Das Buch "Mystik und Widerstand" von der am 27.04.2003 verstorbenen Dorothee Sölle, stellt einen hervoragenden Einstieg dar, um sich mit Mystik zu beschäftigen. In akribischer Kleinarbeit und Genauigkeit werden hier von ihr die Quellen dargeboten und ein geschichtlicher Überblick über die Entwicklung der Mystik geboten, der vermutlich seines Gleichen sucht. Dies geschieht zwar theoretisch und wissenschaftlich, und mag demjenigen/derjenigen etwas trocken vorkommen, der/die nicht gewohnt ist wissenschaftliche Texte zu lesen. Dieses scheinbare Manko wird aber durch die reichhaltigen Zitate wieder wettgemacht. Man wird beim Lesen neugierig, den einzelnen Frauen und Männern nachzugehen, und dazu angeregt sich die Primärtexte der MystikerInnen zu besorgen. Mich hat überrascht, wie weiträumig Dorothee Sölles Denken (und Herz) es schafft einen Bogen zu schlagen von Franz v. Assissi, über C.S. Lewis, Martin Buber, Thoreau, Mahatma Gandhi, Dorothy Day, Thich Nhat Hanh, Simone Weil, um nur eine Auswahl der bekanntesten MystikerInnen zu nennen. Damit liefert sie einen bedeuteten friedenstiftenden Beitrag für den so nötigen Dialog der Religionen. Sie beschreibt Orte, an denen mystische Erfahrungen gemacht werden können: "Natur, Erotik, Leiden, Gemeinschaft, und Freude". Mystik erschöpft sich jedoch nicht in Meditation im "stillen Kämmerlein", sondern bewährt sich im verantwortlichen Handeln in der Gesellschaft.
Durch die reichhaltigen Zitate und Quellenangaben, dient das Buch auch zum Nachschlagen, angeleitet durch ein umfangreiches Namensregister. Ein sehr empfehlenswertes Buch!