenen Wien der Jahrhundertwende geschrieben wird ist derart rasant, daß es dem Leser die Sprache verschlägt. Der Rezensent muß gestehen, daß er das Buch in einem Durchgang gelesen hat, weil er nicht von der Geschichte loslassen konnte. Es brachte ihm einen Arbeitstag in seinem Leben ein, in dem er sich nach einem Bett sehnte, weil er erst um halb sieben in der Früh "Nächstes Jahr in Jerusalem" ausgelesen hatte - rechtzeitig zum Aufstehen.
Was soll der geneigte Leser erfahren, um einen Geschmack auf das
vorgestellte Buch zu bekommen? Wie soll beschrieben werden, was zwischen dem Münchener Hofphotographen Leo Rosenbach und der bildhübschen Gerberstochter Jana Wertheimer aus Stanislau geschehen ist und welche Rolle der vom Ich-Erzähler als Psychopath und prächtigster Lügner der K.u.K.-Monarchie in
Wien beschriebene Onkel Henner - der eigentliche Protagonist des Buches - dabei gespielt hat? Wie sollen alle anderen Charaktere für den Leser kurz beschrieben werden und der Plot der Handlung dargestellt werden, der von einer großen Liebe zwischen der gescheiten Malwa und dem Weltrevolutionär Henryk alias Hershel handelt? Der Rezensent muß kapitulieren und kann nur eines tun, indem er sich direkt an den Leser wendet:
Lieber Leser! Vergessen Sie alles, was Sie bislang gelesen haben. Kaufen Sie dieses Buch an einem Samstagnachmittag in Ihrer Lieblingsbuchhandlung und übergeben Sie dieses sofort nach dem Bezahlen an Ihren Partner. Dieser hat nun die Aufgabe, dieses Werk bis zum Sonntagmorgen vor Ihnen zu verbergen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück darf er oder sie es Ihnen aushändigen und sich dann bis zum Insbettgehen am Sonntagabend seinen oder ihren eigenen Interessen widmen. Sie nehmen das Buch und setzen sich an Ihren Lieblingsplatz (unter den Kirschbaum im Frühling - in den Biergarten um die Ecke im Sommer - unter den Kastanienbaum beim Kinderspielplatz im Herbst und an den Kachelofen im Winter - oder wo auch immer Sie es wollen) und haben sechs bis acht Stunden Leseerlebnis vor sich, in denen man Sie nicht stören sollte. Dann erfahren Sie mehr von einer Familiensaga der Extraklasse, die die hohe Kunst der Erzählung bestens beherrscht und die Tragikomödie neu
erfindet - und dies alles im Umfeld des jüdischen Lebens des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Der Rezensent bleibt weiter sprachlos und entzückt über Kaminskis "Nächstes Jahr in Jerusalem" und rät Ihnen eines sehr eindringlich: "Bitte lesen !"
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