Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf der Suche nach dem Unangreifbaren, 7. November 2006
Albert Camus, den man gerne auch als "Abiturientenphilosoph" abzutun pflegte, entwirft mit seinem "Mythos" eine Lebensweise der Überwindung. Zunächst führt er die Philosophie auf ihre eigentliche Kernfrage zurück. Nicht in den Verwirrungen der Transzendentallehre liegt ihr Ursprung, sondern einzig und allein in der Frage, ob das Leben die Mühe gelebt zu werden oder nicht wert sei. Der Selbstmörder - das ist evident - beantwortet diese Frage mit einem Nein und verkürzt sich jene Lebensmühe. Warum, fragt Camus, hat er diese Tat begangen?
Dabei entdeckt er, dass wir als Menschen die einzigen Wesen auf dieser Erde sind, die einen Sinn suchen. Einen Sinn, der alles zusammenhält, in den sich alles - Freude wie Leid - fügt. Aber eben diesen Sinn kann uns die Welt niemals geben, er wird noch in der heilen Kleinstadtwelt eines Tages grausamst verneint und der Mensch wird eiskalt auf sein lächerliches Sinnstreben zurückgeworfen. Auch Gott kann diesem Sinnstreben keine Erfüllung geben. Und auch der Selbstmord nicht.
Vielmehr muss der Mensch sich mit der Sinnleere der Welt, mit der Absurdität des Daseins abfinden. Jeden Tag muss er aufs Neue mit einem höhnischen Trotzdem beginnen, mit jenem "heiligen Ja", von dem auch Nietzsche schon gesprochen hat. Nur wenn wir die Sinnlosigkeit der Welt hinnehmen und zugleich einen unendlichen Kampf mit ihr führen, nur dann wird sich das Leben erfüllen. In diesem Kampf, in dieser Auflehnung findet der Mensch zurück zu sich selbst und wird gar zu höchster Vollkommenheit angeregt. Der Kampf gegen das Absurde führt zu einer divinatorischen Erhebung des Menschen - und in diesem verlorenen Kampf stellt sich Glück und Zufriedenheit ein, bis die Auflehnung am nächsten Tage wieder beginnt.
Manchmal scheint es beim Lesen dieses so klaren, wunderschönen Buches als ob Camus sich der Genialität - die bei ihm in der Schönheit und Einfachheit seiner Sätze zu suchen ist - überhaupt nicht bewusst war. Unbedingt ist dieses Essay zu empfehlen - allein schon der Sprache wegen. Seine Philosophie kann einem, der darüber nachsinnt, viel geben, kann gar eine ganze Weltanschauung umkehren.
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53 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Echte Philosophie! Und viel schöner, als Sophies Welt., 1. August 1999
Von Ein Kunde
„Der Mythos von Sisyphos" ist ein Stück Philosophie, das auf eine wirklich entscheidende Frage auch eine klare Antwort gibt. Die Frage: Lohnt es sich überhaupt, zu leben, wenn dieses Leben vollkommen absurd ist? Die Antwort: Ja! Zu diesem Ja führt der Existentialist Camus den Leser auf ungefähr hundert Seiten in seiner philosophisch-kompromißlosen Sprache, die aber auch die Sprache eines Dichters ist. Mehr als das: Die eines Literatur-Nobelpreisträgers. Es ist die Mischung von Philosophie und Literatur, von trockner Reflexion und poetischem, sinnlichen Lebenshunger, die dem Leser große Gedanken auf eine sehr schöne Weise nahebringt. Heidegger, Dostojewskij, Kierkegaard, Nietzsche, Hegel, Husserl und viele andere Denker befragt Camus nach dem Absurden. Er überdenkt ihre antworten, spielt sie gegeneinander aus und mischt sich selbst in die Debatte ein, um schließlich sein Ergebnis zu formulieren. Das veranschaulicht er anhand des titelgebenden „Mythos von Sisyphos". Der antike Held ist von den Göttern zu einem absurden Dasein verurteilt: Er muß ewig einen Felsen auf einen Hügel wälzen, nur, um ihn dann wieder herunterrollen zu sehen und die Arbeit von Neuem zu beginnen. Dieses Leben stellt für Camus unser Dasein in einer absurden, fremden Welt dar. Aber Sisyphos, und damit auch der Mensch, soll nicht resignieren. Sein Heil liegt darin, sich der Absurdität bewußt zu sein, und trotzdem weiter zu machen. Nur so kann er seine Würde aufrecht erhalten. Camus legt das Ergebnis seines Buches, das für den Mythos gilt, genauso wie für den Menschen, in den letzten Satz: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." Dieses Buch bietet einen direkten Zugang zu Philosophie. Wer müde ist von allgemein gehaltenen und abgehobenen Einführungen, wie Sophies Welt, sieht hier: echte Philosophie kann auch schön sein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kein Gott und keinen Sinn. Also: CARPE DIEM!!, 24. März 2006
Der "Mythos des Sisyphos" ist das Schlüsselwerk von Albert Camus. Wer die Philosophie und das Weltbild seiner Romane verstehen will, muss diese Essaysammlung lesen, die gleichzeitig auch eines der Hauptschriften des Existentialismus ist.Dabei geht es Camus eigentlich nur darum, eine einzige Frage zu beantworten: Ist es gerechtfertigt, der absurden menschlichen Existenz durch Selbstmord ein vorzeitiges Ende zu setzen? Seine eindeutige Antwort: Nein! 2Der Mythos des Sisyphos" beginnt mit einer Definition des Absurden. Das Absurde sei kein Wert an sich, sondern entstehe vielmehr aus dem Verlangen des menschlichen Geistes nach einem höheren Sinn und dem Schweigen der Welt zu diesem Bedürfnis. Nach Camus ist der Mensch voll und ganz unabhängig von irgendwelchen metaphysischen Einflüssen (Gott z.B.) und muss mit seiner von Geburt an sinnlosen Existenz selbst zurechtkommen. Doch dies sei kein Grund zu verzweifeln, sondern genau das Gegenteil. Hat man sich die Absurdität seiner Existenz, also das Fehlen eines höheren Sinnes, klargemacht, ist man frei, seinem Leben selber einen Sinn zu verleihen. Carpe Diem im Namen der Sinnlosigkeit so zu sagen. Und dementsprechend lautet der abschließende Satz des nur fünfseitigen Kapitels über Sisyphos: "Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen." Warum? Weil, wenn man so wie er das Absurde der menschlichen Existenz erkannt und verinnerlicht hat, ein Fels und ein Berg ausreichend sind, um einen menschlichen Leben einen Sinn zu geben. Und was kann es denn Schöneres geben? Fazit: Brauchen wir Religion als Krücke, um in einer sinnentleerten Welt ein ausgefülltes Leben führen zu können? Nein!! Ohne einen jenseitigen, allwissenden und Gehorsam verlangenden Gesetzgeber mag dies zwar vielen Menschen schwierig erscheinen. Doch wer die Sinnlosigkeit als Freiheit begreift, dem steht einer erfüllten Existenz nichts im Wege.
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