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Mythos Zen: Eine Kritik
 
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Mythos Zen: Eine Kritik [Broschiert]

Alfred Binder
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 277 Seiten
  • Verlag: Alibri; Auflage: 1 (Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865690572
  • ISBN-13: 978-3865690579
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 314.215 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Weltweit sind zurzeit ca. 4.000 Bücher über den Zen-Buddhismus erhältlich. Mythos Zen ist seine erste umfassende Analyse, die sowohl Lehre wie Praxis unter philosophischen, ethischen, historischen und psychologischen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet. Sie entzaubert eine Welt- und Lebensanschauung, welche in den vergangenen Jahrzehnten viele Intellektuelle und Künstler faszinierte, die New-Age-Bewegung stark beeinflusste und die christlichen Kirchen „spirituell“ anregte. Zen gilt vielen, die sich mit östlichen Religionen beschäftigen, als die „erhabenste Lehre“. Seinem Anspruch nach soll es weder eine Religion noch eine Philosophie sein, sondern eine Lehre ohne Lehrinhalt. Zen verspricht nicht nur eine völlige psychische Verwandlung, sondern eine Erleuchtung, die vollkommene Einsicht in die Natur des Universums gewähren soll. Ausführlich wird dargestellt, dass die populären Behauptungen falsch sind, Zen übersteige die Logik und sei mit dem gewöhnlichen Verstand nicht begreifbar. Auch zeigen die geschichtlichen Fakten die Schwierigkeiten des Zen mit ethischen Prinzipien; dies manifestierte sich besonders im bisher größten historischen „Ausrutscher“, der innigen Kooperation der Institution Zen mit dem japanischen Faschismus und die Verwandlung der zen-buddhistischen Philosophie in eine den Faschismus legitimierende Ideologie. Zwar bedeutet das japanische Zen in der Theorie einen Rückfall in schlechte Metaphysik und in der Praxis oft Militarismus, trotzdem kann Zen, jenseits von Mystik und Metaphysik, für den Einzelnen sehr wohl eine therapeutische Funktion haben. Der Autor arbeitet diese genau heraus und zeigt damit den „ursprünglichen Sinn“ dieser Praxis auf.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
48 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Welle
Von Amazon bestätigter Kauf
Als kritisch denkender Mensch und Zen-Praktizierender dachte ich, ich bräuchte die Argumente dieses Buches, um den Weg des Zen besser zu verstehen, doch das war ein Irrtum.
Gerade im philosophischen Teil ' und der Autor hat laut knapper biographischer Notiz Philosophie studiert ' zeigt das Buch deutliche Schwächen.
Ja, der Autor beherrscht die Philosophischen Begriffe, doch verwendet er die Philosophischen Traditionen des Westens, um eine philosophische Tradition des Ostens zu beurteilen.
Das kann gut gehen, wenn man denn die östliche Philosophie begriffen hat, aber so, wie der Autor es anpackt, kann es nicht gelingen.
Er stützt sich nicht auf die Grundschriften des Zen, in denen doch die Philosophie am deutlichsten hervortreten solle, sondern auf die Aussagen von "Lehrern", wobei die meisten Aussagen, auf die sich Binder bezieht von David Loy sind, von einem Lehrer also, der nicht gerade als zentraler Vertreter des Zen zu bezeichnen ist.

