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5.0 von 5 Sternen
Eine Abrechnung, 9. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Mythos Markt: Marktradikale Propaganda und ökonomische Theorie (Broschiert)
Walter Ötsch hat als Universitätsprofessor jahrelang die Modelle der Mikroökonomik gelehrt. Umso erstaunlicher ist es nun wie fundamental er sich nun von diesen neoklassischen Modellen und den ihnen zugrunde liegenden marktradikalen Denken distanziert. Was diese, streckenweise mit Ironie und manchmal auch Polemik gespickte Abrechnung so interessant macht ist die interdisziplinäre Herangehensweise. Als Volkswirtschafter liefert der Autor eine sehr gründliche Ökonomie immanente Kritik an der mikroökonomischen / neoklassischen Allgemeinen Gleichgewichtstheorie. Als Kommunikations- und Kulturforscher liefert er eine Diskurs- und eine Propagandaanalyse des marktradikalen Denkens allgemein. Im Speziellen zeigt er die Entstehung und die Propaganda des neoliberalen Denkens der Österreichischen Schule auf. Eine Denkfigur, die nur Gut und Böse, Markt und Nicht Markt, Effizienz und Intervention (=Ineffizienz) kennt. Ein bei uns kaum bekannter Fakt: die zwei wichtigsten Gründungsfiguren des Neoliberalismus waren Österreicher, nämlich Ludwig von Mises und August von Hayek.
Der Großteil des Buches aber befasst sich dann mit der Widerlegung des Neoklassischen Modells, also der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie, die Angebot und Nachfrage in mathematischen Funktionen darstellt. Ein Modell, das für die marktradikale Propaganda eingesetzt wird und wahlweise, je nachdem wie gerade gebraucht, die tatsächliche oder eine utopisch-ideale Wirtschaft abbilden soll. Neben mathematischen und sozialwissenschaftlichen Argumenten wird hier auch die Philosophie für die Kritik in Anspruch genommen. Von Ötsch zitiert werden Philosophen wie Hans Albert, der die mangelnde empirische Überprüfbarkeit des Modells kritisiert und Karl Heinz Brodbeck, welcher den Kategoriefehler der dahinterliegenden Ontologie aufzeigt. Alles in allem ist diese Modellkritik vielleicht ein wenig zu ausführlich ausgefallen. Als geneigter Leser erkennt man die Unbrauchbarkeit des Ansatzes schnell an. Die gefühlte Länge dieser Kapitel kommt vielleicht auch daher, dass sich der Autor in vielen Argumenten ständig wiederholt - vermutlich eine Angewohnheit eines guten Universitätsprofessors. Außerdem trübt meiner Meinung nach der Exzess von Fußnoten auch ein wenig das Lesevergnügen. Vor allem da man nie genau weiß, ob eine solche lediglich auf eine Quellenangabe oder eine evtl. wichtige Anmerkung hinweist, weshalb man oft um sonst vor und zurück blättert. Für die Lektüre sind mikroökonomische Grundkenntnisse von Vorteil. Nicht so sehr wegen der Verständlichkeit des Stoffes, sondern wegen der Nachvollziehbarkeit der Argumente.
Die Lektüre von 'Mythos Markt' lohnt sich allemal, vor allem die Kapitel über die Entstehungsgeschichte des Neoliberalismus und der Neoklassik, mit ihren zahlreichen Think-Tanks und ihrer Propagandamission sind aufschlussreich. Auch die Analyse der Metaphern und Bildern, die hinter den marktradikalen Vorstellungen stecken gehört zu den Glanzlichtern des Buches. Alles in allem eine faszinierende, wegen der verschiedenen Ansätze abwechslungsreiche und überzeugende Lektüre. Außerdem wäre es interessant die Rezeption des Buches in der USA zu sehen, wer den dortigen Diskurs ein bisschen kennt weiß, dass das marktradikale Denken noch viel mehr im Alltagsbewusstsein verankert ist als bei uns. Genau wie Ötsch beschreibt wird dort nämlich z.B. unter dem Begriff socialism fundamentalistisch alles bezeichnet vom Skandinavischen Sozialstaatsmodell bis zum Stalinistischen Terrorregime.
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Der Vorhang fällt, 3. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Mythos Markt: Marktradikale Propaganda und ökonomische Theorie (Broschiert)
Der Autor Walter Ötsch liefert eine messerscharfe Analyse, wie das "Marktdenken" als Suggestion entworfen und erfunden werden musste, über thinktanks verbreitet wurde und zur "dominanten" Alleinherrschaft in der Ausbilung und Fokussierung ganzer Generationen von Ökonomen der letzten 30 Jahre ausgeartet ist.
