Der Autor beschreibt zunächst wie sein Statement in einem Artikel der FAZ im Jahre 2007 zu einer Polarisierung der Leserschaft führte. Als Botschaft gibt Niermeyer dem Leser seines Buches nunmehr mit auf den Weg, 'nehmen Sie die strategische Herausforderung der Rollenvielfalt bewusst an, statt dem Mythos Authentizität aufzusitzen'.
In sechs Kapiteln wird dann mit dem Mythos Authentizität aufgeräumt. Wer einfach er selbst sein möchte, hat verloren. Die Zukunft gehört der Führungskraft, die ihre Rollen am Besten spielt. Niermeyer beschreibt die Vielfalt von Rollen im Berufsalltag sowie im Privatleben, die Führungskräfte täglich spielen müssen. Anhand von Prominenten wie Wendelin Wiedeking, Angela Merkel und Harald Schmidt zeigt der Autor, wie diese perfekt ihre unterschiedlichsten Rollen spielen. Soziologische Rollentheorien werden anschließend beschrieben und Handlungsanweisungen gegeben, wie man Führungsrollen besetzt, um im Unternehmen bestehen zu können. Hier hat das Buch den Charakter eines Ratgebers. Dass es nicht allein mit dem Rollenspiel getan ist, erfährt die Leserschaft im letzten Kapitel. Die Identifikation eigener Werte und die Interpretation von Führungsrollen gemäß dieser eigenen Werte werden in einer Matrix dargestellt. Wer Rollensouveränität erlangt, darf die Selbstverwirklichung aber nicht vernachlässigen lautet die Botschaft.
Schafft man es nicht Werte und Rollen dauerhaft unter einen Hut zu bringen, bietet sich noch der radikale Rollenwechsel hin zu einem zweiten Leben an. Beispiele bekannter Persönlichkeiten, die schon ab dem 40. Lebensjahr es sich leisten konnten auf die weiter Karriere zu verzichten, werden zum Schluss des Buches genannt. Ob Karlheinz Böhm, Brigitte Bardot oder der Herzchirug der mit Mitte 50 LKW Fahrer wird, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Wohl dem der diese Möglichkeit hat.
Auch wenn die unterschiedlichen Rollenerwartungen an jedermann gestellt werden und die Thematik allgemein für eine breite Leserschaft von Interesse wäre, empfehle ich dieses Buch allein Führungskräften, die über ihr eigenes Verständnis reflektieren wollen. In allen Kapiteln erhält die Leserschaft dazu auch Anregungen in Form von Fragen. Das Buch ist lesenswert. Es zeigt Erwartungen, die die Gesellschaft an Menschen stellt und hier besonders an Führungskräfte. Diese erfahren viel über die Rollen, die sie besetzen sollen, Ansprüche die an sie gerichtet werden und erhalten dazu auch Ratschläge.
(S. Rausch, Bonn)