Aus der Amazon.de-Redaktion
Wer aus dem Untertitel Das Amerikanische Königshaus und dem Umschlagfoto im Weichzeichnerstil auf inhaltlichen Schwulst schließt, der täuscht sich. Illustriert mit einer Fülle von zum Teil erstmals veröffentlichten beeindruckenden Fotos unternimmt von Boehm in seinen klar gegliederten Porträts der wichtigsten und interessantesten Mitglieder dieser bemerkenswerten Familie den durchaus gelungenen Versuch eines Psychogramms. Selbst für den an Klatschgeschichten eher desinteressierten Leser wartet das Buch neben Altbekanntem mit einer Reihe von Überraschungen auf, die die Kennedys in ein etwas anderes Licht zu rücken geeignet sind.
Die Fraueneskapaden von John F. Kennedy beispielsweise sind ja sattsam bekannt. Dementsprechend werden sie auch nur en passant behandelt. Jeder hat das Bild des braun gebrannten Strahlemannes vor Augen, der in Saus und Braus lebte und nichts anbrennen ließ. Dass Skilehrer-Teint, Sexualtrieb, Lebenshunger und offenkundiger Fatalismus jedoch die Folgen einer tödlichen Immunkrankheit und jahrzehntelanger Medikamentensucht waren, dürfte manchem neu sein.
Oder was Bobby Kennedy betrifft, der als Rächer am organisierten Verbrechen und Hoffnungsträger der amerikanischen Outcasts zur Legende wurde, obwohl er ein glühender Verehrer des Kommunistenfressers McCarthy war und seine politische Karriere nur widerwillig auf Druck des ehrgeizigen Familienpatriarchen verfolgte: Weit weniger bekannt sein dürfte, dass es sich bei ihm um einen typischen Spätentwickler handelte, der mangelnde Begabungen in seiner Kindheit durch an Tollkühnheit grenzende Selbstüberwindung kompensierte.
Das und noch manch anderes aufschlussreiches, bisweilen auch pikantes Detail enthält dieser durchaus empfehlenswerte und vor allem auch schöne Band, der sich einigermaßen glaubhaft auf eine Fülle von Gesprächen mit Familienmitgliedern, Freunden und kritischen Wegbegleitern der Kennedys stützt. --Roland Detsch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.