Diesem Buch liegt eine kontroverse Debatte um den Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger in der kritischen christlichen Zeitschrift "Publik-Forum" zugrunde. Auslöser und Hintergrund dieser Debatte sind die revolutionären theologischen Aussagen Jägers, die nicht in altbekannter, dogmatischer Weise jeweils nur das eigene religiöse Verständnis für absolut sehen und damit alle anderen als falsch oder zumindest minderwertig, sondern die endlich die Gräben und Widersprüche im Zusammenhang mit der Religion zu einem wirklichen Frieden hin umfassend überwinden.
Das ist jedoch gerade mit dem herkömmlichen Selbstverständnis des Judentums, Christentums und Islams nicht vereinbar. Deren Religions- und Wahrheitsverständnis ist von einem dogmatischen Ausschließlichkeitscharakter geprägt, dessen Widersprüche sich bis heute auch im Zusammenleben der Menschen im sogenannten "Heiligen Land" zeigen. Jäger lehrt dagegen in der Verbindung von alten christlich-mystischen Traditionen, wie der des christlichen Mystikers, Theologen und Philosophen Meister Eckhart und der fernöstlichen Tradition des Zen, ein umfassend neues religiöses Verständnis, das alle Gottesbilder als bloße Mythen entlarvt und das darin historisch zu nennen ist. Jäger geht das allerdings nicht von einer intellektuellen Aufklärung her an, sein Hinausgehen über das Erzählbare, Vorstellbare und Bildhafte der Mythen betrifft letztlich auch das Intellektuelle allgemein und definiert darin, genau wie schon bei Eckhart und der antiken neuplatonischen Philosophie, das Mystische (was gerade bei Eckhart und der neuplatonischen Philosophie aber nicht heißt, dass das Intellektuelle dabei keine Rolle mehr spielt). Das Göttliche lässt sich in keiner Vorstellung und keinem Bild fassen, schon gar nicht in einer dogmatischen Weise. Dieser mystische Weg ist, was Ludwig Marcuse über Eckhart feststellte, "aufgeklärter als die Aufklärung". Darin überwindet Jäger das dogmatische (christliche) Gottesbild in aller Konsequenz, indem er die Personalität Gottes, das Gottmenschentum von Jesus ("Jesus war ein Mensch wie wir") und die Hoffnung auf eine personale Auferstehung nach dem Tod verneint.
Die personalen Gottesbilder dienen letztlich der Absolutsetzung und Vergöttlichung der menschlichen Personalität und sind darin für Jäger ein Ausdruck des menschlichen Egobewusstseins (Vgl. "Die Welle ist das Meer" 2007, S. 97-111). Bei Jäger geht es nicht um die elitäre Absolutsetzung der menschlichen Personalität im Gegenüber zu einem personalen Gott nach dieser Welt, sondern um den geistigen Vollzug eines einheitlichen, apersonalen göttlichen Urgrundes im Hier und Jetzt. Der personale Gott ist dazu nicht nur nicht mehr nötig, sondern sogar hinderlich. Der Mensch ist in diesem Verständnis genauso vergänglich wie jedes andere weltliche Sein auch, nach Jägers Worten wie eine "Welle im Meer". Diese tiefe Verbundenheit mit allem Sein statt eines anthropozentrischen Egoismus ergibt ein völlig neues Selbst- und Weltverständnis, das auch philosophisch eine grundlegende Wende vom Dualismus zum Monismus vollzieht.
Dieses religiöse Verständnis steht nicht mehr im Widerspruch zur modernen Naturwissenschaft, das gilt nach Jägers Aussage für die Quantenphysik, aber auch die Evolutionstheorie vermittelt nur auf andere Weise im Grunde dasselbe wie Jäger, nämlich dass alles Leben und Sein einer einheitlichen Wurzel entspringt und auf einer tieferen Ebene diese Einheit nie verlassen hat. Der religiöse Glaube steht hier zum ersten Mal nicht mehr im Widerspruch zu den objektiv wahren Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft und der aufgeklärten Philosophie und erweist sich darin selbst als objektiv wahr. Vor allem aber überwindet Jäger die tiefen Gräben und Widersprüche zu anderen Religionen, selbst zu so entfernten wie dem Buddhismus. Die Grenze zwischen wahr und falsch verläuft bei ihm nicht mehr zwischen den verschiedenen Religionen, sondern mitten durch alle Religionen, genauer gesagt zwischen Mystik und Dogmatik.
Auch für die Zukunft des modernen Menschen in der globalisierten Welt bietet Jäger im Gegensatz zur herkömmlichen Religion wirkliche Antworten und Auswege. Denn die momentane Entwicklung ist für Jäger von demselben tiefen Egozentrismus geprägt wie das ihr zugrundeliegende dogmatische religiöse Verständnis und Weltbild, in dem sich der Mensch von dem Schicksal der ihn umgebenden Welt und anderer Menschen existentiell abgehoben wähnt. Die momentane Entwicklung des Menschen ist daher für Jäger eine Sackgasse. Er plädiert für "eine vollkommen neue Sicht von Welt und Mensch", die an die Stelle "eines naiven Homozentrismus und Geozentrismus treten könnte" ("Das Leben endet nie", 2010 S. 32).
