Mit dem Zauberer bringt Gene Wolfe seine zweibändige Reihe, die mit dem Ritter ihren Anfang nahm, zu Ende und es gelingt ihm das Niveau des Vorgängers zu halten, sogar zu steigern. Dies liegt vor allem daran, dass "der Zauberer" etwas besitzt was seinem Vorgänger selbst abging: Einen dichten roten Faden. Der wird aber in der ersten Hälfte des Buches nicht durch den Hauptprotagonisten Sir Able getragen, sondern durch Nebenfiguren aus dem Vorgängerband, die aber scheinbar auch nichts anderes zu sein scheinen als schizophrene Ausgeburten von Arts(der junge Mann der diese Geschichte in Form eines Briefes aus der Ich-Erzählperspektive aufschreibt. Das vergisst man aber aufgrund des "magischen" Schreibstils nur allzu schnell, da es Wolfe wie auch schon im Vorgänger gelingt, trotz Mangel an ausgeschriebenen Emotionen, die Figuren auf Grund ihrer ausschweifenden Gedankengänge und der Interaktion mit den anderen sehr lebendig wirken zu lassen) Persönlichkeit sind und scheinbar nur deswegen die Handlung vorantragen, da er sich in der nun geradezu übermächtigen Haut seiner Überpersönlichkeit "Sir Able" nicht mehr wohl zu fühlen scheint.
Dies legt sich jedoch im Laufe der Zeit und Able selbst rückt nun wieder in das eigentliche Licht der Handlung, in der alle losen Fäden aus dem ersten Teil logisch und konsequent zusammengeführt werden und schlussendlich zu einem Happy End führen, welches jedoch bei genaueren Lesen, sich im Grunde als das genaue Gegenteil herausstellt, was aber auch wieder rein vom Blickwinkel des Betrachters abhängt.
Wie auch der Ritter kann man den Zauberer auf vielschichtige Art und Weise lesen. Mal als schönes Märchen im Stile klassischer Rittergeschichten, in denen es um Ehre, Liebe und ehrenvolle Kämpfe (von dem es übrigens noch mehr als im Vorgänger gibt) geht. Dann wieder als psychologische Charakterstudie des jugendlichen, unsicheren Autors, der sich aus Furcht vor dem realen Leben in diese brutale, gnadenlose Fantasiewelt flüchtete und sich dort indirekt mit seinen eigenen Wünschen, Ängsten und Perversionen auseinandersetzt, um schlussendlich zu erkennen, dass er dort nicht ewig bleiben kann. Dem Einen mag das Gefallen, dem Anderen weniger. Auch die nun noch deutlich werdendere Bezüge auf die nordische Götterwelt und der Sage um König Arthurs Tafelrunde( an manchen Stellen deutlich zitiert), werden wohl nicht jedermanns Nerv treffen, genau wie die manchmal wirr erscheinenden(Aus Fieberträumen des verletzten Art geboren?) Textpassagen und Andeutungen, die einem wie schon im Vorgängerband sich verwirrt am Kopf kratzen lassen und dem unvorbereiteten Leser dazu bringen könnten das Buch verärgert aus der Hand legen.
Wer jedoch den Ritter schon liebte oder zumindest interessant fand, wird mit dem Zauberer mehr als nur hervorragend bedient sein und sich erneut von der sagenumwobenen Welt Mythgarthr bis zum Ende verzaubern lassen und es mit dem Gefühl ein Meisterwerk moderner Literatur gelesen zu haben, zufrieden lächelnd aus der Hand legen.