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Mystery Train ist nicht nur der Titel des Films, sondern auch eines Elvis-Presley-Songs, der in den legendären Sun Records Studios von Sam Phillips aufgenommen wurde. Der Titel verweist also auf die geschichtsträchtige Vergangenheit von Memphis und es ist sinnigerweise ein Zug mit dem die beiden japanischen Rock'n'Roll-Touristen Jun (Masatoshi Nagase) und dessen quirlige Freundin Mitzuko (Youki Kudoh) in der Stadt einrollen. Sie werden nach einem Besuch in Graceland und in den genannten Studios schließlich im schäbigen Arcade Hotel absteigen, das für alle möglichen Nachtgestalten als Durchgangsstation dient.
Das Arcade Motel ist für Jarmusch das einzig wirklich verbindende Element zwischen den drei Episoden die seinen Film ausmachen. Ist Memphis für die Besucher aus Fernost ein Ort der Mythen und Ziel ihrer Pilgerreise, landet die junge italienische Witwe Luisa (Nicoletta Braschi) aus ganz anderen Gründen in der Stadt. Sie wünscht sich den Morgen herbei, um endlich die Leiche ihres Mannes zurück nach Rom zu begleiten. Elvis ist für sie nur Anlass zum Schmunzeln, wenn ihr ein Wirrkopf in einem Coffee Shop einen Kamm zeigt, der ihm erst kürzlich vom trampenden King anvertraut wurde.
Luisa lässt sich schließlich von der Amerikanerin DeeDee (Elizabeth Bracco) bequatschen. Gemeinsam teilen sie sich im Arcade ein Zimmer. Dort taucht in der dritten Episode auch DeeDees Freund Johnny (Joe Strummer von The Clash) polternd auf. Im Schlepptau seinen Kumpel Will (Rick Aviles) und DeeDees Bruder Charlie (Steve Buscemi). Die drei kommen von einem Überfall auf einen Getränkeladen und schlüpfen im Hotel für ein paar Stunden unter. Über ihnen, schwebend, ein Porträt von Elvis, vor sich ein Arsenal an Alkoholika und eine Waffe.
Es gibt in Mystery Train kein Ankommen im erzählerischen Sinn. Jeder Versuch, dem Film auf struktureller Ebene beizukommen, ist verlorene Liebesmüh. Es scheint, als verlange Jarmusch vom Zuschauer lediglich die Sensibilität, das Gezeigte auf sich einwirken zu lassen. Das Faszinierende an Mystery Train ist dann auch das offene Konzept, dass uns eine Zeit lang zu Beobachtern macht, bevor die Figuren und mit ihnen ihre Geschichten weiterziehen. In unseren Köpfen jedoch bleiben sie noch für lange Zeit lebendig. --Thomas Reuthebuch
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Endlich: Jarmusch-Klassiker in schöner DVD-Edition,
Rezension bezieht sich auf: Mystery Train (DVD)
Na also: Nun sind auch in Deutschland die früheren Jim-Jarmusch-Filme endlich komplett auf DVD zu erhalten. Nach "Down by Law" vervollständigen "Stranger than Paradise" und "Mystery Train" die Serie. "Mystery Train" hat zwar nicht ganz den Charme der beiden anderen Filme, doch sind auch hier alle Zutaten enthalten, die Jarmusch-Streifen ihren eigenen, uverwechselbaren Charakter geben: Die gewohnt grandiosen Aufnahmen von Kameramann Robby Müller (hier erstmals in Farbe), von denen man sich jede einzelne sofort als Poster aufhängen würde; liebevoll gezeichnete, oft skurrile Figuren, die heimatlos durch verlassene amerikanische Landschaften schreiten (oder in diesem Fall: die irgendwarum stets menschenleere Stadt Memphis); coole Soundtracks, diesmal von John Lurie (aber auch Tom Waits ist wieder mit von der Partie: seine Stimme ist aus dem Radio zu hören); wenige, trockene und oft sehr komische Dialoge.Es handelt sich um einen Episodenfilm im Stile von "Night