Ein Schmalz ist ein Schmalz ist ein Schmalz... Und wenn schon! Jedenfalls dann, wenn Roy Orbison seinen gesammelten Tenor-Schmelz hineinlegt, und wenn er das perfekt singt, was er ganz einfach kann wie kein zweiter: Schöne Songs, mitreißende Melodie, dazu diese Stimme... So schnörkellos und schnulzenfrei kann die Schnulzen-Tonlage Tenor klingen! Und hier, auf einem seiner in sich stimmigsten und vor allem abwechslungsreichsten Alben, dosiert Orbison haargenau richtig, hat er offensichtlich endlich mal die richtigen Produzenten erwischt, nämlich u.a. Jeff Lynne, Mike Campbell, Bono und T Bone Burnett. Und die Kollegen Jeff Lynne, Tom Petty und George Harrison vom fast gleichzeitig erschienenen ersten und feinsten Traveling-Wilburys-Album hat er gleich dazugeholt. Die genialen Finger im Spiel hatten außerdem noch Benmont Trench, Steve Cropper und Jim Keltner -- um nur die namhaftesten zu nennen.
Herausgekommen ist 1988 ein erstaunlich "beweglicher" Roy Orbison, der nicht nur auf "(All I Can Do Is) Dream You" oder "You Got It" mal so richtig Dampf machen kann und daran erinnert, dass er in den 50ern beim Rock'n'Roll-Label "Sun Records" angefangen hat.
Aber bei aller Verve bleibt er sich doch auch treu, mit so perfekten Schwofnummern wie "California Blue", und gleich danach setzt er noch "She's a Mystery to Me" drauf. Wie er sich hier, erfreulich sparsam instrumentiert, Takt für Takt emporsteigert, nach verhaltenem Anfang -- so gut war er im Laufe seiner langen Karriere nur selten, und das will schon was heißen. Eine ähnliche Handschrift prägen gleich danach "The Comediennes" und "The Only One" (mit Steve Cropper markant an der Gitarre!) -- etwas Orbison-typischer instrumentiert diesmal, aber auch hier werden alle Register gezogen.
Wie sich's gehört, ist auch ein herzzerreißender Orbison-Heuler reinsten Wassers dabei: "A Love so Beautiful", getragen und mit himmelhoch schluchzender Stimme den Himmel erobernd, und natürlich mit allem Schmackes. Ein Roy Orbison darf sogar mal ein Streicher-Geschwader einsetzen, denn bei ihm passt's ganz einfach -- zudem dann, wenn der Produzent keinen Overkill anvisiert, so wie hier auf dem ganzen Album. Da ist kein Durchhänger an Bord; man müsste eigentlich alle Songs einzeln würdigen, also auch "Windsurfer" mit sanftem Kalifornien-Touch und feiner Slide-Guitar (Rick Vito), das schmachtende "Careless Heart", und den Bonus-Track auch: "You May Feel Me Crying" entstammt übrigens Waylon Jennings' Feder, und obwohl hier Brian Eno produziert und ein wenig zuviel des Gutgemeinten getan hat: Es passt.
Schade, dass das Orbisons Abschiedsvorstellung war. Sauschade.