Der Autor Walter Ötsch liefert eine messerscharfe Analyse, wie das "Marktdenken" als Suggestion entworfen und erfunden werden musste, über thinktanks verbreitet wurde und zur "dominanten" Alleinherrschaft in der Ausbilung und Fokussierung ganzer Generationen von Ökonomen der letzten 30 Jahre ausgeartet ist.
Eingebettet in den historischen Kontext, bekommt alles plötzlich einen Sinn. Der Kampf des "Kapitalismus" gegen den "Kommunismus" entfachte ein duales Weltbild, das reduziert wurde auf "gut" (Kapitalismus, Freie Märkte) gegen "böse" (Kommunismus, Intervention, Abschottung DER MÄRKTE, Gewerkschaften usw). Die Erfinder der "guten" Welt konnten über Jahrzehnte viel Geld wirken lassen, um die heute bei vielen Menschen unbewußt ablaufenden Assoziationsketten von : FREIER MARKT, EFFIZIENZ, LIBERALISMUS, MARKTKRÄFTE, INDIVIDUALITÄT zu erzeugen.
Alles was diese "Freiheit" der Märkte stört, wurde denunziert und dem Bösen (Kommunismus, Interventionismus) zugeschrieben und auch 10.000xmal wiederholt und damit wurde ein SCHWARZ -WEISS Bild entworfen, wie es auch heute noch in den USA weit verbreitet ist (man denke nur an die Gesundheitsreform die President Obama durchführen möchte und welche politische Reflexe, die genau diesem Schema ensprechen, dann stattfinden)
Seit 30 Jahren nun aber werden Märchen eines "FREIEN MARKTES" erzählt und der Autor nennt sie alle beim Namen, schonungslos werden die utopischen Annahmen (Menschen werden wie Maschinen definiert) und sprunghaftigkeit der Argumentation (empirische Fakten werden nur zitiert, wenn es dem Modell dient!) offengelegt.
Seite für Seite wächst da die Überzeugung, dass das was uns da jahrzehntelang als Selbstverständlichkeit, als Naturwüchsigkeit und das Beste für alle verkauft worden ist (MARKTFREIHEIT), doch nur als Propaganda für bestimmte Interessensgruppen gedient hat und der Kollaps der FREIEN FINANZMÄRKTE zeigt allzu deutlich, dass "Freie Märkte" doch nicht zum Wohle aller sein können.
(dazu muss man bedenken, dass im zuge der Immobilienkrise in den USA zuerst massiv Restriktionen auf Bank und Immobilienseite aufgehoben wurden! (z.B. dass man sein Einkommen nachweisen muss um einen bestimmten Kredit zu bekommen) - Alles im Dienste für FREIE MÄRKTE, keine Regulierung und Einschränkung - sei sie auch noch so sinnvoll sollte diese "Kraft" stören.
Dabei herausgekommen ist ein systematischer Kollaps des Weltfinanzzentrums, der die schwerste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren ausgelöst hat und vorerst nur von einer KRAFT aufgefangen wurde, von WEM? Von uns allen, vom Staat, von unserern Steuergeldern, von der KRAFT, die das radikale Marktdenken eigentlich auslöschen wollte, vom Schlechten per defintion.
Dem Autor sei Dank, wird uns durch dieses Buch die Augen geöffnet, das eine entpolitisierte ökonomische Theorie vom MARKT sehr wohl polit-ökonomische Auswirkungen hat, die uns ALLE betreffen.
Möglicherweise hat sich in manchen Kreisen noch nicht herumgesprochen dass das duale Weltbild nicht mehr haltbar ist. Zwischen Schwarz und weiss gibt es 10 MIO Farben die das menschl. Auge erkennen kann, wir sollten uns dieser Erkenntnis nicht verschliessen!