Eingebettet in den historischen Kontext, bekommt alles plötzlich einen Sinn. Der Kampf des "Kapitalismus" gegen den "Kommunismus" entfachte ein duales Weltbild, das reduziert wurde auf "gut" (Kapitalismus, Freie Märkte) gegen "böse" (Kommunismus, Intervention, Abschottung DER MÄRKTE, Gewerkschaften usw). Die Erfinder der "guten" Welt konnten über Jahrzehnte viel Geld wirken lassen, um die heute bei vielen Menschen unbewußt ablaufenden Assoziationsketten von : FREIER MARKT, EFFIZIENZ, LIBERALISMUS, MARKTKRÄFTE, INDIVIDUALITÄT zu erzeugen.
Alles was diese "Freiheit" der Märkte stört, wurde denunziert und dem Bösen (Kommunismus, Interventionismus) zugeschrieben und auch 10.000xmal wiederholt und damit wurde ein SCHWARZ -WEISS Bild entworfen, wie es auch heute noch in den USA weit verbreitet ist (man denke nur an die Gesundheitsreform die President Obama durchführen möchte und welche politische Reflexe, die genau diesem Schema ensprechen, dann stattfinden)
Seit 30 Jahren nun aber werden Märchen eines "FREIEN MARKTES" erzählt und der Autor nennt sie alle beim Namen, schonungslos werden die utopischen Annahmen (Menschen werden wie Maschinen definiert) und sprunghaftigkeit der Argumentation (empirische Fakten werden nur zitiert, wenn es dem Modell dient!) offengelegt.
Seite für Seite wächst da die Überzeugung, dass das was uns da jahrzehntelang als Selbstverständlichkeit, als Naturwüchsigkeit und das Beste für alle verkauft worden ist (MARKTFREIHEIT), doch nur als Propaganda für bestimmte Interessensgruppen gedient hat und der Kollaps der FREIEN FINANZMÄRKTE zeigt allzu deutlich, dass "Freie Märkte" doch nicht zum Wohle aller sein können.
(dazu muss man bedenken, dass im zuge der Immobilienkrise in den USA zuerst massiv Restriktionen auf Bank und Immobilienseite aufgehoben wurden! (z.B. dass man sein Einkommen nachweisen muss um einen bestimmten Kredit zu bekommen) - Alles im Dienste für FREIE MÄRKTE, keine Regulierung und Einschränkung - sei sie auch noch so sinnvoll sollte diese "Kraft" stören.
Dabei herausgekommen ist ein systematischer Kollaps des Weltfinanzzentrums, der die schwerste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren ausgelöst hat und vorerst nur von einer KRAFT aufgefangen wurde, von WEM? Von uns allen, vom Staat, von unserern Steuergeldern, von der KRAFT, die das radikale Marktdenken eigentlich auslöschen wollte, vom Schlechten per defintion.
Dem Autor sei Dank, wird uns durch dieses Buch die Augen geöffnet, das eine entpolitisierte ökonomische Theorie vom MARKT sehr wohl polit-ökonomische Auswirkungen hat, die uns ALLE betreffen.
Möglicherweise hat sich in manchen Kreisen noch nicht herumgesprochen dass das duale Weltbild nicht mehr haltbar ist. Zwischen Schwarz und weiss gibt es 10 MIO Farben die das menschl. Auge erkennen kann, wir sollten uns dieser Erkenntnis nicht verschliessen!
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Geniales Buch, 13. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Mythos Markt: Marktradikale Propaganda und ökonomische Theorie (Broschiert)
Da ich Herrn Ötsch schon kennenlernen durfte, kann ich dieses Buch wärmstens für die Menschen empfehlen, die begonnen haben, unsere jetzige wirtschaftliche und soziale Situation zu hinterfragen und zu glauben beginnen, dass Kapitalismus nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Herr Ötsch ist ein genialer Mensch, der, so glaube ich, nicht daran interessiert ist, einfach anders zu sein und damit sein Geld zu verdienen, sondern Menschen zu helfen, andere Sichtweisen kennen zu lernen, da leider viele "allgemein gültige" Weltanschauungen, wie dieses Buch genau verdeutlicht, nur allzu manipulativ und eigennützig sind.
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