"Mythos Amazonas" präsentiert uns ein paar Einblicke in eine der artenvielfälltigsten Region der Welt.
Man kann etwas über die Entstehung des Amazonasbeckens erfahren, lernt was über die Entstehung der Arten und dass Charles Darwin wohl nicht der einzige war der sich zu der Zeit diesbezüglich einige Gedanken gemacht hat, bekommt interessante Bilder von Tieren und Naturvölker der Region geboten und wird aber auch mit vorherrschenden Problemen konfrontiert.
Die Dokumentation besteht aus 3 Teilen a ca. 45 min. Das ist natürlich ziemlich wenig um umfassend auf diese Region eingehen zu können. Alleine über die einzelnen Themen wie Tierwelt, Naturvölker, Geschichte oder Umweltschutz könnte man eine um ein vielfaches längere und ausführlichere Dokumentation machen. So könnte man einzelne Themen natürlich genauer beleuchten und gezielter auf Interessen ausrichten. Dennoch ist es den Machern meiner Meinung nach gut gelungen alles unter einen Hut zu packen und einen groben Eindruck zu vermitteln.
Natürlich bleibt so aber Manches auf der Strecke. Im Tierbereich zum Beispiel die Anakonda oder die Piranhas, zwei Amazonasberühmtheiten die gar nicht mal auftauchen. Die meisten anderen Akteure wie Jaguar, Delphin oder Riesenotter kann man nur ganz kurz bewundern und bekommt nur einige spärliche Informationen dazu. Das ist zwar schade, aber es gibt ja noch genug weniger bekannte aber nicht minder interessante Geschöpfe zu bewundern.
Die Informationen sind etwas knapp gehalten aber es gibt sicher für jeden etwas interessantes zu erfahren und zu sehen. Seis über das Fortpflanzugsverhalten von Tamarinen, die Tanz- oder Flug-künste einiger Vögel, die Brutpflege von gewissen Fröschen oder die Augentropfen aus der grössten Drogerie der Welt. Auch bekommt man vermittelt, dass es noch sehr viel zu lernen gibt. Vieles ist treffend zum Titel noch unbekannt und misteriös. Man kann noch diverse neue Tierarten oder nützliche Pflanzenwirkstoffe entdecken und es gibt noch viele offene Fragen was zum Beispiel das "Zusammenleben" gewisser Frösche mit Ameisen in deren Bau betrifft.
Manche Aussagen empfand ich jedoch etwas störend. Ich bin kein grosser Fan von wertenden Aussagen wie "...ist der imposanteste Jäger" oder "...die Auffälligsten unter den Gefiederten sind sicher die...." oder "..Vogelspinne, wohl der am meisten gefürchtete Achtbeiner". Mal abgesehen davon, dass sich ein erfahrener Tierkenner in der Region wohl eher von der weit aus gefährlicheren Bananenspinne fürchten würde, find ich solch subjektiven Äusserungen ziemlich unangebracht... aber das alleine würde nicht weiter ins Gewicht fallen. Etwas mehr nerven dann schon spekulative Aussagen wie "Pekaris sollen schon Jaguare getötet haben." Entweder ist es ein Fakt und dann kann man das auch so formulieren oder ansonsten besser weglassen. Was aber ganz schlimm ist, ist wenn auf einer DVD total verschiedene Angaben an verschiedener Stelle über das gleiche Tier gemacht wird... Im ersten Teil wird gesagt: "...einer der grössten Süsswasserfische überhaupt, der Pirarucu. Er kann bis zu 2,5 Meter lang und 200kg schwer werden." und in Teil 3 kann man folgendes erfahren: "...lebt der grösste Süsswasserfisch der Welt, der bis zu 5 Meter lange Pirarucu.". Ist es nun der Grösste? Wird er jetzt bis zu 2,5 Meter lang oder doch bis zu 5? Das kommt nicht ganz so professionell daher. Alles in allem halten sich die etwas störenden Aussagen aber in Grenzen, da gibts massenweise schlimmere Dokus diesbezüglich.
Erstklassig sind wirklich einige Bilder. Luftaufnahmen, Makroaufnahmen oder Zeitlupenaufnahmen wissen zu überzeugen und können meiner Ansicht nach mit manch einer Topdoku von BBC mithalten. Auch die Sounduntermalung ist stimmig und erinnert an solche.
Manche Aufnahmen und Geschichten sind natürlich schwer zu bekommen, daher wurde wie in vielen Dokus üblich auch hier manche Szene gestellt, oder versucht mit Schnitten eine Geschichte zu erzählen. Meiner Meinung nach manchmal auch etwas zu Auffällig oder plump.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sehe ich auch in Teil drei. Ich kann der Rezension von bubsi nur voll und ganz zustimmen. Das sich der Filmmacher zwischendurch präsentieren und seinen Senf dazu geben will kann ich ja irgendwie schon verstehen, allerdings gehör ich auch zu denen die lieber nur der Stimme des Kommentators horchen. Auch gehör ich eher zu den Leuten die lieber Naturaufnahmen geniessen als mit den negativen Themen, deren ich mir schon lange bewusst bin, konfrontiert zu werden. Leider aber sind die angenehmen Aufnahmen die immer wieder dazwischengestreut werden oft die Selben die man schon zuvor in Teil 1 und 2 gesehen hat, was Teil 3 für mich ziemlich überflüssig macht. Ich kann aber natürlich verstehen das man ein Bewusstsein für die Probleme schaffen muss und das ist auch gut so.
Fazit:
Eine interessante Dokumentation über die Amazonasregion, deren Entstehung, Bewohner und Probleme. Kleinere Schwächen bei der Inszenierung haben mich dazu bewogen, einen Punkt abzuziehen. Nichtsdestotrotz lohnt sich "Mythos Amazonas" alleine schon wegen der Bilder.