Hätte der Autor die Aussagen des Zen vollständig(er) wiedergegeben, dann wäre er zum Beispiel nicht der "Nondualität" in dieser Weise aufgesessen. Wenn man die Weltsicht des Zen auf "Alles ist Eins" einebnet, dann kann man, ja dann muss man natürlich diese Vereinfachung kritisieren.
Da im Zen aber meines Wissens gilt: "Nicht zwei, nicht eins" also sowohl die Dualität als auch der Monismus abgelehnt werden, kann die Kritik von Binder nicht den Punkt treffen.
Bei dem Wahrheits- und Wirklichkeitsverständnis gerät Binder vollends ins Schleudern und seine Argumentation beschränkt sich auf: "Das ist sinnlos" oder "Das kann ich mir nicht vorstellen"
Der Autor behauptet zum Beispiel, dass ein "erleuchteter Meister" (was auch immer das sein mag) nicht wie jeder andere einen normalen (dualistischen) Apfel essen würde. Klar isst ein Meister einen Apfel und er verdaut ihn, wie jeder andere auch. Er wird nicht in seine Hand beißen, weil er seine Hand für einen Apfel hält, dann wäre er nämlich krank. Dennoch wird er den Genuss des Apfels womöglich sehr viel unmittelbarer und lebendiger erfahren, als ein Mensch, der den Apfel in sich hineinstopft, während er den Sportteil einer Zeitung liest.
Der Leser wird den Apfel im Zweifelsfall gar nicht wahrnehmen, der andere womöglich ähnlich intensiv wie ein Sommelier, der ganz auf das Erleben eines Schlucks Wein trainiert ist.

Die Wirkungen des Zen kann man philosophisch ganz sicher nur schwer erfassen, und die Philosophie des Zen zeigt eben dies: Das Denken mit glasklaren(!) Gedanken führt sich selbst ad absurdum, bis das Denken aufbricht und man für Augenblicke das Denken hinter sich lässt. Die Einsichten dieser Augenblicke bleiben und vertiefen und verstören auf eigenartige Weise das Alltagsempfinden.
Der Blick auf den Alltag nach solch einer Erfahrung wirkt subjektiv deutlich klarer und dies ist in der Tat vergleichbar mit dem Wegziehen eines Schleiers. Diesen Schleier dann aber philosophisch einkreisen zu wollen ist schlicht absurd. Den Schleier gibt es nicht.

Ebenso schwierig ist das, was der Autor als Wahrheit suggeriert. Er sagt es kaum ausdrücklich, und doch erscheint es so, dass der Autor philosophisch tatsächlich davon ausgeht, die Realität (Kant: "die Dinge an sich") zutreffend beschreiben zu können.
Dabei verschweigt er weit verbreitete Einsichten der Erkenntnistheorie, dass nämlich unsere Erkenntnis nur innerhalb der Kategorien Zeit, Raum und mittels der Konstruktion einer Kausalität möglich ist.
Einen Zugriff auf die "Dinge an sich" verneint Kant.
Die Praxis des Zen klärt unter anderem in sehr gründlicher Introspektion diese Einsichten und macht die (nur) intellektuellen Einsichten Kants empirisch erfahrbar.

Wären die Gedanken des Autors ebenso klar wie die der Zen-Tradition, hätte er gewiss ein dem Gegenstand angemesseneres Buch geschrieben. So ist es ' wie viele "Religionskritische" Bücher ' nur die Abrechnung mit den selbst produzierten Zerrbildern dessen, was man kritisiert.

In einem weiteren Teil diskutiert der Autor die Verflechtungen des Zen im Faschismus. Die historischen Beschreibungen sind ' soweit ich sehen kann ' korrekt, die Folgerung daraus, Zen sei zu kritisieren sind schlicht Unsinn.
Zen ist, wie jede andere Anschauung der Welt (Religionen, politische Systeme, Ideologien etc.) missbräuchlich. Warum? Weil Menschen beteiligt sind. Nur der, der eine Weltanschauung vorweisen kann, die NICHT missbräuchlich ist kritisiert an diesem Punkt zu Recht.
Es ist unverzichtbar, die fatalen Auswirkungen von Missbrauch diverser Ideologien zu benennen. Der Grund für diesen Missbrauch liegt aber ebenso wenig in den Ideologien, wie der Missbrauch eines Hammers zu Tötungszwecken im Hammer liegt. Nicht der Hammer ist schlecht, sondern die Handlung und die Motive dessen, der den Hammer zu diesem Zweck schwingt. Die Möglichkeiten zum Missbrauch liegen in jedem System an anderen Stellen und sind genau zu beschreiben, auch da gehe ich Mit dem Autor. Darüber hinaus folge ich ihm nicht.

