Diese Platte ist und bleibt mir unvergesslich, denn sie war meine erste Begegnung mit
Aspekten der Musik von Yes, die beim mir zum Volltreffer wurden.
Ich war dieser Musik sofort absolut und rettungslos und unrevidierbar verfallen.
Zum einem hatte mich Mark Twains "Ein Yankee an König Artus Hof" schon immer
fasziniert (Sir Thomas Malory's "Geschichten von König Artus" sollte ich erst
später entdecken). Im Fernsehen lief eine mehrteilige "Lancelot vom See"-Serie,
die ich heute gerne wieder einmal sehen würde. Dazu bekam ich nun quasi den
Soundtrack. Herrlich auch das aufklappbare Cover der originalen LP mit dem Inner-
Sleeve-Ritterlampf zwischen Sir Lancelot und dem schwarzen Ritter.
Rick präsentiert uns ein Konzeptalbum mit unglaublich starken, eingängigen Melodien.
Anders als bei Journey, fungiert der Erzähler nur als eine Art "Ansager", und unterbricht
somit en Fluß der Story nicht unnötig - etwas, was mich an JOURNEY immer störte. Der
Sprecher erzählt uns pathetisch die mythischen "Fakten" mit wenig Gehalt (und nichts, was
wir als Kenner der Sage nicht längst wüßten); und Ricks Musik hüllt diese in Pomp und Samt.
Gleich das erste Stück, "Arthur", führt uns mit Pathos und Wucht in die musikalischen
und inhaltlichen Themen der Sage ein und katapultiert uns unmißverständlich in ein
mittelalterliches England, ganz großes Kino. Artur, ein eher unwahrscheinlicher Kandidat,
schafft es, das Schwert aus dem steinernen Ambos zu ziehen, und wird so König
von ganz Britannien. Wunderbar dann die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken,
auch wenn jene oft nicht als eigenständige Titel heraus kristalliert sind (wie bei "Lady Of
The Lake"), sondern als Vorspiel einzelner Titel fungieren. Herrlicher, beinah orthodoxer
Chorgesang von tiefer Spiritualität, wie aus der Vergangenheit herauf-klingend; gefolgt
von einer (jeweils etwas variierten) Piano-Etüde. Die nächsten beiden Titel, "Sir Lancelot
& The Black Knight" und "Merlin The Magican" stellen für mich schon den Höhepunkt der
Platte dar. Ein grandioser musikaliischer Wahnsinn, eine gigantische Verbindung aus
Rockband, Orchester, Chor, und das alles beherrscht von rasenden Synhesizern
in den höchsten Oktaven. Allein die Stereo-Effekte beim Ritterkampf von "The Black
Knigh" haben es in sich.Fight! Fight" Fight" - Und schon rasten die beiden Ritter auf ihren
Schlachtrössern horizontal und vertikal und diabonal und konkav und konvex durch meine
Ohren, dass hatte vorher noch niemand geschafft. Und bei "Merlin, der Zauberer" konnte man
dessen Tricks und Verwandlungen in allen Registern hören. Irre Wechsel von Cembalo/Bass zu
Piano und Banjo zu Synthis und E-Gitarren, Vibraphon und Percussion; - eine Reise
mit plötzlichen, wie durch einen Zauberstab hergestellten Wandlungen von Barock bis Ragtime.
Das war einfach atemberaubend.
Die beiden letzten Titel, "Sir Galahad" und "The Last Battle" sind dann für mich etwas
zu dünn und enttäuschend geraten. Den tragischen Kampf zwischen Modred und Artus
beziehungsweise die ganze Schlacht kann Rick nicht wirklich überzeugend umsetzen.
Da nenne ich eine große, vergebene Chance. Die Musik strebt von den ersten Takten
von "Sir Galahd" bereits ihrer Auflösung zu, und verliert dadurch viel an Spannung.
Leider findet sich auf der klanglich nicht gerade begeisternden CD-Version nichts
vom Ritterkampf-Gemälde des Innen-Covers der Schallplatte. Die zahlreichen Fehler
in der Abmischung wurden nicht korrigiert, zum Beispiel der erschreckend leise abgemischte
Gesang von Ashley Holt bei "Guinevere", der, - ähnlich wie Daltrey bei Lisztomania -,
hier klingt, wie durch eine (schlechte) Telefonleitung übertragen. Die Synthis beil "Black Knight"
sind wiederum viel zu laut. Und wer eine Akustik-Gitarre noch mehr scheppern hören möchte,
als bei "Time And A Word", ist hier, bei Mr. Hopkins, genau richtig. Manchmal gibt es auch
Aussetzer bzw. ein Aus-dem-Takt-geraten; peinlich.
Dem Album folgte eine für Rick finanziell ruinöse Aufführung des Werks als quasi "Holiday-
On-Ice-Revue" unter Einbeziehung eines Orchesters, bei der die Musik jedoch in den
Hintergrund geriet, da die Aufführung als eine Art Show-Spektakel angelegt war. Natürlich
ist der Charakter der Platte selbst bereits analog dazu spektakulös angelegt, und irgendwie
kann ich auch die Kritiker dieses Albums gut verstehen, nur: Sie erreichen damit vielleicht
meinen Kopf, nicht aber mein Herz - das schlägt nach wie vor für Rick's Beste!