Wohl kaum eine andere Band polarisiert ihre Anhängerschaft so wie A.R.P. Bei jeder CD-Neuerscheinung ist man entweder enttäuscht, wieder einmal das Gleiche zu hören oder aber total begeistert, dass sich der Gitarren-Maestro musikalisch um keinen Zentimeter weiterentwickelt hat. Ich selbst bin A.R.P. Fan und habe die Gruppe schon diverse Male live gehört, ordne mich aber irgendwo zwischen diesen beiden Extremen ein. Kurzum: Ich würde mir schon wünschen, dass Axel mal etwas Neues ausprobiert, es muss ja kein Stilbruch sein, ansatzweise würde schon genügen, aber darauf wartet man auch bei Mystica vergebens. Der seit Ende der 90er Jahre mit Oceans Of Time eingeschlagene Weg wird konsequent weitergeführt und vervollkommnet. Dachte man, mit Kings and Queens wäre das Ziel wohl erreicht, muss man nun feststellen, dass es doch noch weitergeht. Dafür gibt es von mir ein grosses Kompliment, denn das neue Album fällt gegenüber dem grossartigen Vorgängeralbum Kings and Queens kaum ab. Betreffend Abmischung und Soundqualität ist diese CD sogar noch besser gelungen. Was mich jedoch leider in zunehmendem Masse stört, sind die zwar über die Jahre immer ausgeklügelteren und verfeinerten Soli des Gitarrenmeisters, die jedoch allesamt irgendwie gleich klingen und teilweise den Charakter des einen oder anderen gut komponierten Songs verwaschen. Gut, das ist halt Axel`s unverkennbarer Stil, dafür mag man ihn oder eben nicht. Dennoch ist weniger manchmal etwas mehr. Aber nun im Einzelnen zur neuen Scheibe:
Nach dem üblichen kurzen Intro The mysterious return folgen einige wirklich einprägsame Stücke mit mittlerem bis schnellem Tempo. Rock the nation sowie Living a lie und Losing the game dürften wohl Stücke für die Live Performance werden, genauso wie mein persönlicher Anspieltip Mystica, der fast schon Ohrwurmcharkter hat. Natürlich darf zwischendrin die eine oder andere Ballade nicht fehlen. Hier offenbart sich, wenn überhaupt, eine kleine Schwäche zu den diversen Vorgängeralben: No chance to live und Haunted castle serenade fallen für mich doch gegenüber einigen so tollen Balladen der vergangenen Jahre wie z.B. Silent Angel, Ashes from the oath oder Sea of evil ab, ohne jedoch wirklich schlecht zu sein.
Curse of the damned ist der krönende Abschluss dieses gelungenen Werkes, eine Mischung aus Ballade und Midtempo-Stück, welche so etwas wie die gesamte 17-jährige Schaffenszeit des Wattenscheiders ausdrückt. Insgesamt ist diese Scheibe wie ihr Vorgänger deutlich rockiger abgemischt als Shadow Zone, welches für mich persönlich rückblickend wohl sein schwächstes Album der letzten 10 Jahre ist (aber immer noch gut genug, wohl ein Ausdruck von Axel`s damaliger Beziehungskrise).
Mystica ist für alle A.R.P Fans ein MUSS, Einsteiger sind möglicherweise mit dem mittlerweile preislich vorteilhaften Kings and Queens, Masquerade Ball oder Oceans of Time vorerst besser bedient. Leider konnte jedoch nicht die Originalität und Variabilität (ja, dort kann man sie zumindest vereinzelt hören !) von Black Moon Pyramid erreicht werden, die bzgl. Soundqualität dafür leider nicht an die Folgealben heranreicht. Dafür gibt`s von mir letztlich 4 Sterne.