Da wo der Autor die Auswirkung des Zen psychologisch beschreibt, hat das Buch starke Momente, doch da scheint mir, geht der Autor nicht weit genug, wenngleich er einen zentralen Punkt erfasst:
Den Abschied vom Anerkennungsbegehren.

Insgesamt ist das Buch also eher ärgerlich. Eine (notwendige) kritische Darstellung, die dem Zen wirklich gerecht wird, kann man in diesem Buch nur in Teilen finden.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sitzen ... 15. Dezember 2010
Von Guntram
Im Zen sitzen ist ein Kern dieser "Lebensweise". Ich bin über diesem Buch gesessen - und war fasziniert wie schon lange von keinem mehr. Nach Jahren der intensiven Beschäftigung mit Zen, Sufismus und christlichen Mystikern war die Lektüre von Binders Buch wie eine Befreiung von (für mich) unerfüllbaren Ansprüchen, Forderungen, nicht nachvollziehbaren Behauptungen und einfach un-denkbaren Denk-Modellen durch Lehrer und Meister, denen ich nur wirklich wünschen kann, sie glauben und leben das wirklich selbst, was sie vermitteln. Ich konnte das bestenfalls in Ansätzen.
Ja, Binders Buch ist eine Ablehnung, nahezu eine Abrechnung mit einem Mythos, der (auch?) zu einem großen, weltweiten Geschäft geworden ist, irgendwo zwischen Esoterik und hilfloser Selbsterfüllung. Es ist kein Hass-Buch, aber es ist generell mehr als nur analysierend, es ist parteiisch, und es ist im großen und ganzen negativ gegenüber den über-menschlichen (!) Ansprüchen des Zen. Trotzdem: Es ist für mich ein Genuss, auch einmal so eine Stimme zu vernehmen, die in aller Klarheit sinngemäß sagt: "Vielleicht (!) ist doch alles (auch) bloß Trug und (Selbst-)Täuschung?"
Ein kleines Minus den etlichen (Druck-?)Fehlern. Man muss sie einfach überlesen.
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Befreiung durch Nachdenken 7. November 2009
Dieses Buch bringt meine eigenen Erfahrungen auf den Punkt: Für einen kritischen Kopf, der weder Religionskritik noch Aufklärung begeistert über Bord wirft und sich auf nicht-beweisbare Chakren, Astralphänomene, heilende Steine und Reinkarnation stürzt, hat Zen stets eine abstoßende und faszinierende Seite gleichzeitig. Abstoßend sind der mitschwingende Militarismus, das Erzwingen von Schmerzen durch "Sitzen", Niederwerfungen und autoritäre Strukturen. Faszinierend ist der Anspruch der Befreiung vom Leiden sowie die Herausarbeitung eines freien, ungebrochenen, undomestizierten Menschen, gleichwohl eine hohe Ethik praktizierend. Alfred Binder fügt den zigtausenden Seiten dummen Gequatsches ("Erbauungsliteratur" im christlichen Kontext) über eine "Lehre jenseits der Schriften"! nicht noch etliche hinzu, sondern er spricht aus, was bei vielen Zenaussteigern (und das sind mehr als Dabeibleiber) im Gehirn rotiert: Die - insbesonders japanische - Zenideologie genügt genausowenig wie alle Religionen einer kritischen, rationalen Prüfung der Thesen und Grundannahmen, letztlich funktioniert Zen wie alle Religion nicht ohne Glauben. Gleichwohl findet man im Zen einen plausiblen und durchaus radikalen therapeutischen Ansatz, der sich lohnt, verfolgt zu werden, aber, wenn man so will, auch nicht mehr. Dies hat Binder herrlich befreiend herausgearbeitet und folgt damit Zen im besten Sinn!
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