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Mythen des Alltags
 
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Mythen des Alltags [Taschenbuch]

Roland Barthes
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Mythen des Alltags
OA 1957 DE 1964Form Sachbuch Bereich Soziologie
Was haben Beefsteak und Pommes frites, Albert Einsteins Gehirn und Citroën, Plastik, Jean Racine und der Striptease gemeinsam? Die auf den ersten Blick banalen Erscheinungen der Medien sind die Mythen des Alltags, deren Zeichencode Roland Barthes in seinen Untersuchungen zu entziffern suchte. Darüber hinaus entwickelte er die Zeichentheorie des Linguisten Ferdinand de Saussure (1857–1913) weiter und stellte die Verkettung von Konsumwelt und (sozialen) Machtverhältnissen dar.
Inhalt: Barthes hebt in seinen 19, in den Jahren 1954–56 entstandenen Essays hervor, dass der Wirklichkeit der zeitgenössischen Medien durch Zeichen eine Natürlichkeit verliehen werde, welche die geschichtlichen Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen leugne. So kritisierte er in seinem Text über die Pariser Fotoausstellung Die große Familie der Menschen den gesetzten Mythos einer »identischen Natur«, der den verschiedenartigen Völkern auf den Fotos unterstellt wird. Durch die Gleichsetzung der Menschen würde die historische Bedingtheit der gegenwärtigen Situation (Kindersterblichkeit, Arbeitsbedingungen etc.) geleugnet. Mit Beispielen aus allen Lebensbereichen wird dem Leser deutlich gemacht, dass das Schweigen über bestimmte Sachverhalte und die vereinfachende Gleichsetzung komplizierter Phänomene einer Leugnung derselben gleichkommt.
Anhand des Titelbildes eines Magazins, das einen schwarzen Soldaten in französischer Uniform beim Salutieren vor der Trikolore zeigt, erklärt Barthes die fortwährende Bestätigung und Verteidigung des französischen Kolonialismus durch die Gesellschaft sowie die Tatsache, dass alles zum Mythos werden kann, wenn sich die Gesellschaft diesen Mythos zum Zweck einer bestimmten Botschaft aneignet.
Um ursprüngliche Zusammenhänge aufzulösen und dem Leser eine neue, unverbrauchte Sehweise zu ermöglichen, die den behandelten Gegenstand schließlich aus dem Bann des Mythos befreit, zieht Barthes in seinen Essays ungewöhnliche Vergleiche. Das Zeichensystem des Autos setzt er mit dem der großen gotischen Kathedralen gleich, aus Plastik wird bei ihm eine alchimistische Substanz.
In einem Essay widmet er sich dem Gesicht der Garbo, in einem anderen den »eigensinnigen Haarfransen«, die Die Römer im Film als Zeichen ihrer Herkunft tragen. Neben den Haarfransen sei das unaufhörliche Schwitzen des »römischen Volkes« ein »bastardhaftes Zeichen« für die »Intensität seiner Erregung und die rohe Natur seines Standes«. Mit solchen Beispielen zeigt Barthes, wie die Zeichen der Alltagsmedien übertreiben und zugleich doch ergänzungsbedürftig sind.
Wirkung: Barthes hat es mit seiner humorvollen Analyse populärer »Mythen« geschafft, die Grenze zwischen Hoch- und Massenkultur zu durchbrechen sowie eine breite Leserschaft für sich zu gewinnen. Die von ihm entwickelte Zeichentheorie hat internationale Anerkennung gefunden. Wissenschaftler und Schriftsteller wie Umberto R Eco und der US-amerikanische Körperzeichenanalytiker Greil Markus (*1945) wurden durch seine Schriften beeinflusst. Barthes regte die Erforschung der Volkskultur in den europäischen und US-amerikanischen Kulturwissenschaften entscheidend an. S. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Pressestimmen

"Für weniger als den Preis einer Schachtel Veronal erhält man Auskunft über Billy Graham. "The Family of Man", Einsteins Gehirn, Beefsteak und Pommes Frites, das Gesicht der Garbo, den neuen Citroen." Harun Faroqhi, Spandauer Volksblatt, 16. Mai 1965

Kurzbeschreibung

»Für weniger als den Preis einer Schachtel Veronal erhält man Auskunft über Billy Graham. >The Family of Man<, Einsteins Gehirn, Beefsteak und Pommes Frites, das Gesicht der Garbo, den neuen Citroen.« Harun Faroqhi, Spandauer Volksblatt, 16. Mai 1965

Über den Autor

Roland Barthes (1915-1980), einer der bedeutendsten Kritiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist als einer der Initiatoren und Vorkämpfer der semiologischen Revolution bekannt geworden - und für ein Werk, in dem sich biographisches Material und wissenschaftlicher Ansatz miteinander verflechten. Einen heute relativ unbekannten Teil seines Werkes verfaßte er in den fünfziger Jahren. Zu dieser Zeit war Roland Barthes aktiv beteiligt an der Gründung und dem Erscheinen der Zeitschrift "Teatre populaire", eines ebenso ästhetischen wie politischen Phänomens. Anfang der sechziger Jahre gibt Barthes das Theater auf, er besucht es nicht mehr, er schreibt so gut wie keinen Artikel mehr über Aufführungen. Aber er ist langfristig von seiner Erfahrung geprägt: "Im Herzen meines Werks, das Theater".Er starb am 26. März 1980 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Zuletzt hatte er am Collège de France einen Lehrstuhl für Semiologie.

Auszug

Viele Missionare haben uns von den religiösen Bräuchen der primitiven Völker berichtet. Es ist sehr bedauerlich, daß kein Zauberer der Papuas im Velodrome d' Hiver anwesend war, um uns seinerseits von der Zeremonie zu erzählen, die Dr. Graham dort geleitet hat und die sich Evangelisationskampagne nennt. Dabei gibt es dort doch ein schönes anthropologisches Material, das im übrigen von den Kulten der "Wilden" geerbt worden zu sein scheint, da man darin auf eine unmittelbar ansichtige Weise die drei großen Phasen jedes religiösen Aktes wiederfindet: Erwartung, Suggestion, Initiation.

Billy Graham läßt auf sich warten: Gesänge, Anrufungen, hundert nutzlose kleine Ansprachen von Nebenpastoren oder amerikanischen Impresarios (joviale Vorstellung der Truppe: der Pianist Smith aus Toronto, der Solist Beyerley aus Chicago, Illinois, »der Künstler vom amerikanischen Rundfunk, der das Evangelium auf eine wunderbare Weise singt«), ein ganzes Reklameprogramm geht Dr. Graham voraus, der immer wieder angekündigt wird und der nicht erscheint. Dann kommt er endlich, aber nur um die Neugier noch zu steigern, denn seine Rede ist noch nicht die richtige, er bereitet, lediglich das Kommen der Botschaft vor. Und andere Intermezzi verlängern noch das Warten, heizen den Saal ein, geben im voraus dieser Botschaft eine prophetische Bedeutung, die nach den besten Schauspiel-Traditionen damit anfängt, sich begehren zu lassen, um schließlich desto leichter zu bestehen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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