Wo liegt eigentlich der Orient? Was ist eigentlich "orientalisch"?
Andreas Pflitsch legt uns dar, wie zu unterschiedlichen Zeiten sich auch die Begrifflichkeiten geändert haben und daß "hinter dem Begriff 'Orient' eine rein europäische Idee" steht (S.13). "Die geographische, kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt dessen, was man unter Orient versteht, ist so breit, dass es einigermaßen abenteuerlich scheint, überhaupt einen Sammelbegriff zu benutzen."(S.12)
"Der Orient war und ist das Gegenüber Europas, das Gegenbild und das Andere." (S. 13) Und das zeigt uns der Autor anhand von vielen Beispielen. Es ist erstaunlich, welche Fülle von Material er in den 5 Kapiteln - ohne sie zu überfrachten - untergebracht hat: I. Einleitung (Wo liegt der Orient? Der Orient in den Köpfen); II. Orient und Okzident. Begegnungen und Mißverständnisse ( vom Mittelalter bis in die Gegenwart); III. Unsterbliche Bilder? (z.B. über den geheimnisvollen exotischen Orient; den sinnlichen, erotischen Orient. Von Haremsdamen und anderen Männerphatasien); IV.Kampf der Kulturen? Orient, Okzident und Globalisierung. In einem Anhang finden sich, wohldosiert, hilfreiche Anmerkungen und sehr nützliche Literaturhinweise, abschließend ein Namensregister.
Das Buch ist flüssig und eingängig geschrieben und auf sympathische Weise des öfteren ein wenig unbequem - dann nämlich, wenn man sich selbst bei einem Vorurteil über eben diesen Orient ertappt. "Mythos Orient" führt tatsächlich auf eine Entdeckungsreise, wie der Untertitel angibt, und ist allen zu empfehlen, die sich nicht wohlfühlen bei der Vorstellung, daß Gut und Böse nach den Himmelsrichtungen in der Welt verteilt worden sein sollen, die sich das Hintergrundwissen aber nicht selbst erarbeiten können.Das Buch macht nachdenklich und klüger; es lohnt sich, es erneut zu lesen. Für Journalisten (und einige Bücherschreiber) würde ich es zur Pflichtlektüre machen, manchen sogenannten Orient-Experten eingeschlossen.