Aus folgenden Gründen bin ich von diesem Buch mit dem interessanten Titel sehr angetan:
- die Grundidee, sich auf ein Unternehmen einzulassen, was wohl für die meisten von uns undenkbar bzw. undurchführbar erscheint (eine Weltreise über ein ganzes Jahr nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln), allein schon wegen der zeitlichen Dimension und der dazugehörigen Strapazen
- man erfährt viel über die Geschichte der bereisten Länder, oft von der Kolonialzeit (soweit zutreffend) bis zu aktuellen politischen Entwicklungen und auch deren Auswirkungen im täglichen Leben der Einwohner untereinander bzw. gegenüber Touristen/Fremden. Dabei war - zumindest für mich - viel Neues dabei, da ich mich z.B. mit Rapa Nui oder Süd-Chile noch nicht besonders beschäftigt habe
- bei allen historischen Daten und Entwicklungen kommt aber der unmittelbare Reise"alltag" nicht zu kurz. Sowohl die zahlreichen Kontakte des (vielsprachigen) Autors mit Einheimischen, als auch die vielseitige Arten der Fortbewegung in überfüllten Bussen, einsamen Schiffen, per pedes oder teils dampfbetriebenen Eisenbahnen werden ebenso ausführlich beschrieben wie kulinarische Highlights oder Tiefpunkte (wochenlang nur "Pollo y arroz"/Huhn mit Reis)
- in meinen Augen das Highlight und auch der Grund dafür, dass das Buch so leicht zu lesen ist, ist der persönliche und lockere Schreibstil des Autors. Ich kam mir vor, als würde er neben mir sitzen und von der Reise ERZÄHLEN. Das dabei öfters auch das lokale Bier oder die Musikauswahl der Busfahrer (mitsamt Reaktion der anderen Reisenden) Erwähnung findet, macht das Buch so lebensnah.
- schade finde ich nur, daß die Anzahl der Fotos überschaubar ist (ca. 10), da hätte ich mir mehr gewünscht. Auf der ebenfalls beigefügten Weltkarte kann man die gewählte Route jedoch schön nachvollziehen.
Ich weiß nach wie vor nicht, ob ich selbst mich auf ein solches oder ähnliches Abenteuer einlassen würde, aber gerade deshalb fand ich es faszinierend, von einem der sich das traute, darüber zu lesen.