Diese umwälzenden und aufgeklärten Positionen und Problemlösungen, die Jäger bietet, fordern eigentlich eine intensive Debatte und Auseinandersetzung heraus. Doch bezeichnenderweise wird die dem Buch zugrundeliegende Debatte nicht von diesen problemlösenden Neuerungen bestimmt, sondern es geht darin um ein eher nebensächliches Thema: Da nach Jäger alle weltlichen Phänomene dem einheitlichen göttlichen Urgrund entstammen, gilt das natürlich auch für das Böse. Jäger wird aufgrund dieser Aussage vorgeworfen, dass er dadurch "Holocaust und Tsunami auf dieselbe Ebene stellt" und "Gut und Böse" nicht mehr zu unterscheiden vermag, so dass er sich von der Ethik verabschiedet hat und ihm die "spirituelle Reife" abgesprochen werden muss.
Auch darüber hinaus findet nur der Beitrag des Qigong-Lehrers Speer etwas Positives an Jägers Lehre, von christlicher Seite aus sind die Beiträge dagegen, bis auf den von Seitlinger, der die Differenzen nur in sprachlich bedingten Missverständnissen sieht, strikt ablehnend. Der ebenfalls zum Zen-Meister ernannte Pallotinerpater Kopp vertritt in seiner Zen-Darstellung den Gegenpol zu Jäger, indem er unbeeindruckt an den christlichen Dogmen festhält (der Schlusssatz seines Beitrages als Gebet für den Frieden in der Welt kann aber nur einen Frieden meinen, der in der umfassenden und endgültigen Verbreitung der eigenen Dogmatik besteht). In dem Buch wird dabei sogar wiederholt suggeriert, in der Debatte durch Peters und in den vertiefenden Beiträgen dann auch durch Baatz und Rutishauser, dass Jägers Lehre zu den schlimmsten Verbrechen führt, die heute vorstellbar sind, nämlich zu Totalitarismus und Holocaust. Rutishauser bringt die Jäger vorgeworfene fehlende Unterscheidung zwischen Gut und Böse direkt mit dem Antisemitischen in Verbindung.
Der die Debatte und das Buch bestimmende moralische Vorwurf an Jäger mit seinen abwegigen politischen Bezügen wird dabei allein über den verwendeten Begriff "Einheit" hergestellt. Also, da Jäger vom göttlichen Urgrund als Einheit spricht, ist dies den Kritikern nach mit den Gleichschaltungen und Vereinheitlichungen im Totalitarismus und seinen Folgen gleichzusetzen. So heißt es etwa in den vertiefenden Beiträgen bei Baatz: Wer in der buddhistischen Terminologie statt des Begriffes »Nicht-Zweiheit« den Begriff »Einheit« verwendet und zu sehr betont, "ordnet damit Mannigfaltigkeit und Diversität der »Einheit« unter" und "sät ungewollt Keime des Totalitarismus". Diese Logik ist genauso absurd als würde jemand, der von der "Flamme" einer Weihnachtskerze spricht, allein deswegen des Völkermordes verdächtigt, weil ja beim Holocaust die Opfer in "Flammen" umgekommen sind.
Es geht offenbar nur darum, irgendwie und fernab jeder sachlichen Begründbarkeit einen Bezug zwischen diesem neuen religiösen Verständnis und den bösesten Übeln der Menschheit herzustellen, um den Gegner auf emotional geprägte Weise zu diskriminieren. Hier zeigt der Dogmatismus sein eigentliches Wesen, denn es fehlt ihm naturgemäß die Fähigkeit zu einer geistigen, demokratischen, selbstkritischen, konstruktiven und sachlichen Auseinandersetzung und Weiterentwicklung.
Der Vorwurf an Jäger, dass durch die Loslösung der Ursächlichkeit und der Unterscheidung zwischen "Gut und Böse" vom dogmatischen Göttlichen die Ethik verlorengeht und es zu den größten menschlichen Katastrophen kommt, ist zudem nicht nur falsch, sondern es verhält sich genau andersherum. Denn aus einer entmythologisierenden und evolutionären Sicht besteht das Böse aus nichts anderem als aus unangepassten Verhaltensweisen, die zu früheren Zeiten in der Entwicklung des Menschen einmal "gut" und angepasst waren. Erst durch die Kenntnis dieser eigentlichen, natürlichen Zusammenhänge werden die Probleme dann wirklich lösbar. In dieser Weise hat es schon einmal eine ähnliche Loslösung gegeben, nämlich die von dem früheren Glauben, dass Krankheiten Strafen Gottes seien (wie es manche etwa im Falle von Aids immer noch glauben). Auch hier hat die Loslösung der vermeintlichen Erklärung vom dogmatischen Göttlichen nicht dazu geführt, dass dadurch zwischen "Gesund und Krank" nicht mehr unterschieden werden kann, so dass es zu den größten vorstellbaren Seuchen kommt, sondern es trat genau das Gegenteil davon ein. Die großen früheren Seuchen und Krankheiten wurden durch Kenntnis der natürlichen Zusammenhänge mittels moderner Naturwissenschaft und Medizin endlich besiegt.
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