on Earth", der drei Geschichten aus Memphis erzählt, der Heimatstadt des "Sun Studios", in dem unter anderem "The King" einige legendäre Stücke aufnahm. Elvis ist denn auch das Leitmotiv, das immer wieder in verschiedenen Formen auftaucht. Im Mittelpunkt stehen - wie in "Down by Law" und "Stranger..." - stets nichtamerikanische Figuren (aus Japan, Italien, England), die den Jarmusch-typischen ironischen Blick auf Amerika ermöglichen. Ein Pistolenschuss am frühen Morgen verknüpft die drei Episoden, die nacheinander erzählt werden, sich aber gleichzeitig abspielen. (Irgendwie habe ich immer den Verdacht, dass Quentin Tarantino hier bei Jarmusch gelernt hat.) Die DVD bringt den Film in absolut zufriedenstellender Qualität. Das Menu wirkt allerdings etwas ungeschickt: Irgendwie soll das wohl alles nach Aufwand aussehen, darum schweben die Titel von links nach rechts über den Bildschirm und man muss ihnen mit dem Curser geradezu hinterhereilen. Soviel Dynamik passt eher zu einem Actionfilm als zur Langsamkeit von "Mytery Train" :-) Schade auch, dass es keine englischen Untertitel für die erste, japanische Episode gibt. Das passt besser, wenn man den Film im englischen Original schaut. Und noch ein letzter Satz zu den Extras: Auf dem Cover ist von einer "Filmographie" und von einem "Trailer" die Rede. Es handelt sich in Wahrheit aber nur um ein einziges Extra: Hinter der Filmographie verbergen sich die Trailer aller früheren Jarmusch-Filme (d.h. bis "Night on Earth"), inklusive dem von "Mystery Train", der dann noch einmal einzeln aufgeführt wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Der Mystery Train fährt durch die Nacht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mystery Train (DVD)
Der Mystery Train fährt auf den Gleisen und ist ein paar mal im Film zu sehen. Der Titel hat nur nebensächlich mit dem Film zu tun.Es sind bei Jarmusch die Dinge, die nebenbei passieren oder unwichtig scheinen und die dann ungedeutet im Raum stehen bleiben.Typisch für seine Entwicklung als Regisseur sind die Figuren und der Handlungsstrang. Am Ende der Episoden gibt es eine Verknüpfung, ein Pistolenschuss, was aber nicht sehr komplex aufgebaut ist. Negativ dazu wäre nach an zu merken, das die Dialoge des asiatischen Päärchens teilweise zu gewollt belanglos geraten sind, aber sich dennoch eines typischen Charmes, von Aussenseitern auf der Suche, bedienen. Grandios sind die verfallen Gebäude und Weitsichten kurz vor Dunkelheit auf die Stadt. Vieles wiederholt sich scheinbar, aber nie ist es gleich. Die Schauspieler agieren langsam und kühl und sind scheinbar in ihrer eigenen Welt gefangen, nehmen aber trotzdem miteinander Kontakt auf. Der skurille Humor glänzt hier an allen Ecken. Jarmusch nimmt hier selber die Kunsthaftigkeit seiner Filme aufs Korn und es sind tatsächlich einige Brüller dabei. Man sollte den Film einfach auf sich wirken lassen und nicht zu intellektuell, noch zu oberflächlich heran gehen. Allein der Auftritt des letzten Trios, mit Steve Buscemi, ist faszinierendes Schauspiel mit leisen Tönen und unterdrückten Spannungen. Für Jarmuschfans ein Muss, für Kinoliebhaber sowieso. Der Film fliesst dahin, manchmal langweilig, manchmal spannend, aber immer anders als die übliche Episodenfilme mit Aufschlüsselung am Ende. Die ist hier, wie bei allen Jarmuschfilme, nicht zu erwarten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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