Birds Stärke ist die Fähigkeit, zu arrangieren, aus solidem, guten Songmaterial etwas Besonderes zu machen (auch wenn er nie in die A-Klasse aufstoßen wird, aber dort ist sowieso nur wenig Platz) - bei Multi-Instrumentalisten findet man das ja häufiger, dass einer mehr raus holt aus dem Songformat als die wenig Originalitäts-Nischen bietende Rockformation Gitarre/Schlagzeug/Bass. An den Liedern kann man nichts aussetzen. Mehr noch: Die Lyrics gehören zum Originellsten (vor allem sprachlich und thematisch) überhaupt - die Wortwahl greift mitunter in entlegenere Schubladen (ich musste meinen Langenscheidt wiederholt hervor kramen) und reimt ganz sicher nicht "together" auf "forever". Auch die Stimme wirkt leicht, sanft, verbreitet Wohlklang. Man kann sich kaum vorstellen, dass er jemals über den Schmerz der Existenz auf Erden oder im Ernst über Selbstmordattentäter singen würde. Dass es ihm trotzdem gelingt, Banalitäten weit von sich zu weisen (zugegeben: ich verstehe einige Songtexte auch gar nicht, aber das gilt ja auch gelegentlich für R.E.M. und für Ingeborg Bachmann, ist also nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen), muss positiv vermerkt werden. Und dann noch das Booklet: Hervorragend illustriert, für jeden Song gibt es eine farbige, assoziative Zeichnung. Selbst die Instrumentals sind hier keine zweitklassigen Brücken, sondern sind auch als Stück durchaus tragfähig. Keine Platte, die man haben muss, wer aber interessant instrumentierten Pop auflegen möchte und weiß, dass das Formatradio das allerletzte Mittel ist, um sich mit Popmusik beschallen zu lassen, der kaufe dieses äußerst nette Album und schalte das Radio mit seinen lustigen Schlagabtäuschungen, dem 1.000 Hörer-Wettbewerb und den Nachrichten in aller Kürzestkürze und vor allem den immer wieder wieder wiederwiederholten Wiederholungen von Top-20-Titeln ab.