Schon am Vorgänger "All Or Nothing" wurde deutlich: Fat Joe hat von New York genug. Produziert wurde die damalige Platte fast ausschließlich von Cool & Dre, StreetRunner, The Runners und DJ Khaled, alle aus Miami, dazu mit Lil Jon und Timbaland noch weitere South-Größen. Aufgrund des poppigen Sounds enttäuschte das Album allerdings, daher sollte auf "Me, Myself & I" alles anders werden. Und tatsächlich, Joey Crack hat es geschafft. Wesentlich dunkler und persönlicher, einfach viel besser. Zwar durften mit LV und Nu Jerzey Devil auch zwei East Coast Producer ran, Scott Storch ist ebenfalls wieder mit am Start, doch ansonsten ist das neue Bild von StreetRunner, DJ Khaled und The Runners Programm.
"Pendemic" übernimmt etwas die Rolle des Intros, kommt langsam und schwerfällig daher und leitet einen ruhig an das Album heran. Der dicke Bass und die doch eher dunklen Hintergrundklänge zeigen Fat Joe, der seine alte Motivation wieder gefunden zu haben scheint. Das spürt man auch bei "Damn", das dank Schlagzeug, Bläsern, Flöten und erneut straffen Beats sehr melodisch, aber auch kraftvoll und energiegeladen klingt. Was Joe hier bietet ist ebenfalls echt klasse, denn so bissig hörte man ihn in den letzten Jahren nicht immer. Ein bisschen geprahlt werden muss natürlich auch und wer würde sich als Gast dazu besser eignen als Lil Wayne? DJ Khaled's Produktion ist ungewohnt dunkel, mystisch und hat einen gewissen Mafia-Charme. Beide lassen es mit den Rhymes ruhiger angehen, wobei mit Weezy ein klein bisschen besser gefällt als der Don Cartagena.
Meine derzeitigen Lieblingsproduzenten The Runners machten aus "No Drama (Clap & Revolve)" einen echten Banger. Hier rappt Fat Joe über tiefe Beats, die von Frauenchören, einer Orgel und Paukenschlägen zu einem imposanten Gesamtbild getrimmt werden, dass es einem voll aufgedreht kalt den Rücken hinunterlaufen lässt. Wesentlich entspannter geht es bei "Breathe And Stop" zur Sache, das aufgrund von Reggae-Riddims und immer wiederkehrenden Trompeten richtig sommerlich und chillig klingt. Da passt es gut, dass mit The Game ein Rapper aus dem sonnigen Californien mit dabei ist und dabei hilft einen weiteren tollen Track zu kreieren. "She's My Mama" (feat. H-Mob) dreht sich nicht um Joey's Mom, sondern seine Liebschaft. Erneut drückt die Bassline ganz schön heftig, durch fröhliche Klänge und Melodien kommt jedoch wieder einmal dieses Sommerfeeling aus Florida auf.
Der Hit dieses Albums ist zweifelsohne die Club-Hymne "Make It Rain", produziert von keinem anderen als Scott Storch. Tanzbare, eingängige und orhwurmtauglich Beats treffen auf dieses Wahnsinns-Synthesizer-Stück, das einem gar nicht mehr aus dem Kopf geht, vor Allem wenn Lil Wayne zum Refrain ansetzt gibt es bei mir kein Halten mehr. Cool und entspannt geht es mit dem wieder sehr von Instrumenten geprägten "Jealousy" weiter. Diddy's Arbeitnehmer LV verwendete hauptsächlich eine ruhige E-Gitarre, die etwas Seventies-Style bringt, auch der helle Frauengesang, der sich auf das Wort Jealousy beschränkt passt da gut dazu, genau wie die Bläser und natürlich der dicke Joe. "Think About It" gehört wieder in die Kategorie hart und ernst, passend dazu die Produktion des Scott Storch, der diesmal etwas komplett anderes aus dem Hut zaubert, als noch zuvor.
Die für mich einzige Enttäuschung des Albums findet man mit "Hard Not To Kill". Das Instrumental ist einfach unrund und unangenehm anzuhören, auch der Flow von Fat Joe ist hier alles andere als elegant, da kann leider auch die Outlaw-Revolverheld-Atmosphäre nichts retten. Naja, was soll's? Da freut man sich umso mehr auf "Bendicion Mami", ein Lied, bei dem Joey Crack endlich mal wieder den Latino in sich zum Vorschein bringt und über eine ruhige, dennoch emotionale, ausdrucksstarke und leidenschaftliche Gitarren-/Trompetenproduktion seiner Mutter dankt. Das klingt trotz StreetRunner zwar eher nach Lateinamerika als nach Miami, aber auch echt gut. Dafür sorgt dann eben Terror Squad Member DJ Khaled. Anstatt auf Party wird bei seinem "Story To Tell" eher auf ernste Töne gesetzt, dank der Glockenschläge und natürlich der Synthesizer-Melodien merkt man aber sofort, dass es aus dem Sonnenstaat Florida kommt. Fat Joe liefert hier eine seiner besten Vorstellungen und beendet "Me, Myself & I" somit großartig.
Nach dem nur durchschnittlichen Vorgänger hat Fat Joe hier alles richtig gemacht und auf die richtigen Produzenten und Gäste gesetzt, er selbst scheint dabei wieder seine alte Klasse gefunden zu haben. Es ist wohl die absolut richtige Entscheidung gewesen, sich für die alten Tage im sonnigen Süden niederzulassen und mit Leuten wie Rick Ross oder der Cash Money Clique gemeinsame Sache zu machen, anstatt poppiges Chart-Battle mit Dauerrivale 50 Cent. Wer auf den aktuellen Florida-Sound steht sollte unbedingt einmal reinhören und sich am Besten auch gleich noch den Nachfolger "The Elephant In The Room" besorgen, der diesen Style noch weiter fortführt.