Von Viktor Farkas hatte ich bisher trotz seiner vielen Veröffentlichungen noch nichts gelesen. Schade eigentlich, kann ich jetzt sagen, denn sein neues Buch enthält durchaus Fakten, die mich zum Nachdenken bringen, um nicht zu sagen, aufrütteln. Und das wollte er ja auch erreichen, wie er schon im Vorwort schreibt.
Gerade die Kapitel über das Voranschreiten der Neuen Weltordnung in Europa und Deutschland finde ich wirklich sehr, sehr wichtig. Vor lauter Global-Katastrophen könnte man nämlich leicht übersehen, dass auch hierzulande das Geschehen mit eiserner Hand vorangetrieben wird. Was ich in Viktor Farkas Buch über die neue EU-Gesetzgebung oder beispielsweise über die neue Realität des Arbeits- bzw. Arbeitslosenmarkts gelesen habe, müsste eigentlich schon ausreichen, um jeden auf die Barrikaden zu treiben.
Doch irgendwie verpufft der Eindruck bei mir dann auch wieder schnell und weicht einem allgemein-laschen Gefühl von Es ist aber auch gar nichts mehr in Ordnung. Das mag an meiner individuellen oder auch einer typisch menschlichen Eigenschaft liegen; vielleicht liegt es aber auch ein bißchen an der Art, wie Viktor Farkas dieses Buch geschrieben hat: Manches Mal hätte ich gerne noch mehr in die Tiefe geschaut, hätte gerne noch ein paar Seiten mehr dazu gelesen und lieber die ganze Geschichte erfahren, als gleich wieder ins nächste Thema gehetzt zu werden. Aufgefallen ist mir dies beispielsweise bei der Geschichte um den Genozid, den die Hutus an den Tutsis begingen. Hier weiß ich aus eigener Lektüre, dass die Fakten weit komplexer (und auch noch weit beeindruckender) sind, als der Autor sie darlegt.
Dabei ist Viktor Farkas eigentlich jemand, der sich durchaus ums Kleingedruckte kümmert gelegentlich hat man sogar den Eindruck, dies sei sein eigentliches Metier: das zähe Nachverfolgen der großen Meldungen und das Ans-Tageslicht-Zerren dessen, was sie eigentlich bedeuten. Das kann er und das tut er auch in diesem Buch. Nur schade, wenn ich als Leser mit Quellenangaben abgespeist werden, die lauten: Ende des ausführlichen Zitats aus einem interessanten Buch mit starken Worten. Ich kriege da den Eindruck, dass der Autor mir nicht zutraut, das auch selber zu lesen, was er da gerade studiert hat. Oder vielleicht sind ihm seine Quellen manches Mal so heiß erschienen, dass es ihm sicherer schien, sich nicht direkt auf sie zu beziehen? So, als wollte er, um sein Buch salonfähig zu halten, es lieber damit bewenden lassen, das Thema zwar zu nennen, aber die schlimmsten Aspekte davon dann doch lieber unerwähnt zu lassen.
Ein Blick in die Bibliographie zeigt, dass Viktor Farkas umfangreiches Material gesichtet hat und seine Themen bestimmt weitaus besser kennt, als er im Buch zeigt.
Vielleicht sollte ich es noch einmal anders zu sagen versuchen: Ich finde dieses Buch wichtig, keine Frage. Jeder sollte die vom Autor dort zusammengetragenen Themen kennen. Aber ich würde Viktor Farkas durchaus zutrauen, beim nächsten Mal ein noch besseres Buch zu schreiben; vielleicht müsste er nur sowohl sich als auch seinen Lesern mehr vertrauen, um seine Themen noch tiefer unter die Haut gehen zu lassen. Ich jedenfalls würde ihm dann als Leser erst recht treu bleiben.