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Mythos Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung
 
 
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Mythos Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung [Gebundene Ausgabe]

Christian Weymayr , Klaus Koch
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Vorsorgehysterie erreicht ihren Höhepunkt: Prominente rufen zur Darmspiegelung auf, Werbespots demonstrieren uns die Größe versteckter Tumore, die flächendeckende Einführung der Mammographie steht vor der Tür. Die renommierten Wissenschaftsjournalisten Weymayr und Koch analysieren den Nutzen der Früherkennungsprogramme und schlagen Alarm: Ob Brustkrebs, Prostata-, Darm- oder Hautkrebs – die Verfahren zur Früherkennung sind mit zahlreichen Risiken verbunden. Diese reichen von Fehldiagnosen bis hin zu vorschnell ausgeführten Operationen und ihren Nachfolgeschäden. Die Autoren beleuchten Hintergründe medizinpolitischer Entscheidungen, verweisen auf Skandale in deutschen Kliniken und geben Antworten auf wichtige Fragen: Welche wirtschaftlichen und politischen Interessen stecken hinter dem Wahn zur Krebsvorsorge? Wie wird Vorsorge in anderen Ländern betrieben? Welche Chancen hat der Einzelne, Schäden zu vermeiden und die Chancen medizinischen Wissens zu nutzen?

Über den Autor

Christian Weymayr, geboren 1961, ist promovierter Biologe und arbeitet als Wissenschaftsjournalist mit dem Schwerpunkt Medizin. Er schreibt u. a. für DIE ZEIT und das Magazin brand eins. 2003 erschien von ihm das Sachbuch"Mythos Krebsvorsorge"(gemeinsam mit Klaus Koch).Dr. Klaus Koch, geb. 1926, wirkte nach Pfarrdienst in der Thüringer ev. luth. Kirche (1954-56) und Lehrtätigkeit in Erlangen und Wuppertal als Professor für Altes Testament und altorientalische Religionsgeschichte an der Universität Hamburg.

Auszug aus Mythos Krebsvorsorge. Schaden und Nutzen der Früherkennung. von Christian Weymayr, Klaus Koch. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Mythos Krebsvorsorge: Keiner Waffe im Kampf gegen Krebs werden derzeit ähnlich sagenhafte Kräfte zugeschrieben wie der Früherkennung. Ärzte, Kassen, Firmen, Patientenverbände und Politiker drängen die Menschen zur Vorsorge. Die Prävention gilt als der heilige Gral der Krebsmedizin. Die Eckpunkte der Argumentation: Rechtzeitig erkannte Tumore lassen sich im Keim ersticken. Früherkennung ist harmlos und schadet nicht. Das Gesundheitssystem wird finanziell entlastet. Doch so einfach ist es nicht. Wir zeigen in diesem Buch, dass keines der Argumente wirklich stimmt. Dass die Befürworter sie dennoch mit so viel Vehemenz vortragen, macht das Mythische der Früherkennung aus.

Um eines klarzustellen: Dies ist ein kritisches, aber kein polemisches Buch. Wir entwerfen keine Antithese zur gängigen Vorstellung "Rechtzeitig erkannt - geheilt". Wir beleuchten vielmehr Schaden und Nutzen der einzelnen Früh-erkennungsmethoden. Mit der pauschalen Ablehnung der Vorsorge würden wir in dieselbe Vereinfachungsfalle tappen wie deren Befürworter, die der griffigen Botschaft zuliebe strittige Aspekte ausblenden - oft wider besseres Wissen: Die Fürsprecher sind sich der Kontroversen um den wahren Nutzen der Maßnahmen meist bewusst. Wenn sie dennoch nur die Chancen betonen, kalkulieren sie ein, dass die Menschen unwissentlich seelische und körperliche Schäden in Kauf nehmen müssen.
Einigen wird eine Früherkennungsmaßnahme zwar helfen, aber viele wird sie schädigen: durch unnötige Gewebeentnahmen, durch Herausschneiden verdächtiger Stellen, die harmlos geblieben wären, durch zum Teil gravierende Komplikationen - und durch immer wieder monatelanges Warten auf eine abklärende Untersuchung oder eine Operation. Diese Schäden, zu denen noch der immense Aufwand an Zeit und Geld hinzugerechnet werden muss, stehen meist einem nur schlecht oder gar nicht belegten, dennoch unverdrossen in Aussicht gestellten "Retten von Leben" gegenüber. Erstmals seit ihrer Einführung vor 30 Jahren werden die Früherkennungs-programme jetzt erheblich erweitert: Seit Oktober 2002 stehen jedem Versicherten zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren zu. Noch im Jahr 2003 wird damit begonnen, alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zur Mammographie einzuladen.
Die Neuerungen sind zweifellos ein Fortschritt. Aber ist damit alles gut? Hat jetzt jeder Gesunde noch mehr als bisher die moralische Pflicht, sich abtasten und durchleuchten, sich spiegeln und analysieren zu lassen? Diese Pflicht hat er keineswegs. Jeder Mensch muss vielmehr selbst abwägen, ob er sich untersuchen lassen möchte oder nicht. Wir bieten in unserem Buch Argumente für eine differenzierende Entscheidung an.
In beide Waagschalen gehören jeweils zwei Arten von Argumenten: Die Objektiven ergeben sich aus wissenschaftlichen Studien, die herauszufinden versuchen, wie groß Schaden und Nutzen der Maßnahmen wirklich sind. Die subjektiven Argumente ergeben sich aus der eigenen Persönlichkeit. Für den einen wird die Angst vor dem Krebstod schwerer wiegen, für den anderen die unbeschwerte Zeit bis zu einer möglichen Diagnose.
Gerade Ärzte neigen dazu, die subjektiven Argumente wie objektive Größen zu behandeln, indem sie von einer einheitlichen Haltung der Patienten ausgehen - etwa dass jeder Patient eine Lebensverlängerung um jeden Preis für erstrebenswert hält. So wird auch verständlich, wieso die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe Früherkennungsmaßnahmen pauschal begrüßen. Die Entscheidung, wohin sich die Waage neigt, sollte man jedoch nicht anderen überlassen - die Konsequenzen hat man schließlich auch alleine zu tragen.

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