Das Buch "Mythen und Rituale des Alevitentums" von Haki Gürtas
Auf dem Buchdeckel heißt es: "Die Intention des vorliegenden Buches liegt darin das Wesen des Alevitentums und die im Ritual verborgende alevitische religiöse Weltansicht mit Hilfe der religionssoziologischen Analyse der zentralen Mythen und Rituale zum Sprechen zu bringen, um zu zeigen, dass das Alevitentum nach seiner Deutung sucht."
Es ist sicher interessant zu lesen, welche Elemente im Alevitentum auch in anderen Religionen und Weltanschauungen zu finden sind. Das finde ich sehr aufschlussreich. Allerdings wirkt es stellenweise sehr verkrampft wie der Autor versucht alles und jedes aus dem Zoroastrismus zu reflektieren. Doch bei der Beschneidung von Jungs muss er dann auch passen. Immer wenn es doch islamische Inhalte sind, interpretiert er dies mit dem Druck der sunnitischen Mehrheitsgesellschaft. Fragt sich nur: Wenn aber das Alevitentum schon immer im Verborgenen und Geheimen gelebt werden musste, warum die Notwendigkeit sovieles daraus "zu übernehmen"?!
Einige Aspekte ließen sich wahrscheinlich auch besser nachvollziehen, wenn sie einem Gedankenstrang folgten. Der Autor springt zu oft in kürzesten Abschnitten, so dass es schwer wird ihm zu folgen.
Besonders interessant sind die Kapitel zum Menschen- & Gesellschaftsbild im Alevitentum: "[...]Der Grundstein des platonschen Staates ist der gerechte Mensch, der mit sich in einem harmonischen Einklang steht. Das alevitische Gesellschaftsmodel wird ebenso von dem Menschen abgeleitet, der mit sich selbst im Einklang steht. Es wird der individuelle Einklang auf das Gesellschaftsmodell übertragen. [...]
Und das Kapitel "Der Glaube an die absolute Autonomie des Individuums" beschreibt die Art und Weise wie sich Gott dem Aleviten darstellt so gut, dass ich eigentlich das ganze Kapitel zitieren müsste.
Für jeden, der sich mit dem Alevitentum näher beschäftigt, ist dieses Buch lesenswert.